Manfred Reichstein bei einem seiner Aufenthalte in Martell.

Professor Manfred Reichstein wird 80

Publiziert in 14 / 2008 - Erschienen am 16. April 2008
Vinschgau/Halle – Am 18. April 2008 feiert Professor Manfred Reichstein aus ­Halle/Saale seinen 80. Geburtstag. Der frühere Geologieprofessor, der sich auch der Astrogeologie widmete, ist ein eingefleischter Freund der Alpen. Schon als 6-Jähriger lernte er mit seinen Eltern die Alpen kennen. Mit 14 wurde er Mitglied der Sektion Halle/Saale des Deutschen Alpenvereins. Als 1990 die Wiedergründung der in der sowjetischen Besatzungszone und in der DDR verbotenen Sektion des Deutschen Alpenvereins aufgenommen wurde, gehörte Reichstein zu jenen, die sich an den Hauptverein in München wandten. Seit Juni 1990 ist Manfred Reichstein Vorsitzender des Ehrenrates des Vorstandes. Er hat den reichen Bestand an bergsteigerischer Literatur sowie an geologisch-wissenschaftlichen Schriften der Sektion wiederentdeckt und aufbereitet. Unter dem Eingesperrtsein in der DDR hatte der damals politisch unbeliebte Professor stets stark gelitten. Umso größer waren die Freude und die Erleichterung, als die Berliner Mauer am 9. November 1989 fiel. Reichstein konnte dadurch die verloren gegangene Verbindung zu den Wurzeln der vor 122 Jahren gegründeten Alpenvereinssektion Halle wieder herstellen (von 1873 bis 1938 waren der deutsche und der österreichische Zweig zum Deutschen und Österreichischen Alpenverein DuÖAV zusammengeschlossen). Diese Wurzeln führten und führen den Professor seither auch oft in den Vinschgau, speziell in die Ortlergruppe. Dort hatte die Sektion Halle nämlich im Jahr 1897 am Eisseepass (3133 m) die erste Hallesche Hütte eröffnet. Sie sollte Ausgangspunkt werden für eine dem Südkamm der Ortlerberge in Richtung zum Matteo (3692 m) folgende Hüttenkette, von der immerhin auf halbem Wege die Monte-Vioz-Hütte (3535 m) im August 1911 von der Sektion Halle fertig gestellt werden konnte. Sie war damals die höchste bewirtschaftete Hütte der Ostalpen. Während des Ersten Weltkrieges lagen die zwei Hütten im Frontgebiet, das dann in italienischen Besitz kam. Die Monte-Vioz-Hütte (Pejo/Val di Sole) blieb erhalten, während die größere Hütte am Eisseepass in den letzten Kriegstagen nach Abzug der österreichischen Gebirgs­truppen abbrannte. Im Vinschgau, besonders im Martelltal, hat sich Reichstein in den vergangenen Jahren auf die Spuren von Julius von Payer begeben. Dazu sowie auch zu geologischen und alpingeschichtlichen Themen hat Professor Reichstein etliche Beiträge publiziert, unter anderem auch in der Bezirkszeitung „Der Vinschger.“ Auch enge Freundschaften haben Manfred Reichstein und seine Frau Helga (ebenfalls ehemalige Geologin) im Vinschgau geknüpft. Dazu gehört vor allem der Hobbyhistoriker und Alpenvereinsfreund Manfred Haringer aus Göflan. Haringer, übrigens auch ein profunder Kenner der Kriegsereignisse an der Ortler- und Cevedale-Front, baut immer wieder alte Schutzhütten originalgetreu nach. Von seinem Nachbau der Halleschen Hütte war Professor Reichstein besonders begeistert. Manfred Haringer, alle weiteren Freunde aus dem Vinschgau sowie auch die „Vinschger“-Redaktion wünschen Manfred Reichstein alles Beste zum runden Geburtstag.
Josef Laner
Josef Laner
Vinschger Sonderausgabe

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