„Doppelpass kaum umsetzbar“

Im der Vinschger-Gespräch spricht der gebürtige Schlanderser und heutige Wahl-Wiener Dietmar Meister über Doppelpass, die neue Regierung und mehr.

Publiziert in 2 / 2018 - Erschienen am 23. Januar 2018

Wien -  Seit 2004 lebt der Schlanderser Dietmar Meister in Wien, wo er Journalismus und Politikwissenschaften studierte. Kürzlich erlangte er sein Doktorat in Politik. Seit vielen Jahren bereits ist der heute 32-Jährige beruflich für die Gewerkschaft tätig. Und auch seine Freizeit ist voll und ganz dem politischen Zeitgeschehen gewidmet. Seit jeher engagiert sich der Schlanderser für Gleichberechtigung, gegen Sozialabbau und gegen Rassismus. Die neue Regierung kritisiert der Gewerkschafter teils scharf. Der Vinschger hat mit ihm gesprochen. 

der Vinschger: Wie stehen Sie zur neuen Regierung? 
Dietmar Meister: Meiner Meinung nach wird die Politik der Regierung negative Konsequenzen für einen großen Teil der Bevölkerung haben. Und dies vor allem auch für jene Menschen, welche diese Regierung eigentlich gewählt haben. Laut Regierungsprogramm wird Schwarz-Blau in erster Linie Politik für die Wirtschaft und für die obere Schicht der Bevölkerung machen. Zudem bringt die FPÖ völkische Gedanken mit in die Regierung. Das ist immer gefährlich.

Welche Auswirkungen könnte die politische Situation in Österreich auf Südtirol haben? 
Vor allem die rechten Parteien in Südtirol werden durch diese Politik gestärkt. Was die direkten Auswirkungen auf die Südtiroler betrifft, stellt sich die Frage der offenen Grenzen. Die Situation ist derzeit unklar. Niemand weiß, ob und wie lange die Grenzen noch offen bleiben. Es könnte durchaus sein, dass sich Österreich mit dieser Regierung weiter abschottet und wieder ein Stück weit von der EU entfernt.

In Südtirol wurde in den vergangenen Wochen vor allem der Doppelpass intensiv diskutiert. Wie bewerten Sie die Diskussion?  
Ich bin grundsätzlich nicht gegen mehrere Staatsbürgerschaften und grundlegend für ein Selbstbestimmungsrecht. Dies alles spielt aber in der Diskussion um den Doppelpass keine Rolle. Genauso wenig wird darüber geredet, dass mit einer Staatsbürgerschaft nicht nur Rechte, sondern auch Pflichten einhergehen - wie die Wehrpflicht. Vor allem aber stellt sich die Frage, wer denn nun Anrecht darauf hätte. An welchen Kriterien soll sich die Vergabe konkret orientieren? Bietet man auch Welschtirolern die Staatsbürgerschaft an? Wie geht man mit Südtirolern aus gemischtsprachigen Familien um? Es ist alles sehr komplex. Eine praktische Umsetzung ist kaum vorstellbar. Vielmehr macht es den Anschein, als diene die ganze Diskussion in erster Linie der politischen Propaganda. Dies ist nie sinnvoll.

Könnte die Diskussion das Verhältnis zwischen Italien und Österreich nachhaltig negativ beeinflussen? 
Da wird Öl ins Feuer gegossen, ja. Italien wird das nicht gerne sehen. Es könnte durchaus zu diplomatischen Konflikten kommen.

Michael Andres
Michael Andres
Vinschger Sonderausgabe

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