Vermummte Mitläufer

Publiziert in 20 / 2026 - Erschienen am 3. November 2026

Protestmärsche und Kundgebungen sind oft das letzte Mittel, zu dem gegriffen wird, um sich Gehör zu verschaffen. Laufen aber auch Gewalttätige mit, die zerstören, plündern und handgreiflich werden, kommt es zur Schubumkehr: Sichtbar wird nicht die zumeist große Mehrheit der friedlich Protestierenden, sondern die vermummte Minderheit. In den Medien „verkaufen“ sich Bilder von Jugendlichen, die Schaufenster einschlagen und Flaschen gegen Polizisten werfen, besser als Interviews mit friedlich Protestierenden. Auch in diesem Sinn sind die gewalttätigen Mitläufer die größten Gegner der Protestierenden. Zum Alltag bestimmter Parteien gehört es mittlerweile auch, Proteste und Kundgebungen auszuschlachten, um Kapital daraus zu schlagen. Vor allem, wenn Wahlen anstehen. Dass Gewalt nie und nirgends der richtige Weg ist, dürfte unbestritten sein. Viele Gewaltszenen hat es auch bei den jüngsten Jugend- und Studentenprotesten in Frankreich, Italien und anderen Ländern gegeben (siehe Seite 12) und sie sind klar zu verurteilen. Nicht zu vergessen sind gleichzeitg aber auch die Ursachen der Proteste: Teuerung, soziale Ungerechtigkeit, Missstände an Universitäten usw. Ohne Grund gehen die Jugendlichen nicht auf die Straße. Anstatt die Probleme an der Wurzel anzugehen und die Anliegen der (friedlich) Protestierenden ernst zu nehmen, beschränken sich manche Regierungen darauf, Notdekrete zu erlassen und die Schuld auf politische Gegner zu schieben.

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Josef Laner
Josef Laner

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