Zahlreiche Interessierte informierten sich über die neue Energiegemeinschaft.
Georg Altstätter, Luca Daprà und Thomas Gasteiger.
Mauro Dalla Barba

Willkommen EVi

Was es mit der Vinschger Energiegemeinschaft auf sich hat.

Publiziert in 7 / 2026 - Erschienen am 8. April 2026

Latsch - Die Energiewende nimmt auch im Vinschgau weiter Formen an. Dabei gilt es die Bevölkerung mitzunehmen. So wurde im März 2024 die Energiegemeinschaft EVi gegründet. Was klingt wie ein Frauenname steht für Energie Vinschgau. Grundlage dafür war ein staatliches Dekret, das vor einigen Jahren in Rom beschlossen worden war. Dieses regelt die Bildung von Energiegemeinschaften und sieht Förderungen vor. Was EVi konkret für die Bürgerinnen und Bürger des Vinschgaus bedeutet, wurde unlängst bei einer Vorstellung im Latscher CulturForum erörtert. „Der Zeitpunkt hierfür ist genau richtig“, unterstrich der Latscher Bürgermeister Mauro Dalla Barba, der dem EVi-Vorstand angehört. Insbesondere in Zeiten wie den aktuellen, mit teuren Strompreisen und internationalen Krisen, sei es wichtig, über lokale und nachhaltige Energieproduktion zu sprechen. Dem Vorstand von EVi gehören neben Dalla Barba auch die Bürgermeister Heiko Hauser (Schluderns) und Georg Altstätter (Martell) an, wobei letzterer als Obmann fungiert. Die Energieexperten Michael Wunderer (EWP/SEV) und Alexander Telser (VEK) bilden den technischen Beirat, Luca Daprà von der BASIS fungiert als operativer Ansprechpartner. EVi arbeitet u. a. mit der Bezirksgemeinschaft, dem VEK, dem E-Werk Prad, dem E-Werk Stilfs und dem SEV (Südtiroler Energieverband) zusammen. 

„Nettes Zuckerle“ 

Vorweg: „Man wird nicht reich damit, bekommt aber ein nettes Zuckerle für die nächsten 20 Jahre“, stellte Daprà klar. Er erklärte das Prinzip der Energiegemeinschaft. Kernstück des Modells ist der sogenannte virtuelle Energieaustausch innerhalb der jeweiligen Primärkabine – also jener technischen Struktur, die Hoch- und Mittelspannung verbindet und ein abgegrenztes Versorgungsgebiet definiert. Im Vinschgau gibt es sechs solcher Primärkabinen. Strom aus Fotovoltaikanlagen wird zeitgleich mit dem Verbrauch der Mitglieder abgeglichen. Entscheidend ist der Moment: Wird Energie innerhalb derselben Zone gleichzeitig produziert und verbraucht, steigt der Anteil des Eigenverbrauchs – und damit die staatliche Förderung durch den GSE, den „Gestore dei Servizi Energetici“. 

Die von Produzenten erzeugte überschüssige Energie, also die Energie, die nicht direkt an Ort und Stelle verbraucht wird, wird wie gewohnt ins Netz eingespeist und entsprechend vergütet. Sobald diese eingespeiste Energie der Energiegemeinschaft EVi virtuell zur Verfügung gestellt und innerhalb dieser Gemeinschaft im selben Zeitraum virtuell verbraucht wird – die Messung erfolgt in Echtzeit – werden Fördermittel für die gemeinsam geteilte Energie angerechnet. Der Fördertarif beläuft sich auf vier bis fünf Cent pro Kilowattstunde. Die Erlöse abzüglich der Verwaltungskosten werden unter den Mitgliedern aufgeteilt, Gelder erhalten sowohl Produzenten als auch Verbraucher. Einige konkrete Rechenbeispiele zeigten, dass Produzenten mit einer 10-Kilowatt-Anlage etwa 150 bis über 280 Euro jährlich erhalten könnten, der Durchschnittsverbraucher immerhin 50 bis knapp 100 Euro. Dies hänge auch stark mit der Mitgliederanzahl zusammen. „Wir brauchen viele Mitglieder“, unterstrich Daprà und appellierte, dass alle Konsumenten Mitglied werden sollten und können. Mitglied als Produzent werden können jene Anlagen, die nach der Gründung der Gemeinschaft ans Netz gingen, bzw. neu ans Netz gehen; Anlagen größerer Industriebetriebe sind ausgeschlossen. Es gelte schnell zu sein, die Mitgliedsanlagen müssen bis Ende 2027 angemeldet werden. Das EVi-Gebiet umfasst die 13 Gemeinden der Bezirksgemeinschaft Vinschgau sowie Naturns und Plaus. Die jeweiligen Gemeinden sind allesamt auch selbst Mitglied. 

„Es braucht euch“

Die Mitgliedschaft für EVi beläuft sich auf einmalige Kosten von 25 Euro für private Konsumenten bzw. öffentliche Körperschaften. Unternehmen zahlen 100 Euro. Um Mitglied zu werden muss man lediglich das Beitrittsformular ausfüllen und mitsamt Ausweis, letzter Stromrechnung und Katasterdaten via Mail einsenden. Alle Infos dazu gibt es auf der neuen Website evi-energie.it. Dabei ändere sich nichts, die Teilnahme an der Genossenschaft habe nichts mit den bisherigen Verträgen zu tun, sprich: Stromanbieter, Stromkosten und die Einnahmen der Produktionsanlagen bleiben gleich. Es gebe eigentlich nur Vorteile, wie auch SEV-Obmann Thomas Gasteiger beim Infoabend unterstrich. Auch die Anzeichen, dass künftig Mitglieder von Energiegemeinschaften weitere Vorteile genießen, etwa im Hinblick auf weitere staatliche Förderungen, seien groß. „Durch die 25 Euro können sich auch Türen für die Zukunft öffnen“, unterstrich Dalla Barba. Obmann Georg Altstätter plädierte abschließend: „Werdet alle fest Mitglied“.

Michael Andres
Michael Andres

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