Wasser für die Zukunft
Neue Bewässerungsanlagen machen Landwirtschaft zukunftsfit. 60 Millionen Euro investiert.
Schlanders - „Es ist wichtig, heute hier zu sein. Kompliment für diese gewaltigen Leistungen, für den Mut und das unternehmerische Engagement“, lobte Südtirols Landeshauptmann Arno Kompatscher die Verantwort-
lichen des Bonifizierungskonsortiums Vinschgau. Diese hatten am Dienstag, 8. September, zahlreiche Ehrengäste ins Kulturhaus von Schlanders geladen, und zwar zur offiziellen Vorstellung und zu den Feierlichkeiten anlässlich der Inbetriebnahme der neuen Bewässerungsanlagen, die im Rahmen der nationalen Förderprogramme für Bewässerungsstrukturen über mehrere Jahre hinweg realisiert wurden. Und diese haben es in sich: Insgesamt flossen durch das „Investitionsprogramm zur Optimierung der landwirtschaftlichen Bewässerung für eine nachhaltige Wassernutzung“ rund 60 Millionen Euro. Knapp die Hälfte davon in den Bau von Gemeinschaftstropfbewässerung, 12 Millionen in den Bau von Zubringerleitungen, über 10 Millionen in den Neubau von Bewässerungsanlagen, mehr als 5 Millionen in Zusatzprojekte für die Automatisierung und 3,5 Millionen in den Neubau und die Sanierung von Tagesspeicherbecken, wie der Direktor des Bonifizierungskonsortiums, Gottfried Niedermair, aufzählte. Das Einzugsgebiet beträgt 1.920 Hektar, wobei es sich bei 1.800 Hektar davon um Obstanlagen handelt, und zwar in den Gemeinden Laas (680 ha), Schlanders (565), Latsch (490) und Schluderns/Glurns (185). Ein weiteres Projekt, welches unlängst über den nationalen Wettbewerb „Pniissi“ eingereicht worden ist, steht noch aus. Hierbei geht es um den Ausbau der Tropfbewässerung und automatisierte Frostschutzsysteme auf Flächen in den Gemeinden Latsch und Naturns, wofür weitere 25 Millionen veranschlagt werden.
Neue Anforderungen
„Das Bonifizierungskonsortium Vinschgau kann auf eine rund 60-jährige Geschichte zurückblicken. In diesen sechs Jahrzehnten hat sich das Konsortium zu einem wichtigen Partner für die Landwirtschaft und die Wasserwirtschaft im Vinschgau entwickelt“, erklärte Paul Wellenzohn, der Präsident des Bonifizierungskonsortiums. Eine der zentralen Aufgaben des Konsortiums, das auf einem Gebiet von rund 8.600 Hektar in den Gemeinden von Algund bis Mals agiert, sei die Sicherstellung einer zuverlässigen Bewässerung der landwirtschaftlichen Flächen. „Damit leistet das Bonifizierungskonsortium einen wesentlichen Beitrag zur Sicherung der landwirtschaftlichen Produktion und zur Erhaltung der Kulturlandschaft im Vinschgau“, so Wellenzohn. Das Konsortium betreut mittlerweile über 80 Beregnungsanlagen im Einzugsgebiet und zählt 5.500 Mitglieder. Bereits vor mehreren Jahren habe man erkannt, dass Anpassungen notwendig sein werden. „Die Rahmenbedingungen, unter denen die Landwirtschaft und damit auch das Bonifizierungskonsortium arbeiten, haben sich deutlich verändert“, betonte Wellenzohn. Klimatische Veränderungen, zunehmende Wetterextreme, veränderte Anforderungen an die Bewässerung und die Notwendigkeit eines noch effizienteren Umgangs mit der Ressource Wasser stellten das Konsortium vor neue Herausforderungen. Mit den veränderten Rahmenbedingungen habe man auch die Investitionen anpassen müssen. „Dabei ging es nicht nur darum, mehr Wasser zur Verfügung zu stellen. Es geht vor allem darum, das vorhandene Wasser möglichst effizient zu nutzen, Verluste zu vermeiden, die Infrastruktur laufend zu verbessern und moderne technische Möglichkeiten einzusetzen“, unterstrich der Bonifizierungs-Präsident. Durch das vorbildliche Engagement der Funktionäre der verschiedenen Einzugsgebiete und durch den Einsatz von Geschäftsführer Gottfried Niedermair zum Aufbau des notwendigen Netzwerks auf Landesebene, regionaler Ebene und nationaler Ebene in Rom, sei es gelungen, ein Investitionsprogramm zu erarbeiten, das den Kriterien der verschiedenen Förderprogramme entsprach, lobte Wellenzohn.
Millionen-Förderungen
Auch Niedermair wies auf die Wichtigkeit hin, sich an die geänderten klimatischen Bedingungen anzupassen. Der Vinschgau sei die trockenste Zone in Südtirol. Vor allem seit den 2000er Jahren gebe es immer wieder Trockenperioden. Dabei handle es sich nicht nur um Einzelphänomene, sondern um mittlerweile sehr häufig auftretende Ereignisse. Überdurchschnittlich hohe Temperaturen und die längeren niederschlagsfreien Perioden erforderten dringende Maßnahmen. Die Überkronenberegnung stoße in Zeiten von Wasserknappheit an ihre Grenzen. Durch die Umsetzung der Maßnahmen seien die Flächen mit Tropfbewässerung auf 72 Prozent der Obstanbauflächen verdoppelt worden. Die Vorteile lägen auf der Hand: Moderne Tropfberegnungssysteme gewährleisten eine optimale Verteilung des Wassers, der Wasserverlust sei minimal. Als weitere bedeutende Ergebnisse der Umsetzung des 60 Millionen Euro schweren Investitionsprogramms zählte Niedermair den Bau der Beregnungsanlage auf der Schludernser Ebene als Kombinationsprojekt (Stromerzeugung für die Gemeinde, Errichtung einer Fischtreppe, Versorgung Biotop) sowie die Errichtung von neuen Zubringerleitungen und Speicherbecken zur Verbesserung der Wasserversorgung und Entlastung von Fließgewässern auf. Durch die Maßnahmen komme es geschätzt zu einer jährlichen Wassereinsparung von ca. 10 Millionen Kubikmeter, der jährliche Wasserverbrauch für die landwirtschaftliche Beregnung im Vinschgau sinke damit von 40 Millionen auf 30 Millionen Kubikmeter. Über die Hälfte der Investitionen, sprich 55 Prozent von den über 60 Millionen Euro, seien durch die staatlichen Förderungen abgedeckt worden, 28 Prozent durch die Mitglieder des Bonifizierungskonsortiums, 9 Prozent durch das Land und der Rest durch sonstige Beiträge. Es gebe allerdings noch einiges zu tun, blickte Niedermair voraus: So sei die punktuelle Errichtung von weiteren Speicherbecken wichtig, genauso wie die Errichtung von Filtersystemen zur Reinigung von verschmutztem Wasser. Auch gelte es die Frostbewässerungsanlagen zu erweitern und die Wassernutzung weiter zu optimieren und technisch weiterzuentwickeln. Nicht zuletzt sei auch eine Verbesserung der Messdaten gefragt.
„Ihr seid vorbildhaft“
Walter Gostner stellte als Projektant und Bauleiter das Projekt auf der Schludernser Ebene im Detail vor, Techniker Luca Battan größere Tropfberegnungsprojekte, wie etwa in Laas, Latsch/Tarsch und Kortsch. Landeshauptmann Kompatscher unterstrich den großen Stellenwert der verschiedenen Initiativen des Bonifizierungskonsortiums. „Was ihr macht, ist nachhaltig. Ihr stellt die landwirtschaftliche Produktion für die nächsten Generationen sicher. Einkommen werden gesichert, die Menschen können in den Tälern bleiben. Und es ist auch ökologisch nachhaltig, ihr gestaltet den Wasserverbrauch wesentlich effizienter“, so Kompatscher. Auch Landesrat Luis Walcher lobte das Vinschger Konsortium: „Ihr seid vorbildhaft.“ Massimo Gargano, der Generaldirektor der ANBI, des staatlichen Verbandes der Bonifizierungs-, Bodenverbesserungs- und Beregnungskonsortien, sprach von einem Festtag. Georg Altstätter appellierte als Vizepräsident der Bezirksgemeinschaft und Bürgermeister von Martell an die Landespolitik, die Genehmigungsverfahren von Speicherbecken und Co. unkomplizierter zu gestalten. Selbst wenn es um Trinkwasserleitungen gehe, sei es oft mühsam. Matthias Dell’Agnolo bedankte sich als Verantwortlicher der Beregnungsanlage in Tarsch bei Gottfried Niedermair und seinem Team: „Sie haben oft die Weitsicht, die einzelne Landwirte nicht haben“.
Zahlreiche weitere Gäste waren mit dabei, u. a. Francesca Coniglio vom Landwirtschaftsministerium, ANBI-Präsident Francesco Vincenzi, Regionalrats-Präsident Sepp Noggler, Landtagsvizepräsident Arnold Schuler, der Schludernser Bürgermeister Heiko Hauser, der Latscher Bürgermeister Mauro Dalla Barba, die Schlanderser Bürgermeisterin Christine Kaaserer, VIP-Präsident Thomas Oberhofer, VIP-Direktor Martin Pinzger, der Vinschger Bezirksobmann des Südtiroler Bauernbundes Joachim Weiss, der Amtsdirektor des Forstinspektorats Schlanders Andreas Platter, der Bereichsleiter Obstbau beim Beratungsring Robert Wiedmer sowie Markus Joos, der ehemalige Amtsdirektor des Bezirksamtes für Landwirtschaft West. Die Musikanten Reinhold Prantner (Bürgerkapelle Schlanders), Michael Punt, Erwin Rechenmacher (beide Musikkapelle Kortsch) und Bernhard Pirhofer (Bürgerkapelle Latsch), allesamt Mitglieder im Bonifizierungskonsortium, umrahmten die Veranstaltung musikalisch.