Hoffnung für die Ärmsten
Petra Theiner mit Verdienstkreuz ausgezeichnet
Petra Theiner bei einem ihrer Besuche in Kalkutta.
Aus den Händen der Landeshauptleute Anton Mattle (links) und Arno Kompatscher konnte Petra Theiner das Verdienstkreuz entgegennehmen.

„Danke, dass ihr diesen Weg mit mir geht“

Petra Theiner spricht allen Spenderinnen und Spendern ein dickes Vergelt´s Gott aus.

Publiziert in 15 / 2026 - Erschienen am 25. August 2026

Innsbruck/Prad - Zu jenen Persönlichkeiten, die am 15. August in Innsbruck das Ehrenzeichen des Landes Tirol in Empfang nehmen konnten, gehörte auch Petra Theiner aus Prad. Sie wurde für ihre Verdienste um das Gesundheitswesen, insbesondere um Schulprojekte und infrastrukturelle Verbesserungen für Menschen in Kalkutta ausgezeichnet. Als weiterer Vinschger erhielt Manfred Pinzger aus Vetzan das Verdienstkreuz (siehe Seite 6). Zwei weitere Vinschger wurden mit der Verdienstmedaille ausgezeichnet: Karl Josef Moriggl für Verdienste um die Kirche, Kultur und das Sozialwesen in Burgeis und Luis Weger für Verdienste im Vereinswesen in Mals. Petra Theiner, die Gründerin und Vorsitzende des Südtiroler Hilfsvereins „Hoffnung auf einen besseren Morgen“, setzt sich seit über 2 Jahrzehnten vor allem in Kalkutta für die Ärmsten der Armen ein. 

der Vinschger: Was hast Du empfunden, als Du erfahren hast, dass Dir das Verdienstkreuz des Landes Tirol verliehen wird?
Petra Theiner: Ich habe mich in erster Linie für all jene Menschen gefreut, die mit mir Hoffnung schenken und die mich auf diesem Weg begleiten. Es gibt Spender und Spenderinnen, die mir seit mehr als 20 Jahren ihr Vertrauen schenken. Das ist ein großes Geschenk für mich. Es gibt viele, die für mich beten. Zu wissen, dass unsere Tätigkeit wertgeschätzt wird, dafür bin ich zutiefst dankbar.

Du warst vor 22 Jahren zum ersten Mal in Kalkutta. Was gab Dir den Anstoß, den Ärmsten der Armen zu helfen?
Ich war vier Jahre, als unser Tata mit 36 Jahren mit dem Auto tödlich verunglückte, meine Geschwister drei und fünf Jahre. Für unsere Mama ein unbeschreiblich schweres Schicksal am Prader Berg, was sie für uns getragen hat. Damals, in den 1970-er Jahren, waren die Zinsen 26% und mehr, die sie für den Hausbau zurückzahlen musste. In aller Not gab es aber auch immer wieder Menschen, die uns weiterhalfen. Ich spürte schon lange, dass ich etwas zurückgeben möchte von dem Guten, was wir erfahren durften. Und nach einem Dia-Abend über Mutter Teresa, das Sterbehaus und die Straßenkinder von Kalkutta wusste ich, wem ich aus großer Dankbarkeit etwas zurückgeben möchte: den Ärmsten der Armen. Innerhalb von nur zwei Monaten war ich allein in dieser riesigen Metropole Kalkutta mit ca. 25 Millionen Menschen. Rund 10 Millionen davon sind nicht registriert. Sie existieren nicht.

Welches waren die bisher wichtigsten Hilfsprojekte und Initiativen, die Du in Kalkutta und Umgebung umgesetzt bzw. angestoßen hast?
Es ist wichtig, Unabhängigkeit zu schaffen. Die Menschen müssen lernen, auf eigenen Beinen zu stehen und ihren Alltag trotz aller Schwierigkeiten so gut wie möglich zu meistern. In erster Linie ging es darum, so viele Kinder wie möglich von den Müllhalden zu holen. Die Kinder, auch sehr kleine, müssen auf den Müllhalden Abfälle sortieren und diese werden dann für ein paar Rupien weiterverkauft. Es reicht für eine Mahlzeit pro Tag und dafür schuften sie den ganzen Tag unter unmenschlichen Bedingungen. In der Monsunzeit waten sie bis zu den Knöcheln im Dreck, der Gestank ist nicht auszuhalten. Aber sie haben keine andere Chance. Wir müssen vor allem auch den Frauen eine Stimme geben und sie unabhängig von ihren Männern machen, denn die meisten werden zwangsverheiratet. Wenn sie z.B. eine Arbeit als Näherinnen finden, dann können sie ihre Familien selbst ernähren. 

Sauberes Trinkwasser ist in Kalkutta oft Mangelware.
Ja, genau deshalb war und ist es für uns ein großes Ziel, für so viele Menschen wie möglich einen Zugang zu sauberem Trinkwasser zu ermöglichen. Wir konnten dies bereits für Tausende von Menschen erreichen. Auf dem Land kaufen wir für die Bauern eine Kuh und ein paar Hühner. Damit können sie überleben. Wir setzen auch Schulprojekte um, damit Kinder aus den Slums in die Schule integriert werden können. Hunderte von Kindern sind als Bettler unterwegs, um den Hunger zu stillen. Nur mit Hilfe einer Ausbildung haben die Kinder die Chance, den Fesseln der Armut zu entkommen. Auch Rettungsautos haben wir angekauft, um die Menschen auf dem Land so schnell wie möglich bei Bedarf ins Krankenhaus zu bringen. Ansonsten wären tagelange Fußmärsche notwendig. Besonders am Herzen liegen mir auch Lepra-Patienten. 

Woher nimmst Du die Kraft, bestehende Projekte fortzuführen und laufend neue auf die Beine zu stellen?
Ich muss ehrlich sagen: Ohne die Kraft von Gott würde ich diesen Weg nicht schaffen. Er ist der erste und letzte Gedanken an jedem Tag. Zu wissen und zu fühlen, dass er mir in schweren Zeiten die Kraft gibt, es zu tragen, macht mich stark und sehr, sehr dankbar. Wenn man vor Menschen steht, die lebendig von Ratten angefressen sind, Menschen, aus denen Würmer krabbeln oder Menschen, die am lebendigen Leibe faulen: Wer bitte soll da noch helfen, wenn nicht der Höchste? Es ist Jesus. Zudem weiß ich, dass mich mein Tata und meine Mama von oben beschützen. Das durfte ich in brenzligen Situationen in Kalkutta, als ich als Frau allein unterwegs war, schon öfters erfahren.

Der Grundsatz „Hilfe zur Selbsthilfe“ ist Dir seit jeher besonders wichtig. Trägt dieser Leitgedanke auch konkrete Früchte?
Ja, er muss wichtig bleiben. Sonst können wir nichts verändern. Wir im Westen sehen bestimmte Dinge anders, z. B. wissen wir nichts von furchtbaren Überschwemmungen, Monsun oder Hitzeperioden von über 44 Grad. All das macht das Überleben schwieriger. Wir müssen den Menschen vor Ort bestimmte Dinge lernen, damit sie sich selbst helfen können. Wie wir das z.B. konkret mit unserer Fahrschule machen. Wir bilden junge Männer als Taxifahrer aus, dann können sie diesen Beruf ausüben und die Familien selbst ernähren. In den Hoffnungsdörfern, wo wir für Familien Häuser bauen, sprich einfache Unterkünfte aus Ziegeln, müssen die Begünstigten selbst mit anpacken. Sie haben jede Menge Zeit und am Ende ist es ihr Haus. Und darauf schauen sie dann auch gut.

Welche neuen Projekte hast Du im Visier?
Im 1. März 2026 habe ich ein neues Projekt ins Leben gerufen. Meine Helfer und Helferinnen sind auf den Bahnhöfen unterwegs, um den wirklich Ärmsten, den Obdachlosen, den Ausgesetzten, die in Kanälen ihr Dasein fristen, und schwer beeinträchtigten Menschen eine warme Mahlzeit zu bringen. Für viele ist es die einzige Mahlzeit für ein paar Tage. Wir sind mit 50 Menschen gestartet und jetzt haben wir mehr als 200 pro Tag zu „füttern“. Eine Mahlzeit kostet ca. 30 Cent. Als ich im Vorjahr in Kalkutta war, habe ich mit dem Lepra-Projekt begonnen. Der Staat hat außerhalb von Kalkutta Wohnblocks hingestellt, wo ca. 500 Patienten dahinvegetieren. Teils haben sie keine Toiletten, kein fließendes Wasser in den Häusern, keine Ventilatoren und kein Abwassersystem. Die Ratten sausen vor den Wohnblocks umher. Die Bedingungen sind unbeschreiblich. Offiziell gibt es Lepra nicht mehr, genauso wie Rachitis. Die Menschen werden ihrem Schicksal überlassen. Der Staat, das reiche Indien, tut nichts, weil diese Menschen niemals Steuern zahlen können. Lepra bedeutet, dass die Menschen ihre Familien verlassen müssen und nie mehr zurückkehren dürfen. Das Lepra-Projekt wird noch Jahre andauern, ebenso die Betreuung eines neuen Slums, wo es um Trinkwasserversorgung, Schulausbildung und Sprengelstützpunkte für die Ärmsten geht.

Ist die Solidarität und Hilfsbereitschaft der Südtiroler Bevölkerung für Deinen Verein „Hoffnung auf einen besseren Morgen“ nach wie vor gegeben?
Ja, die Solidarität der Südtiroler und Südtirolerinnen ist unglaublich. Wenn sie wissen, dass ihr Geld ankommt und was damit gemacht wird, dann helfen sie mit Herzen und auch gerne. Es gibt Menschen, die mich seit 20 Jahren unterstützen, die haben einen Dauerauftrag auf der Bank. Das Vertrauen dieser Menschen genießen zu dürfen ist ein großes Geschenk für mich. Die Südtiroler und Südtirolerinnen wollen mithelfen und jedem Einzelnen möchte ich ein großes Vergelt´s Gott sagen. 

Wie wird garantiert, dass die Spenden dort ankommen, wo sie ankommen sollen?
Ich mache meinen Dienst für die Ärmsten ehrenamtlich. Alle Spesen, Flug usw., bezahle ich aus eigener Tasche. Ich werde von den Ärmsten reich beschenkt, mit ihrem Lachen, ihrer Dankbarkeit und Zufriedenheit. Das sind richtige Schätze. Die Spendengelder werden ohne Abzug weitergegeben. Unser Verein hat seit Jahren das Sicher-Spenden-Siegel, auch das ist eine zusätzliche Garantie. Mein Vertrauensmann in Kalkutta, Father Mathew George, der die Projekte mit mir ausarbeitet, schickt mir die Kostenvoranschläge. Ich schicke ihm nach Überprüfung das Geld und bekomme jeden Cent abgerechnet mit Rechnungen zurück. Täglich berichtet mir Mathew George über WhatsApp und E-Mail von unseren laufenden Projekten und Arbeiten. Und zudem bin ich in der Regel jedes Jahr selbst vor Ort, um den Fortschritt der Projekte zu begutachten.

Die Liste der Menschen, denen Du danken möchtest, ist sicher lang, welche Personen möchtest Du namentlich nennen?
An erster Stelle meinen Partner Christian Zischg für seine Geduld, sein Mittun, seine Hilfe und besonders sein Mitfühlen. Ohne diesen besonderen Menschen wäre das alles nicht möglich. Nennen möchte ich auch meine zwei Buabm Niclas und Elia und meinen Vertrauensmann vor Ort, Father Mathew George, für sein unbeschreibliches Wirken. Er koordiniert all unsere Projekte. Zu nennen sind auch meine „Puschterer Engel“ aus Bruneck, die seit über 15 Jahren den nun schon bekannten Flohmarkt organisieren, und die Kräuter- und Bastelfrauen aus Maria Trens. Jedes Jahr am 15. August findet für unseren Verein ein Kräuter- und Bastelmarkt statt. Es ist mir aber auch ein besonderes Anliegen, wirklich allen Spenderinnen und Spendern zu danken, die mit mir Hoffnung schenken. Ohne sie wäre dies alles nicht möglich. Und mit all jenen, die mit mir diesen Weg gehen und mich auf irgendeine Art und Weise unterstützen, Medien inklusive, möchte ich als großes Vergelt´s Gott „a Stickl“ von dieser Auszeichnung teilen. Es gibt Hoffnung, weil es solche Menschen gibt.

So kann man helfen
Spenden für den Verein „Hoffnung auf einen besseren Morgen“ kann man bei der Sparkasse (IBAN: IT 59 Q 06045 58720 000000000111 BIC: CRBZIT2B030) und bei der Raiffeisenkasse (IBAN: IT 70 R 08183 58720 000300238210 BIC: RZSBIT21027).

Josef Laner
Josef Laner

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