„Hilfe zur Selbsthilfe“
Warum Fairer Handel mehr ist als faire Preise.
Latsch - „Wie kann der Faire Handel Erfolgsmodell für Kleinbauernfamilien sein?“: Unter dieser Frage stand unlängst der Vortragsabend von Thomas Hoyer im CulturForum in Latsch. Der Weltladen Latsch hatte Hoyer dazu eingeladen. Der Ravensburger arbeitete seit Anfang 1993 bei der WeltPartner eG, einer Fair-Trade-Genossenschaft, die 1988 in Ravensburg gegründet worden war. Im Sommer 2025 wechselte er zur eng damit verbundenen gemeinnützigen Genossenschaft „WeltPartner schafft Zukunft eG“. Der Fokus liegt auf der Förderung und Koordination von sozial-ökologischen Projekten (wie Agroforst sowie Bildungs- und Entwicklungsarbeit), die über den reinen fairen Handel hinausgehen. „Fairer Handel ist Hilfe zur Selbsthilfe“, hatte der Obmann der Weltladen-Genossenschaft, Richard Theiner, den Referenten angekündigt. Genau darum gehe es bei WeltPartner, nicht um die graue Theorie, sondern um die Frage: „Ist etwas nur ein Strohfeuer oder gelingt es, nachhaltig etwas aufzubauen?“ Laut Theiner gelte es, langfristig zu denken und für die Menschen Perspektiven vor Ort zu schaffen.
Unterstützung durch fairen Handel
Hoyer erklärte, auf welche Weise das gelingen könne. Es gelte, Kleinbauernfamilien bewusst mit Fairem Handel zu unterstützen, wie es eben die Weltläden machen. „Sie durch faire Preise und Konditionen zu unterstützen, ist der Schlüssel, um Landflucht und die daraus oft folgende Migration zu verhindern“, betonte er. Der Unterschied zwischen Fair-Trade-Produkten, wie sie etwa in Supermärkten angeboten werden, und jenen, die in den Weltläden verkauft werden, sei das Drumherum. „Fairer Handel ist mehr als fairer Preis“, betonte er. Die Weltläden würden hehrere Ziele als den fairen Preis verfolgen. Hier werde direkt mit den Produzentinnen und Produzenten vor Ort zusammengearbeitet, man kenne die Menschen hinter den Produkten. Es werde nachhaltig in Projekte vor Ort investiert: Bildung, Gesundheit, Infrastruktur und Co. So entfalte sich eine stärkere sozial-ökologische Wirkung.
Konkrete Projekte mit Wirkung
Wie nachhaltige Unterstützungsmaßnahmen konkret aussehen, dazu zählte Hoyer drei Beispiele auf. So etwa das Projekt „Kaffee aus Agroforst“ in Burundi, wofür Hoyer selbst regelmäßig im ostafrikanischen Land weilt. „85 Prozent der Bevölkerung lebt hier von der Landwirtschaft, 70 Prozent vom Kaffeeanbau“, erklärte Hoyer. Das Land sei eines der ärmsten der Welt, 75 Prozent der Bevölkerung befinden sich unterhalb der Armutsgrenze und müssen mit weniger als 80 Cent pro Tag zurechtkommen. 68 Prozent der Menschen sind mangel- oder unterernährt, die Lebenserwartung liegt bei 62 bzw. 65 Jahren. Zudem seien in Burundi die Abholzungsraten der Wälder sowie die Auswirkungen des und auf den Klimawandel hoch, die Wasserverfügbarkeit nehme ab. Die Folge: ein Armutskreislauf und immer mehr Geflüchtete. Mit dem Agroforstprojekt wolle WeltPartner diesem Kreislauf entgegenwirken und für Ernährungssicherheit sorgen. Dabei werden Kaffeepflanzen gemeinsam mit Bäumen und anderen Nutzpflanzen wie Bananen etc. angebaut, um Boden, Klima und Erträge zu schützen. Die Bauern erhalten Schulungen, pflanzen neue Bäume und können ihren Kaffee fair verkaufen, was ihr Einkommen stabiler macht. In der verantwortlichen Genossenschaft vor Ort werden außerdem Jobs angeboten. So verbindet das Projekt Umweltschutz, Klimaanpassung und bessere Lebensbedingungen für die Familien. „Das Projekt wächst ständig, jedes Jahr kommen neue Familien hinzu“, erklärte Hoyer.
„In den Ländern selbst etwas anstoßen“
Ein zweites Beispiel für nachhaltige Unterstützung vor Ort ist PREDA. „Eines meiner Lieblingsprojekte, eine meiner Lieblingspartnerschaften“, unterstrich der Referent. Bei PREDA handelt es sich um eine Kinderschutzorganisation, die 1974 vom irischen Pater Shay Cullen auf den Philippinen gegründet wurde. Shay Cullen hatte schnell verstanden, dass es mehr als Spenden brauche, um nachhaltig zu helfen. „Es galt, neue Perspektiven zu schaffen“, betonte Hoyer. Durch den Fairen Handel mit Mangos werden Kleinbauernfamilien vor Ort unterstützt. Dabei gibt es nicht nur hohe und garantierte Preise für alle geernteten Mangos, sondern auch langfristige Abnahmegarantien, Schulungen im Bio-Anbau und vieles mehr. Den Erlös aus dem Handel mit Mangos nutzt Preda u. a. für die Bekämpfung der Kinderprostitution und anderer Menschenrechtsverletzungen. „Seit 1982 konnte über 5.000 philippinischen Kindern geholfen werden“, zählte Hoyer auf. Jährlich werden aufgrund der Kinderrechtsarbeit von PREDA rund 20 Täter verurteilt. „Mit jedem Kauf eines PREDA-Produktes tut ihr dreifach Gutes: Ihr unterstützt Kleinbauernfamilien durch die fairen Preise, ihr unterstützt Kinderschutz und Kinderrechte und ihr erhaltet einen leckeren, exotischen Genuss“, warb Hoyer. Als drittes Beispiel nannte er noch „fairafric“. Dabei handelt es sich um ein deutsch-ghanaisches Unternehmen aus München und Amanase (Ghana). Seit 2016 produziert es als erste europäische Firma, vom Kakaobaum bis zur fertig verpackten Tafel, Bio-Schokolade in Ghana.
„Man kann noch so viel fair konsumieren, aber man verändert die Welt nicht wirklich. Es muss in den Ländern selbst etwas angestoßen werden. Das passiert durch solche Projekte“, zog Hoyer das Fazit über diese wichtige und nachhaltige Arbeit.