Generalsekretär Georg Sagmeister (links) stellte die nicht gerade erfreulichen Zahlen zur Freibadsaison 2014 vor.

„Verlustloch“ im Freibad

Publiziert in 42 / 2014 - Erschienen am 26. November 2014
Gemeindeeigene Führung hat sich im ersten Jahr nicht bewährt. Bedenken wegen Folgekosten für geplante Wellnessanlage. Schlanders - Mit einem Verlust von 104.354 Euro musste heuer die gemeindeeigene Führung des Freischwimmbades in ­Schlanders abgeschlossen werden. 2013, als das Freibad noch verpachtet war, hatte die Gemeinde über 51.000 Euro an Betriebskosten ausgegeben. Dass für den Verlust 2014 nicht nur das schlechte Wetter verantwortlich gemacht werden kann, räumte Generalsekretär Georg Sagmeister bei der Ratssitzung am 20. November in aller Offenheit ein. „Vor allem zum Beginn der Saison war das Team überfordert. Wir haben bestimmte Sachen unterschätzt. Die Verantwortung dafür liegt hauptsächlich bei mir“, gab sich Sagmeister selbstkritisch. Die wichtigste Lehre, die man aus dem „Lernjahr“ gezogen habe, sei es, „dass es eine kompetente Führungsperson mit Qualität und mit Erfahrung braucht.“ Die Personalkosten stellen mit 98.370 Euro den größten Ausgabenfaktor, gefolgt von 50.457 Euro an Betriebskosten (Strom, Heizung usw.). Laut Sagmeister dürfte es bei günstigeren Voraussetzungen, sprich bei besserem Wetter und besserer Führung, möglich sein, diese zwei hohen Ausgabenposten zu senken. Insgesamt waren 24 Personen im Freibad beschäftigt, 12 davon als Aushilfen. Als die Gemeindeverwaltung den Vertrag mit der früheren Pächterin Doris Kolleritsch gekündigt hatte, wurde ein auf 3 Jahre ausgelegtes Konzept zur gemeindeeigenen Führung ausgearbeitet. Ob die Gemeinde das Freibad auch 2015 und 2016 führen wird, ist unsicher, denn es behängt noch ein Rechtsstreit mit der früheren Pächterin. Im Pachtvertrag ist nämlich ein Vorzugsrecht für eine 6-jährige Vertragsverlängerung zugunsten der Pächterin festgeschrieben. Ob das zuständige Schiedsgericht der Pächterin Recht gibt oder der Gemeinde, dürfte sich in wenigen Wochen entscheiden. Harsche Kritik Kritik an die Adresse von ­Sagmeister und der Verwaltung kam vor allem von den Räten Lukas Theiner, Martin Daniel und Erwin Dilitz. Daniel sprach von „verblüffend hohen Personalkosten.“ Dilitz und Theiner warfen ein, dass in der Abrechnung auch die Kosten jener Arbeiten hätten berücksichtigt werden müssen, die der Bauhof im Freibad geleistet hat. Dilitz sprach daher von einer „verfälschten Bilanz.“ Schwimmbäder sollten grundsätzlich privat geführt werden. Auf seine Frage, wer das Defizit bezahlt, meinte Bürgermeister Dieter Pinggera: „Das Defizit trägt die Gemeinde. Wäre ein Plus herausgekommen, wäre auch dieses zugunsten der Gemeinde ausgefallen.“ Pinggera stärkte Sagmeister den Rücken: „Die Verwaltung hat sich für die gemeindeeigene Führung entschieden, weil wir bestimmte Sachen verbessern wollten. Es hatte viele Lamentelen gegeben, auch was die Hygiene betrifft.“ Erhard Alber meinte, dass es nicht angebracht sei, nach einer außergewöhnlich schlechten Saison Schwarzmalerei zu betreiben: „Alle Schwimmbäder hatten im heurigen Sommer große ­Probleme. Vielleicht kommt es in Zukunft ja wieder zu einer privaten Führung.“ „Freibäder sind keine gewinnbringenden Einrichtungen, sondern haben vor allem einen sozialen Charakter“, unterstrich Georg Sagmeister. Wellnessanlage: Schönes Konzept, aber hohe Kosten Als 3. und letztes Baulos soll im Freibadgelände eine Wellness­anlage entstehen. Der Rohbau dafür ist bereits errichtet. Referent Kurt Leggeri und Architekt Jürgen Wallnöfer stellten dem Gemeinderat das Konzept bzw. Projekt für die Anlage vor. Geplant ist eine Anlage mit Sauna-, Massage-, Aufguss- und Ruhe­bereich sowie mit Bar, Infrarotkabinen, Kneipp-­Becken, Solebecken und weiteren Einrichtungen. Als mögliche Erweiterung wurde ein Saunaturm mit Freibereich an der Nordseite, erreichbar über einen Holzsteg, angedacht. Die Sauna ist für ca. 100 Personen ausgelegt. Gedacht wird an einen ganzjährigen Betrieb und eine möglicherweise einheitliche Führung zusammen mit dem Freibad. Die Gesamt­kosten (ohne Saunaturm) dürften sich auf ca. 2,8 Mio. Euro belaufen (Mehrwertsteuer inbegriffen). Bei der Diskussion stießt das Projekt an und für sich zwar auf Zustimmung, doch die Ausgaben bereiten einigen Räten Bauchweh, speziell die zu erwartenden Folgekosten. Bedenken in diesem Sinn äußerten ­Martin Daniel, ­Patrik ­Gamper,­ ­Lukas Theiner, Erwin Dilitz, ­Hannes Ille und Monika Wielander Habicher. Es wurde auch darauf verwiesen, dass es bereits in anderen Gemeinden, so etwa in der nahe gelegenen Gemeinde Latsch, sowie auch in Hotels Wellnessanlagen gibt, sodass es nicht leicht werden dürfte, eine gute Auslastung zu erzielen. Außerdem gebe es kein Hallenbad. Leggeri und weitere Räte gaben sich hingegen überzeugt, dass eine Wellnessanlage auch für den Tourismus große Bedeutung hat. Mit ca. 45 Saunabesuchern pro Tag bei über 330 Betriebstagen dürften die Kosten laut Leggeri zu decken sein. Nach wie vor strikt gegen die Wellnessanlage äußerten sich Dilitz und Theiner. Bürgermeister Dieter Pinggera kündigte angesichts der Bedenken bezüglich der Folgekosten die Ausarbeitung einer neutralen Wirtschaftlichkeitsstudie an. Er erinnerte auch den Grundsatzbeschluss, mit dem sich der Gemeinderat mit großer Mehrheit für die Errichtung der Anlage ausgesprochen hatte. Campingplatz geplant Weil das Tourismusentwicklungskonzept noch in Ausarbeitung ist, stimmte der Gemeinderat einem Dokument zu, mit dem der Nachweis erbracht wird, dass in Schlanders die Voraussetzungen für die Errichtung eines Campingplatzes gegeben sind. Dieses Dokument braucht es, um die betreffende Grundfläche im Bereich hinter dem Festplatz „Matscher Au“ im Bauleitplan als Tourismuszone ausweisen zu können. Den Antrag für die Bauleitplanänderung hat der Bauer hinterlegt, dem der Grund gehört. Beeindruckende Bilanz Die Mitglieder des Gemeindeausschusses berichteten über bereits durchgeführte, in der Umsetzung befindliche und geplante Bauvorhaben. Es ist beeindruckend, was sich seit dem Beginn der laufenden Amtsperiode im Hauptort und in den Fraktionen getan hat, und zwar in vielen Bereichen. Lang ist auch die Liste neuer Vorhaben. „Was die großen Strukturen betrifft, wie etwa Schulen oder Kindergärten, sind wir in Schlanders und in den Fraktionen gut aufgestellt“, freute sich ­Pinggera. Er berichtete auch über Vorhaben, für die seine Stellvertreterin Monika Holzner Wunderer zuständig ist, die am 20. November zusammen mit Vertretern anderer Gemeinden nach Rom gefahren war, um im zuständigen Ministerium die rechtliche Lage bezüglich des Erhalts der Geburtenstationen in den „kleinen“ Krankenhäusern auszuloten. sepp
Josef Laner
Josef Laner

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