Kurt Schöpf und Roland Thöni mit der Helfertruppe auf der Unteren Tartscher Alm.

Premiere für den Schafzuchtverein Ortler

Publiziert in 30 / 2013 - Erschienen am 4. September 2013
Südtirols 1. Schafalmwanderung am Tag des Internationalen ­Schafalmwandertages führte von Trafoi auf die Untere Tartscher Alm. Trafoi - Die 1. Südtiroler Schafalmwanderung stand im Zeichen des Wetterspruchs „Um Bartlmä schaut der Schnee vom Joch he“. Tatsächlich war das Ortlermassiv zum Teil wolkenverhüllt und frisch „angezuckert“. Mindestens ein Trafoier war damit gar nicht so unzufrieden. Kurt Schöpf, seines Zeichens Obmann des Schafzuchtvereins Ortler, hatte unruhige Nächte verbracht, weil ihm die „Massen“ durch den Kopf gingen, die bei schönem Bergwetter die Untere Tartscher Alm stürmen könnten. Dabei war alles vorbereitet. Drei Anmarschrouten waren beschildert, alle familienfreundlich, eine von der Franzenshöhe über die Obere Tartscher Alm absteigend, eine von Trafoi über Steig 16 und eine für die Bequemen von der Kehre Nummer 35, der „Obersten Lahner-Ried“ . Für letztere stand der Beförderungsdienst von Hugo Ortler bereit. Vom unsicheren Wetter nicht abschrecken ließen sich der Landesobmann des Südtiroler Kleintierzuchtverbandes Lorenz Müller aus Morter, seine Stellvertreter Johann Gufler aus Verdings und Heinz Greis aus Tarsch, seine Geschäftsführerin Barbara Mock und der Mittelvinschger Obmann Franz Andres aus Tschengls als Anreger der Schafalmbegehung. „Internationale Gäste“ waren die Vertreter des Schafzuchtverbandes aus Tirol mit Obmann Michael ­Bacher und Geschäftsführer Hannes Fitsch. Zur Alm gekommen waren auch die „Hausherren“, der ehemalige Tartscher Fraktionspräsident Michl Hellrigl und sein Nachfolger Lorenz Egger. Dorfbuchautor Hellrigl erinnerte sich an seine Zeit als Almmeister und blickte zurück auf die Geschichte der beiden Tartscher Interessentschaftsalmen mit etwa 231 Hektar Weidefläche und 128 „Viertelrechten“ der Bauern. Für Erklärungen der umliegenden Bergspitzen und für echtes Schafalm-Flair war Kurt Schöpf zuständig. Seinen prominenten Hirten, Olympia-Teilnehmer und Medaillenträger Roland Thöni, und dessen Helfer ließ er einen Teil der 210 Schafe und 10 Ziegen der 13 Trafoier Züchter von der höher gelegenen Weide zur Alm treiben. Den eigentlichen Höhepunkt mit vielen Gedankenanstößen steuerte Pfarrer Florian Öttl mit einer Bergmesse bei, die er mit dem Satz begann: „Kühe werden auf den Almen immer weniger, dafür nehmen die Ochsen zu“. Sehr ernsthaft wurde er mit dem Gleichnis vom „Lebensrucksack“, den jeder mit Gottes Hilfe zu tragen habe, der aber meistens „durch allerlei Plunder“ überlastet sei. Der christliche Glaube wirke fast wie ein Fernglas, meinte Pfarrer Öttl. Aus einem bestimmten Abstand würde die Sehschärfe erhöht; zu nahe dran, sehe man immer weniger. In seiner Predigt brach er eine Lanze für die kleinen Kreisläufe und für die Wertschätzung heimischer Produkte. „Es gibt nichts Traurigeres als Almen ohne Vieh“, stellte er fest. s
Günther Schöpf
Günther Schöpf
Vinschger Sonderausgabe

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