Eine Innen- und Außensicht der „Scuderia“, wo die Materialschmiede entsteht
Studienreise der Materialinitiative Südtirol mit Isolde Veith (hintere Reihe links),Evelyne Monney (OFFCUT), Emily Guerra, Julia Vontavon, Simone Steinegger (OFFCUT) und Verena Dariz; das Bild entstand vor dem OFFCUT in Basel.

Materialmarkt im Aufbau

Neue Initiative für die Wiederverwendung von scheinbar wertlosen Materialien.

Publiziert in 15 / 2025 - Erschienen am 26. August 2025

Schlanders - Es ist kaum zu glauben, wie viele Dinge und Materialien, die eigentlich wertvoll sind und sich noch in einem guten Zustand befinden, einfach weggeworfen werden. Um diesem Trend entgegenzusteuern, wird in Schlanders schon seit einiger Zeit an der Errichtung eines sogenannten Materialmarktes gearbeitet. Die Initiative dazu ist von Isolde Veith ausgegangen, die vielen Kindern und Eltern aufgrund ihrer Tätigkeit als Kreativvermittlerin der „Kreativ- und Malwerkstatt DODA“ bekannt ist. Als Standort für den geplanten Materialmarkt konnte in Abstimmung mit der Gemeinde Schlanders als Eigentümerin die einstige „Scuderia“ auf dem Areal der Ex-Drusus-Kaserne vereinbart werden. Das kleine, seit der Auflassung der Kaserne ungenutzte Gebäude befindet sich im Eingangsbereich des Areals gegenüber der „Palazzina Tagliamento“, wo die Kreativwerkstatt der BASIS untergebracht ist und wo sich Kunstschaffende sowie HandwerkerInnen eingemietet haben. „Auch wegen seiner Nähe zur Kreativwerkstatt ist dieser Standort für den Materialmarkt ideal“, freut sich Isolde Veith, die übrigens den einjährigen Masterlehrgang „Design für Kinder“ an der Uni Bozen berufsbegleitend absolviert hat. Wie die Trägerschaft für den Materialmarkt aussieht, daran wird zurzeit gearbeitet. Bereits erfolgt sind hingegen die Ausräumung der „Scuderia“, neue Außenanstriche, der Austausch der Fenster durch Josef Spechtenhauser und eine teilweise Ausstattung mit Mobiliar einer Geschäftsauflösung. Motiviert Hand angelegt haben hierbei neben Isoldes Freundinnen und Bekannten auch Studierende der Fakultät für Design und Künste, unter dem Motto „aufwind“.

Vernetzung mit REX und OFFCUT

Zu den inhaltlichen Vorarbeiten gehörte u.a. die Reise einer Delegation des Klimateams Schlanders zum OFFCUT nach Winterthur und St. Gallen. Mit dabei waren Monika Wielander, Christiane Pircher und Georg Pircher, welche die Initiative mittragen und unterstützen. OFFCUT sammelt und verkauft Gebraucht- und Restmaterialien und macht so aus Reststoffen wieder Werkstoffe. In St. Gallen zum Beispiel werden Tapeten, Stoffe, Fässer, Papierrollen, Kartonspulen und viele weitere Dinge und Materialien gesammelt. Ermöglicht hatten die Lehrfahrt Verena Dariz (OEW), Georg Pircher (Landesamt für Abfallwirtschaft), Emily Guerra, Isolde Veith und Julia Vontavon vom REX in Brixen. Mit dem „REX – Material und Dinge“ stehen Isolde Veith und ihr Team im engen Kontakt. Hinter dem REX steht ein ganzheitliches Recyclingkonzept, das einen Secondhand-Bereich für Alltagsgegenstände, ein Bastelmaterial-Lager für pädagogische und gemeinnützige Einrichtungen und den Bereich „Aktivitäten“ vereint. Das REX ist Werkstatt und Treffpunkt zugleich. Ziel ist es, ressourcenverschwenderische Kreisläufe zu brechen und den Lebenszyklus von Gebrauchsmaterialien und Gebrauchsgegenständen zu verlängern. „RE“ steht für den englischen Wortbaustein „wieder“, das „X“ bezeichnet das Vielfache an Möglichkeiten, das sich im Rahmen des Projekts realisieren lässt. Wie beim REX in Brixen, soll es in Zukunft auch in Schlanders möglich sein, Materialien zum Materialmarkt zu bringen oder von dort zu beziehen.

„Nur scheinbar wertlos und unbrauchbar“

Laut Isolde Veith gibt es viele Materialien, die oft nur scheinbar wertlos und unbrauchbar sind, denn theoretisch können sie auf vielfältige Art und Weise wiederverwendet werden, etwa bei der Umsetzung kreativer Projekte im Sinne der sozialen und ökologischen Nachhaltigkeit. Die Liste der Materialien reicht von Stoff, Leder, Wolle, Leintüchern und sonstigen Textilien bis zu Knöpfen, Farben, Papier, Perlen, Holz, Glas, Draht, Schrauben, Kisten, Schachteln, Schläuche und vielen weiteren Materialien. Wichtig ist, dass diese sauber und intakt sind. Auch die Initiatorinnen des Materialmarktes in Schlanders möchten gezielt auf öffentliche Institutionen sowie auf Betriebe und Private zugehen, um zu Restposten und Ausschussmaterial zu kommen bzw. sogar Materialpartnerschaften mit Betrieben einzugehen. Von Seiten der Gemeinde erhofft man sich weiterhin eine gute Zusammenarbeit. Zu den konkreten Wünschen zählt derzeit ein Stromanschluss für die „Scuderia“.

Josef Laner
Josef Laner

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