Die drei Fachreferenten (v.l.): Giulia Parolin, Petra Küspert und Elisabeth Hickmann.

„Ihre Welt erschafft sich täglich neu“

Publiziert in 12 / 2014 - Erschienen am 2. April 2014
Fachleute klären über AD(H)S auf. Eltern und Lehrpersonen sind gemeinsam gefordert. Schlanders - Sie sind kreativ, schnell, lebhaft, leiden an Aufmerksamkeitsdefiziten, sind hyperaktiv und leben ihre Gefühle aus. Die Rede ist von AD(H)S-Kindern und Jugendlichen. Sie waren Thema der Informationsveranstaltung und Diskussion „Konzentrationsstörung? Schlecht erzogen? AD(H)S?“, die kürzlich zahlreiche Interessierte und betroffene Eltern, Kindergartenpädagogen und Lehrpersonen in die Grundschule Schlanders zog. Dabei referierten drei Fachfrauen über die Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung: Giulia Parolin, Petra Kuspert und Elisabeth Hickmann. „Kinder, die lebhaft sind, haben nicht gleich AD(H)S, denn es muss eine bedeutsame Beeinträchtigung vorliegen“, so Parolin, Ärztin in der Kinder- und Jugendpsychiatrie. Vielfach herrsche die Meinung vor, dass Kinder, die unaufmerksam oder hyperaktiv sind, an AD(H)S leiden. Dem setze Elisabeth Hickmann gegenüber, dass die Zahl von betroffenen Kindern bei 3 bis 8% liegt. Bei den Erwachsenen sind es ungefähr 3% mit steigender Tendenz. Giulia Parolin sprach ebenfalls über die Auswirkungen in den unterschiedlichen Altersstufen, die Ursachen, die meist genetischer Art sind, sowie die medikamentöse Behandlung. Wird AD(H)S frühzeitig erkannt, so Parolin, kann ohne Medikamente geholfen werden. Deshalb sei es wichtig, dass Kinder, bei denen AD(H)S vermutet wird, frühzeitigst fachliche Hilfe bekommen, um eine eventuelle Diagnose zu stellen. Dauert es nämlich zu lange bis dem Kind geholfen wird, macht es jahrelang schlechte Erfahrungen, das Selbstwertgefühl sinkt und Sekundärstörungen, wie Depressionen, werden häufiger. Auch werde es dadurch immer schwerer die Lernrückstände aufzuholen, so die Ergotherapeutinnen Zita Gruber und Karin Pinggera. Dass AD(H)S-Betroffene durchaus erfolgreich sein können, zeigt Otto Walkes, so Petra Küspert, Diplompsycholgin von der Universität Würzburg. Sie fordert für Betroffene kurze und häufige Lernmethoden, ablenkungsarmen Lernstoff und häufigeres Wiederholen. Betroffene nehmen zu viel Information wahr und durch eine Reizfilterschwäche und ein schwaches Arbeitsgedächtnis gelingt es ihnen laut Küspert nicht, sich etwas zu merken. Elisabeth Hickmann, Sozialpädagogin aus Schlanders, stellte das Familienteam vor, das eine Stärkung der Eltern-Kind-Bezieht und die Gefühlsregulierung bei den Kindern als Ziele hat. Raus in die Natur und viel Bewegung sieht sie zudem als sehr gute Maßnahmen bei AD(H)S-Betroffenen. Reinhard Zangerle, Direktor des Schulsprengel Schlanders, forderte, dass Betroffenen gemeinsam geholfen werden muss, aber die Schüler/innen müssten auch lernen mit schwierigen Situationen umzugehen. Manuel Gruber
Manuel Gruber
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