Die 1. Bürgerversammlung nach den Wahlen am 5. Mai mit sieben Gemeinderäten, einem Ausschussmitglied und einem Bürgermeister.

„Alle Projekte sind uns wichtig“

Publiziert in 40 / 2014 - Erschienen am 12. November 2014
Das Interesse an Gemeindepolitik scheint in Schluderns ungebrochen. Man erwartet sich aber endlich Entscheidungen. Schluderns - Ein Bild sagt mehr als tausend Wort. Im Kultursaal von Schluderns bot sich so ein aussagekräftiges Bild. Bürgermeister Erwin Wegmann hatte zur ersten Informationsversammlung nach der Gemeinderatswahl im Mai geladen und fast 200 Bürgerinnen und Bürger waren gekommen. Er stand ihnen allein gegenüber. Scherzhaft meinte er zur Eröffnung: „Wenn jemand keinen Platz findet, hier wären noch drei Stühle frei“ und zeigte dorthin, wo sein Ausschuss hätte sitzen müssen. Referentin Romina ­Eberhöfer (Freiheitliche) hatte einen Platz im Volk vorgezogen. Astrid Reinstadler (Liste ­Mitnond) war verhindert und Martin Rainalter (SVP) soll - laut Aussage einiger Bürger - die Sitzung boykottiert haben, weil er mit dem Termin nicht einverstanden war. Nach allgemeinen Informationen über den Verschuldungsgrad der Gemeinde, über Wohnbau und Sanierung alter Bausubstanz, über Gewerbezonen und Verbauung des Saldurbaches kam Bürgermeister Wegmann auf die Großprojekte Kindergartenneubau mit Musikprobelokal und auf die Erweiterung und den Umbau des Alten- und Pflegeheimes zu sprechen. Mit 2,866 Millionen Euro bezifferte er die Kosten für einen Kindergarten mit vier ­Sektionen; das Probelokal würde auf 1,083 Millionen Euro kommen. Für die Darlehen aus dem Rotationsfond würde die Gemeinde auf 20 Jahre mit 112.000 Euro im Falle des Kindergartens und mit 46.100 Euro für das Probelokal belastet. Auf die Frage, ob es auch für den Umbau des Altenheimes so genaue Zahlen gäbe, verwies Wegmann auf eine Machbarkeitsstudie. Es wurde ein Betrag von über 5 Millionen Euro genannt. Die ersten Wortmeldungen betrafen billigere Varianten für den Kindergartenneubau und verursachten leidenschaftliche Plädoyers für ein Zukunftskonzept mit Berücksichtigung einer Kindertagesstätte. Gemeinderat Armin Bernhard (Mitnond) berichtete von den Diskussionen in der für Großprojekte eingesetzten Ratskommission. Alle sieben Mitglieder hätte alle Projekte - dazu die Sanierung des Grundschuldaches - als wichtig erachtet. „Im Konsens“ hätte die Kommission verschiedene Varianten durchdiskutiert, darunter die Möglichkeit der Sanierung. Das Probelokal soll erst ins Auge gefasst werden, wenn Beiträge zugesichert seien. Es kam zu Unmutsäußerungen von vielen Seiten. Die präsentierten Zahlen wurden angezweifelt; was wiederum der Bürgermeister nicht auf sich sitzen ließ. Als Referentin Eberhöfer mitteilte, dass man erst nach der Gemeinderatssitzung die Versammlung abhalten wollte, reagierte man heftigst: „Ihr wolltet alles beschließen und es uns dann vorsetzen. Mitnond ist da gar nichts!“, rief ein Bürger. „Wir werden wieder keine ­Entscheidungen treffen und wieder jahrelang diskutieren“, meinte ein anderer. s
Günther Schöpf
Günther Schöpf
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