Die Senninnen haben die Nase vorn: (von links): Karin Auer und Hansjörg Gufler (1. Platz), Ulrich Verginer (2. Platz) und Kordula Gstrein (3. Platz); rechts der Almberater Bertram Stecher

Senninnen haben die Nase vorn

Publiziert in 38 / 2013 - Erschienen am 30. Oktober 2013
Bei der 2. Südtiroler Alpkäseverkostung in der Fürstenburg wurde eines klar: der Alpkäse 2013 ist ein Premiumsprodukt Burgeis - Ein sehr gutes Zeugnis bekamen die 34 Almen, die sich mit ihren Produkten der Jurybewertung bei der 2. Südtiroler Alpkäseverkostung in Burgeis gestellt hatten. Neben den 25 Vinschger Almen waren neun weitere Südtiroler Almen beteiligt. Als Sieger mit dem Prädikat „ausgezeichnet“ für ihren Kuhmilchkäse gingen Karin Auer und Hansjörg ­Gufler von der Plawenner Alm vor ­Ulrich Verginer von der Rifairer Alm und Kordula Gstrein von der Londai Alm in Ulten hervor. Das Prädikat „sehr gut“ erhielten die Upia Alm Schluderns, die Schleiser Alm Arunda, die Spitzen Alm und die Äußere Schwemmalm in Ulten, die Grauner Alm, die Maseben Alm und die Kaproner Alm. Den Publikumspreis erhielt die Stilfseralm mit Senn Paul Ortler. Einen „ausgezeichneten“ Ziegenkäse hat Elisabeth Haid auf der Ochsenbergalm produziert, Paul Ortler von der Stilfser Alm erhielt für seinen Ziegenkäse das Prädikat „sehr gut“. Almwirtschaft hat hohen Stellenwert Dass der Alpkäse ein ­Premiumsprodukt ist und die Almwirtschaft einen hohen Stellenwert in Politik und Gesellschaft hat, wurde mehrmals wiederholt. Nicht zuletzt der großartige Medaillensegen von Galtür bestätigt die hohe Durchschnittsqualität des Vinschger Alpkäse. „Die Aus- und Weiterbildung der Senner an den Fachschulen für Landwirtschaft und die Bemühungen um die Almen haben sich bezahlt gemacht“, sagte Markus Joos vom Inspektorat für Landwirtschaft, der auf die Milchviehalpung genauer einging. Mit knapp 1500 Kühen pro Jahr seien die Auftriebszahlen zwar konstant geblieben, die extreme Streuung treffe jedoch 2 bis 3 GVE auf über 600 Bauern. In den knapp drei Monaten Weidedauer werden auf den Vinschger Almen an die 1 500 000 Liter Milch zu Käse und Butter verarbeitet, die allerdings nur 4 Prozent der gesamten Jahresmilchmenge im Vinschgau entsprechen. Junge Senner und Sennerinnen Stark geändert habe sich die Zusammensetzung des Almpersonals. Während vor 20 Jahren noch der lokale Älplertyp das Zepter auf der Alm in der Hand hatte, sind es heute junge, frisch ausgebildete Senner und Senninnen aus dem In- und Ausland, die die Vinschger Almen führen, wobei der Frauenanteil bei 36 Prozent liegt. Im Vinschgau wird nur die Hälfte der Almen auch touristisch genutzt, da eine Kombination für Gemeinschaftsalmen nicht sehr ideal sei, so Joos. Nicht unerwähnt blieben die Problembereiche, vor allem die rückläufigen Bestoßungszahlen und die hohen Investitionskosten für den Bau von Sennereien. In Zukunft müsse auch vermehrtes Augenmerk auf die Weidepflege gelegt werden. Sehr guter Alpsommer „Das Wichtigste im Almsommer ist das Wetter“, sagte ein zufriedener Almberater Bertram Stecher. Einem verzögerten Auftrieb folgte eine warme, milde Zeit mit ausreichend Niederschlag und somit ein sehr guter Alpsommer, der sich positiv auf die Milchmenge auswirkte. In seinen Grußworten bezeichnete Abteilungsdirektor Stefan Walder die Almwirtschaft als ein kulturelles Erbe Südtirols, und besonders aus dem Vinschgau gehe eine positive Botschaft hinaus. Nach der Vorstellung der Alpe ­Falkauns am Kaunerberg im Tiroler Oberland durch Thomas Moritz stellte Martin Pircher, Initiator des Käsefestivals und Mitglied der neunköpfigen internationalen Jury die prämierten Produkte vor. Anhand eines 20-Punkte-System habe die Jury die äußere und innere Beschaffenheit, die Textur, die Elastizität des Teiges sowie den Geschmack und Geruch bewertet. Der Jury gehörten an Bruno Beerli (Plantahof CH), Martin Tschurtschenthaler und Petra Gerwers (Fachschule Salern), ­Brigitte­ ­Wellenzohn (Fachschule Kortsch), Paul Juen (Landeslehranstalt Imst), Johannes Haun und Reinhard Moser (Bundesanstalt für alpenländische Milchwirtschaft Rotholz), Martin Pircher (Käsefestival) und Stefan Winkler (Fachschule Fürstenburg). Dem Ausruf von Markus Joos „Es lebe die Almwirtschaft!“ setzte Martin Pircher überzeugt „Die Almwirtschaft lebt!“ gegenüber. Ingeborg Rainalter Rechenmacher
Ingeborg Rainalter Rechenmacher
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Vinschger Sonderausgabe

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