Im Bild links Frieda Schuster in den 1930-er Jahren, rechts ein Bild, das Frieda im Alter zeigt

Frauen sichtbar machen, die Südtirol geprägt haben

Frieda Schuster Oberegelsbacher würde am 12. April 100 Jahre alt werden. In Verzeichnis „Frauenbiografien und Straßennamen“ aufgenommen.

Publiziert in 7 / 2026 - Erschienen am 8. April 2026

Schlanders - In vielen Bereichen hatten in früheren Zeiten fast ausschließlich Männer das Sagen, in erster Linie in der Politik. Es war dieses stark männerdominierte Gesellschaftssystem, mit dem sich Frieda Schuster Oberegelsbacher aus Schlanders, geboren am 12. April 1926 und gestorben am 2. Februar 2020, nie abfinden konnte und wollte. Als „glaubensstarke Frau mit Herz, Mut und Tatkraft in Familie, Schule, Politik und Gesellschaft“, wie sie charakterisiert wird, hat sie bleibende Spuren hinterlassen. Am kommenden 12. April würde sie ihren 100. Geburtstag feiern. Unlängst hat das Wirken von Frieda Oberegelsbacher eine wissenschaftliche Würdigung erfahren. Sie wurde in das Verzeichnis der Forschungsarbeit „Frauenbiografien und Straßennamen“ des Kompetenzzentrums für Regionalgeschichte der Freien Universität Bozen aufgenommen. Das Ziel des Projektes war und ist es, Frauen sichtbar zu machen, die Südtirol geprägt haben. Auch als Empfehlung für die Benennung von Straßen nach besonderen Frauen darf und soll das Verzeichnis verstanden werden. Frieda Oberegelsbacher scheint im Verzeichnis, das 271 Kurzbiographien von Frauen auf internationaler, regionaler und lokaler Ebene umfasst, unter der Rubrik „Politisches Engagement“ auf.

Zwischen Krieg, Neubeginn und Verantwortung

Nach dem Besuch der Katakombenschule in Schlanders erhielt Frieda als Tochter einer Familie, die optiert hatte, ihre Ausbildung an der Lehrerinnenbildungsanstalt in Innsbruck. Im Dezember 1943 wurde das Schulgebäude zerbombt. Die Schule musste ins Zillertal ausweichen, wo Frieda kurz vor Kriegsende ihren Matura-Abschluss machte. Noch im selben Jahr kehrte sie unter abenteuerlichen Umständen in den Vinschgau zurück und begann in Kortsch zu unterrichten. Sie hatte 48 Schülerinnen und Schüler in einer Klasse unter ihrer Obhut, von der 4. bis zur 8. Schulstufe. Während dieser Zeit setzte sie sich auch für das SOS Kinderdorf ein. 1958 heiratete sie den Lehrer August Oberegelsbacher, wurde Mutter von vier Kindern, darunter ein Sohn mit Down-Syndrom, und blieb dennoch berufstätig. Ihre Unabhängigkeit, sagte sie später, sei ihr immer wichtig gewesen. Ein Hausmädchen und die Hilfe ihrer Mutter Kreszentia machten dies möglich. Nach 29 Dienstjahren ging sie mit 48 in Pension. Doch für Frieda war das kein Rückzug, sondern ein Aufbruch.

Als Frau in die Politik

Als man sie bat, für den Gemeinderat zu kandidieren, zögerte sie zunächst. Aber so manche Missstände in der Schul- und Sozialpolitik, die männlich dominierte Gemeindepolitik und die schleppende Entwicklung der „Lebenshilfe“ waren für sie Anliegen, die sie nicht losließen. 1974 wurde sie als erste Frau in den Gemeinderat gewählt und das gleich als Drittplatzierte. Im Ausschuss übernahm sie die Bereiche Schule, Kultur und Soziales. Unter ihrer Verantwortung wurden viele Projekte umgesetzt: Die erste Gemeindebibliothek, die ersten Kinderspielplätze, die Erweiterung des Kindergartens und ein Schulbau am Sonnenberg. Auch als Friedensrichterin in der Gemeinde Schlanders wirkte Frieda. Konflikte scheute sie keine, sogar ein Misstrauensantrag gegen den amtierenden Bürgermeister und dessen Amtsenthebung gingen maßgeblich auf ihr politisches Engagement zurück. Treibende Kraft war sie außerdem bei der Frauenbewegung in Schlanders. Fast 20 Jahre lang arbeitete sie zudem im Vorstand der Lebenshilfe Vinschgau mit. Sie setzte sich für Menschen mit Behinderung ein und spielte eine entscheidende Rolle beim Bau des „Hauses der Lebenshilfe“ in Schlanders. Die Förderung von Bildung und Ausbildung, besonders auch von Mädchen und Frauen, erachtete sie stets für unerlässlich. 1993 erhielt sie für ihr Engagement die Verdienstmedaille des Landes Tirol, 2007 folgte die Ehrenurkunde der Gemeinde Schlanders.

Ein starkes Zeichen

Die Aufnahme von Frieda in das Verzeichnis „Frauenbiografien und Straßennamen“ kann als starkes Zeichen dafür verstanden werden, dass ihr Name zu jenen gehört, die erinnert, erzählt und gewürdigt werden sollen. Frieda Oberegelsbacher hat Spuren hinterlassen, in Schlanders, im Vinschgau, im Herzen vieler Schulkinder, in der Lebenshilfe, in der Frauenbewegung und in der politischen Kultur Südtirols.

Redaktion

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