Wenn Wälder brennen
Tagung über Ursachen, Risiken und Resilienz
Schluderns - Im Vorjahr ging es in Schluderns und Graun um das Thema „Wassernutzung neu denken“, heuer rückte das Forschungszentrum Eurac Research ein weiteres aktuelles Thema in den Mittelpunkt zweier Tagungsabende. Unter dem Motto „Wenn Wälder brennen“ wurde am 11. März im Vintschger Museum in Schluderns über Ursachen, Risiken und Resilienz informiert und diskutiert und am 12. März standen im Bildungshaus Schloss Goldrain die „Perspektiven für den Wald von morgen“ im Mittelpunkt (siehe nächste Seite). Bürgermeister und Hausherr Heiko Hauser freute sich bei der Eröffnung der Tagung im Vuseum, dass Eurac Research unter der Leitung von Harald Pechlaner das Format der früheren Churburger Wirtschaftsgespräche übernommen hat und Jahr für Jahr mit aktuellen Themen weiterführt. Es sei zu begrüßen, dass die Eurac auch nach außen geht. In diesem Sinn äußerte sich auch Pechlaner: „Wir wollen die Wissenschaft auch in die Täler bringen.“ Dazu gehöre auch das Format „Neu denken“, der Nachfolgeveranstaltung der seinerzeit von Johannes Jakob Trapp Graf von Matsch (1946-2024) ins Leben gerufenen Churburger Wirtschaftsgespräche.
Auch bei der heurigen Tagung sei laut Pechlaner versucht worden, „globale Themen auf die lokale Ebene herunterzubrechen.“ Der Ausgangspunkt sei erneut der Klimawandel
gewesen. Waldbrände gefährden ökologische Stabilität, gesellschaftliche Sicherheit und regionale Entwicklung in global vernetzten Zusammenhängen. So beeinflussen zum Beispiel Großbrände im Amazonas atmosphärische und klimatische Prozesse. Global gesehen werden die Brände größer, schneller und intensiver. Infolge längerer und wärmerer Trockenperioden gebe es auch in Mitteleuropa mehr Brandrisikogebiete.
Die zwei Großbrände im Vinschgau
Im Anschluss an Grußworte von Werner Platzer, dem Direktor der Raffeisenkasse Prad-Taufers, welche die Tagung zusammen mit der Raffeisenkasse Latsch finanziell unterstützt hat, blickte Roman Horrer, der Präsident des Feuerwehrbezirks Untervinschgau, auf die zwei verheerenden Waldbrände zurück, die sich Frühjahr 2025 in den Gemeinden Latsch (Sonnenberg bzw. Martin im Kofel) sowie Prad und Stilfs (Montoni-Berg) ereignet hatte und wobei rund 90 bzw. 60 Hektar Wald zerstört wurden. Die Erkenntnisse, die man aus der Bekämpfung beider Großbrände gewonnen habe, waren laut Roman Horrer fast die gleichen. Feuerwehrleute und andere Einsatzkräfte hätten Gott sei Dank keine größeren Verletzungen erlitten. Auch mit Zahlen und Statistiken wartete Horrer auf. An den tagelangen Lösch- und Nachlöscharbeiten beim Brand am Sonnenberg in Latsch, ausgelöst am 6. März von einem brennenden Fahrzeug, waren 46 Freiwilligen-Organisationen beteiligt. Insgesamt waren über 1.300 Einsatzkräfte vor Ort, die insgesamt fast 12.000 Stunden leisteten. Ausschlaggebend seien das Zusammenspiel und die Zusammenarbeit gewesen. Auch viele Wehren der Nachbarbezirke Obervinschgau und Meran und weitere Rettungsorganisationen haben mitgeholfen.
„Mit dem Feuer leben lernen“
So lautete das Thema des Fachvortrages von Mortimer Müller vom Institut für Waldbau an der Universität für Bodenkultur, der aus Wien zugeschaltet war. Die Walbrände in den Alpen würden zum Großteil vom Menschen verursacht (80 bis 90 Prozent), der Rest durch Blitzschlag. Im Hinblick auf die Zukunft sei zu befürchten, dass es auch zu Extrembränden bzw. Kronenfeuer kommen könnte, bei denen die Flammen von Baumwipfel zu Baumwipfel springen. Begünstigt würden Extrembrände durch Wind und Trockenheit. „In manchen Fällen wird die Brandbekämpfung nicht mehr möglich sein oder keine Auswirkungen haben“, so der Referent. Eines der Probleme sieht Müller darin, dass die brennbare Biomasse in den Wäldern wächst, und zwar aufgrund fehlender Waldpflege und mehr Totholz. Als Zukunftsoptionen für die Feuerwehren nannte Müller u.a. die Entwicklung neuer Löschtechniken und Löschtaktiken. Auch das kontrollierte Abbrennen auf Freiflächen und im Bestand nannte der Referent als eine der Optionen im Rahmen des Brennstoffmanagements. An erster Stelle sollte weiterhin die Prävention stehen. Müller: „Besonders im Bereich des Brennstoffmanagements braucht es Präventionsmaßnahmen, die Zusammenarbeit und den Austausch mit anderen Akteuren, um Maßnahmen zu treffen, welche die Wahrscheinlichkeit für Extrembrände reduzieren bzw. deren Auswirkungen minimieren.“ Über die Bedeutung bzw. Auswirkungen von Feuer auf die Landschaft und Gesellschaft referierte Judith Kirschner vom Institut für Geographie an der Universität Bern. Einen breiten Konsens in der Schweiz gebe es darin, dass das Risiko von Waldbränden zunimmt. Ihr Fazit: „Weniger Brände, aber mit größerer Intensität und höherem Gefährdungspotential.“ Zu setzen sei auf Schutzkonzepte und Anpassungen für Landschaft und Gesellschaft. Waldbrände seien nicht nur ein Problem der Feuerwehr: „Waldbrandmanagement ist Koordinations- und Abwägungsarbeit.“