„Ohne Gerechtigkeit gibt es keinen Frieden“
Schlanders - Mut, Tapferkeit, Gerechtigkeitssinn, Freiheitsliebe und ein unbegrenztes Gottvertrauen. So charakterisierte Dekan P. Mathew beim Gottesdienst, der am 22. Februar im Gedenken an Andreas Hofer in der Pfarrkirche in Schlanders gefeiert wurde, den bekanntesten Freiheitskämpfer Tirols. Männer mit Tugenden und Werten, wie sie Andreas Hofer pflegte, „werden in der heutigen Gesellschaft und Politik oft vermisst.“ Der Dekan, der in der Predigt u.a. auch auf den heurigen Fastenhirtenbrief von Bischof Muser einging, würdigte den Einsatz aller Schützen und Marketenderinnen des Landes für den Erhalt von Heimat, Tradition und Glauben. Für den ehemaligen Landeskommandanten des Südtiroler Schützenbundes und früheren Landtagsabgeordneten Pius Leitner, der heuer die Gedenkrede hielt, seien die Gedenkeifern anlässlich des Todestages von Hofer nicht eine Gewohnheit oder ein Ritual, sondern eine ehrenvolle Verpflichtung, geschichtliche Ereignisse wachzuhalten und sie aus heutiger Sicht einzuordnen. Die Demokratie und Europa stünden derzeit auf dem Prüfstand. „Wir stecken mitten in einem Kulturkampf“ und die große Frage sei, „ob wir die eigene christliche Kultur bewahren können.“ Auch in Südtirol sei vermehrt ein Haltungsjournalismus zu verzeichnen, sprich eine Vermischung von Fakten und persönlichen Meinungen. Eine Gefahr sieht Leitner u.a. in einer unkontrollierten Zuwanderung und in der demografischen Entwicklung, genauer gesagt im Einbruch der Geburtenzahlen. Unter Druck stehe in Südtirol die deutsche Sprache, Stichwort Gender. „Viele junge Menschen verlassen das Land“, so Leitner, auch deshalb, weil Wohnen kaum leistbar sei. Die Autonomie habe sich vom Minderheitenschutz hin zu einem Sprachgruppenausgleich entwickelt. Was echter Patriotismus sei, könne man von Andreas Hofer und anderen Freiheitskämpfern lernen. Echte patriotische Gefühle könne man weder verordnen, noch verbieten. Allerdings gebe es auch unechte „Tik-Tok-Patrioten“. Er persönlich orientiere sich lieber an Andreas Hofer und seinen Werten als an irgendeinen „linken Heilsapostel“. Besonders den Wert des Friedens gelte es immer vor Augen zu haben, aber auch die Selbstbestimmung und die Gerechtigkeit, „denn Friede kann nur auf Gerechtigkeit gebaut werden.“ Im Anschluss an den Gedenkgottesdienst feuerte die Schützenkompanie „Priester Josef Daney“, die zusammen mit der SVP-Ortsgruppe zum Andreas-Hofer-Gedenktag eingeladen hatte, beim Kriegerdenkmal eine Ehrensalve ab. Auch ein Kranz wurde niedergelegt. Die Bürgermeisterin Christine Kaaserer dankte abschließend im Namen der Gemeindeverwaltung den Schlanderser Schützen und Marketenderinnen, der SVP-Ortsgruppe Schlanders, dem Dekan, den Ministrantinnen und Ministranten, dem Kirchenchor, den Fahnen-Abordnungen, dem Gedenkredner, der Bevölkerung für die Teilnahme und die Beflaggung der Häuser sowie allen weiteren Mitwirkenden. Musikalisch begleitet hat die Heldenehrung beim Kriegerdenkmal eine Gruppe der Bürgerkapelle Schlanders.