Joachim Dejaco mit Bürgermeisterin Christine Kaaserer und Kunhilde von Marsoner (rechts).
Die Elektrifizierung der Bahn ist sehr komplex. Im Bild zwei neue Elektrotriebwagen am Bahnhof in Laas.

Es dauert noch, aber der neue Zug kommt!

Derzeit gibt es noch etliche Probleme. STA-Generaldirektor Joachim Dejaco steht Rede und Antwort.

Publiziert in 20 / 2026 - Erschienen am 3. November 2026

Schlanders - Die Elektrifizierung der Vinschger Bahn bringt neue Möglichkeiten für die Mobilität. Wann kommt nun endlich dieser neue Zug, was bedeutet die Umstellung und welche Chancen ergeben sich? Diese Fragen versuchte Joachim Dejaco, Generaldirektor der STA, im Rahmen des 2. Schlanderser Dorfgesprächs im Gasthof „Traube“ am Bahnhof von Schlanders zu beantworten. Dazu eingeladen hatte das Klimateam Schlanders, das im Rahmen des Formats „Heint fir morgn“ Themen aufgreift, die unter den Nägeln brennen und die alle angehen. Unter den Anwesenden saßen mehrere Vertreterinnen und Vertreter der Gemeinde, Zugnutzerinnen und Interessierte. Die Vorsitzende des Klimateams und Gemeindereferentin Kunhilde von Marsoner betonte in ihrer Begrüßung, dass nur ein verlässlicher und leistungsfähiger Nahverkehr die Voraussetzung sei, dass viele Menschen den Zug bevorzugen. Joachim Dejaco erläuterte in seinem Impulsreferat die große Strategie des Landes im Ausbau des öffentlichen Netzes, in das sich die Elektrifizierung der Vinschger Bahn einreihe. Mit über 2 Millionen Fahrgästen jährlich habe die Vinschger Bahn alle Erwartungen übertroffen, sei aber auch an ihre Grenzen gestoßen. Zu volle Züge und verärgerte Fahrgäste waren die Folge.

Die neue Bahn

In Zukunft soll die Vinschger Bahn im Halbstundentakt fahren, an allen 16 Haltestellen anhalten und in Meran kein Umsteigen mehr erfordern, um nach Bozen und schrittweise direkt bis Brixen, Sterzing und Innsbruck zu fahren. In Meran soll der Zug bereits nach zwei Minuten Richtung Bozen weiterfahren. Bauchweh bereite Dejaco noch die Strecke Meran-Bozen, auf der es immer wieder zu Verspätungen komme. Im Vinschgau sei man diesbezüglich verwöhnt gewesen: vier von fünf Zügen seien mehrheitlich pünktlich gefahren, das neue Ziel wird eine Pünktlichkeit von 95 bis 98 Prozent sein. Der neue Zug wird das Dreifache der heutigen Kapazität leisten, das heißt 381 anstatt wie bisher 150 Sitzplätze pro Zug und 60 anstatt 50 Züge pro Tag. Es werden auch einige Radplätze mehr geschaffen, aber Nahverkehr und Radtransport zusammen funktioniere nicht, so Dejaco. In Zukunft werde ein paralleler Radtransport bzw. der Radverleih ein Kompromiss sein. Was wurde bisher getan? Die Fundamente für die Oberleitungsmasten errichtet, die Oberleitungen bis Meran gebaut, die Remise in Mals wurde verlängert, ebenso die Bahnsteige an mehreren Bahnhöfen. Der neue Zug wird 10 Gigawatt Strom im Jahr verbrauchen, durch das Bremsen wiederum 2 Gigawatt generieren.

Wo liegen derzeit die Probleme?

Die Elektrifizierung der Bahn ist sehr komplex, daher sehr störungsanfällig. Generaldirektor Dejaco machte keinen Hehl daraus, dass es beim Steuerungssystem noch hapert, dass Oberleitungen aufgrund der schlampigen Arbeit einer Firma mehrmals gebrochen sind, dass das Signalsystem der Züge und der Strecke noch nicht vollständig funktioniere, dass es Engpässe mit dem Personal gegeben habe und dass der neue Elektrozug nicht bis in den Bahnhof Meran fahren darf, da dieser zur RFI gehört und die Zulassung dafür noch fehlt. Daher fahren im Moment abwechselnd Elektro- und Dieselzüge durch den Vinschgau. Ein internationales Krisenteam bemühe sich vor Ort, sämtliche Probleme zu lösen. Wann der Elektrozug endgültig fahren werde, da möchte sich Dejaco nicht festnageln lassen.

Diskussion und Anregungen

Unten den Anwesenden waren einige Vielfahrerinnen, die ein Lied singen konnten, was ihnen schon alles auf der Fahrt nach Bozen bzw. Schlanders passiert ist. Verspätungen, langes Warten, vor der Nase wegfahrender Schienenersatzbus, fehlende Echtzeitinformationen bei Ausfällen, fehlende Toiletten, Warteräume und Unterstände bei Kälte und Regen. Joachim Dejaco nahm die Beschwerden und Anregungen ernst, bat jedoch um Geduld. Es brauche noch Testphasen, man müsse sicher gehen, dass es keine Probleme mehr gibt. Es werde konsequent an der Digitalisierung gearbeitet, um auf der APP aktuell zu sein. Für die Bahnhöfe seien die Gemeinden aufgrund von Konzessionen zuständig. Es sei ihre Pflicht und Chance, die Bahnhöfe ansprechend zu gestalten, ja, zur Visitenkarte einer Gemeinde zu machen. Manuel Trojer, der zuständige Referent in Schlanders, bestätigte die Vorhaben der Gemeinde, eine Lösung für die öffentlichen Toiletten im Rahmen der Umgestaltung des Bahnhofs zu finden. Pendlerradparkplätze, ein neuer Radverleih, die Überdachung der Citybushaltestellen und weitere Maßnahmen seien angedacht. Zur Diskussion kamen auch die hohe Preise für Einzelfahrkarten, die langen Wartezeiten an den Bahnübergängen, die Fahrzeiten in den Abendstunden usw. Eine besondere Anregung an die STA nahm sich der Generaldirektor ebenfalls mit: ein jährliches Treffen der Pendlerinnen sollte Standard werden, damit alle Probleme und Informationen besprochen werden können.

Ingeborg Rainalter Rechenmacher
Ingeborg Rainalter Rechenmacher

Diese Seite verwendet Cookies für funktionale und analytische Zwecke. Lesen Sie unsere Cookie-Richtlinien für weitere Informationen. Durch die Nutzung dieser Website erklären Sie sich damit einverstanden.