Trübe Aussichten für Grenzpendler

Publiziert in 1 / 2015 - Erschienen am 14. Januar 2015
Abbau vieler Arbeitsplätze im Graubündner Baugewerbe befürchtet. Auch Masseneinwanderungs-Initiative wird sich negativ auswirken. Schluderns - Die entsprechenden Gesetze sind zwar erst zu verabschieden, doch dass sich die Umsetzung zweier Volksinitiativen in der Schweiz negativ auf die Vinschger Grenzpendler auswirken wird, steht außer Zweifel. Die Zweitwohnungs-Initiative wird laut der Regierungsrätin Barbara Janom Steiner zu einem Abbau von rund 3.000 Arbeitsplätzen im Bündner Baugewerbe führen. „Und das wird sich auch auf den Vinschgau auswirken“, sagte Janom Steiner bei der gut besuchten 43. Grenzpendlertagung in Schluderns. Mit der Initiative hatte sich die Schweizer Bevölkerung mehrheitlich dafür ausgesprochen, den ausufernden Bau von Zweitwohnungen einzudämmen. Ebenfalls negativ auswirken werde sich die Masseneinwanderungs-Initiative. Mit dieser will die Schweiz die Zuwanderung eigenständig steuern und jährlich Kontingente festlegen. „Auch die Grenzpendler sind dabei betroffen“, so Janom Steiner. Ob die EU der Kontingentierung akzeptiert, sei fraglich. Auch Italien zeige sich skeptisch. Es würden sogar die bilateralen Verträge in Frage gestellt. Als positiv bezeichnete die Regierungsrätin die sehr gute Zusammenarbeit zwischen den Arbeitsmarktbehörden in der Schweiz und Südtirol sowie die Initiative EURES TransTirolia. Sepp Trafoier, der Sprecher der ca. 700 Grenzpendler, die vorwiegend aus dem Obervinschgau stammen, befürchtet einen Abbau von ca. 30% der Arbeitsstellen im Baugewerbe in der Schweiz und einen Einbruch der Zahl der Grenzpendler. „Kopf nicht in den Sand stecken“ Dennoch riefen Trafoier und weitere Redner, wie etwa Landesrätin Martha Stocker, der Kammerabgeordnete Albrecht Plangger, der Vorsitzende der „Südtiroler in der Welt“, Erich Achmüller, sowie Roland Pircher vom KVW-Patronat Mals dazu auf, den Kopf nicht in den Sand zu stecken. Laut Pircher ist vor allem die Politik in Südtirol gefordert, um die Wirtschaft anzukurbeln. Mögliche Alternativen für die Zukunft sieht Bezirkspräsident Andreas Tappeiner in der eigenständigen Energieversorgung, der Zulassung von Ansätzen in der Landwirtschaft und im neuen Vergabegesetz. Plangger, der sich Rom zusammen mit weiteren Abgeordneten für die Interessen der Grenzpendler einsetzt, informierte über bisher erzielte Erfolge und über Anliegen, die es noch zu bewältigen gilt. Plangger hatte auch den PD-Abgeordneten Tiziano Arlotti aus Rimini, einen seiner Mitstreiter in Rom, nach Schluderns eingeladen. Arlotti vertritt die ca. 6.000 Grenzpendler, die in San Marino arbeiten. Veranstaltet hatten die Tagung, der auch Landesrätin Waltraud Deeg, Landesrat Richard Theiner, Regionalassessor Sepp Noggler sowie mehrere Bürgermeister beiwohnten, der KVW Bezirk Vinschgau und die Arbeitsstelle „Südtiroler in der Welt“. sepp
Josef Laner
Josef Laner
Vinschger Sonderausgabe

Diese Seite verwendet Cookies für funktionale und analytische Zwecke. Lesen Sie unsere Cookie-Richtlinien für weitere Informationen. Durch die Nutzung dieser Website erklären Sie sich damit einverstanden.