30 Jahre „Fuzo“
Schlanders feiert seine „gute Stube“
Freudige Gesichter bei der Jubiläumsfeier „30 Jahre Fußgängerzone“ in Schlanders.
Historischer Flugzettel aus dem Jahr 1992.
An diesem Eiswagen gab es bei der 30-Jahr-Feier Eis für die Kinder.
Mit diesem Eiswagen war Sepp Breitenberger bereits bei der Eröffnung der „Fuzo“ im Jahr 1996 vertreten.
Eingebettet war die Jubiläumsfeier der „Fuzo“ in den gut besuchten „Familienherbst“.

Von allein schlägt das „Herz“ nicht

Damit das Ortszentrum lebendig bleibt, braucht es den Einsatz vieler.

Publiziert in 20 / 2026 - Erschienen am 3. November 2026

Schlanders - Wie vielerorts gibt es auch im Dorfzentrum in Schlanders ungenutzte Geschäfts- und Büroräume, immer mehr Fahrzeuge mit online bestellten Paketen und weitere Probleme. „Alles paletti“ ist demnach zwar nicht, aber dass es seinerzeit richtig war, die Autos aus dem Ortskern zu verbannen und den Fußgängern den Vortritt einzuräumen, darüber kamen bei der offiziellen Jubiläumsfeier „30 Jahre Fußgängerzone“ am 24. Oktober am Hauptplatz in der „Fuzo“ keine Zweifel auf. „Die damalige Entscheidung, eine Fußgängerzone zu schaffen, war ein wichtiger und mutiger Schritt“, sagte Bürgermeisterin Christine Kaaserer. Aus einer Straße, „die dem Verkehr diente, wurde ein Ort der Begegnung und Lebensqualität.“ Kaaserer dankte allen, die diese Entwicklung seinerzeit ermöglicht und mitgetragen hatten. Heute sei die Fußgängerzone das „pulsierende Herz“ von Schlanders. „Ein Dorfzentrum lebt von den Leuten, die es Tag für Tag gestalten und mit Leben erfüllen, es lebt von den Geschäften, den Gastronomiebetrieben, den Dienstleisterinnen und Dienstleistern und den vielen Unternehmerinnen und Unternehmern, denn sie prägen unseren Ortskern und machen ihn lebendig“, so die Bürgermeisterin weiter. Ein attraktives Dorfzentrum lebe davon, „dass Menschen gerne kommen, gerne bleiben und gerne wiederkehren.“ Um das zu erreichen, brauche es ein vielfältiges Angebot, persönliche Beratung, Gastfreundschaft und Qualität. Ebenso seien Menschen gefragt, „die mit Leidenschaft arbeiten, Ideen entwickeln und auch in herausfordernden Zeiten an ihren Standort glauben.“ 

„30 Jahre sind auch Auftrag für die Zukunft“

Neben den Personen der ersten Stunde und jenen, die sich seither für die Gestaltung, Pflege und Weiterentwicklung der „Fuzo“ eingesetzt haben, dankte die Bürgermeisterin auch allen Kaufleuten, Gastronomiebetrieben und Unternehmen im Ortskern, sowie den Vereinen, Freiwilligen und Ehrenamtlichen, die das „Herzstück“ von Schlanders immer wieder mit Veranstaltungen und Initiativen beleben. Nicht unerwähnt ließ sie auch die Bürgerinnen und Bürger, „die unsere Fußgängerzone täglich nutzen, sie schätzen und damit zu einem lebendigen Teil unseres Dorfes machen.“ Das 30-jährige Jubiläum sei zwar ein guter Grund, stolz zu sein, gleichzeitig soll es aber auch als Auftrag für die Zukunft gesehen werden, denn auch ein lebendiger Ort brauche Aufmerksamkeit und Weiterentwicklung. Dies auch deshalb, „weil die Herausforderungen im Handel und in der Gastronomie wachsen.“ Zudem sei die Gestaltung öffentlicher Räume immer wieder neu zu denken. Am besten bewältigen lasse sich diese Aufgabe, wenn sie gemeinsam angegangen wird.

„Es gab auch Kritiker“

Um einen Einblick in die Zeit vor und während der Schaffung der „Fuzo“ zu vermitteln, bat Christiane Pircher, Moderatorin und maßgebliche Veranstalterin der Jubiläumsfeier, den früheren Bürgermeister Johann Wallnöfer ans Mikrofon. Dieser erinnerte daran, dass die Idee einer Fußgängerzone schon etliche Jahre vor 1996 geboren worden war, genauer gesagt bei einem Treffen beim Bäckermeister Sepp Breitenberger. Neben Wallnöfer waren bei diesem Treffen auch Waltraud Peschel, Erich Schweitzer und Florin Florineth (1946-2023) dabei. Sofort begeistert von der Idee war das damalige Gemeindeausschussmitglied Gustav „Gustl“ Tappeiner, der den Vorsitz der eingesetzten Arbeitsgruppe übernahm. An der Jubiläumsfeier konnte Tappeiner aus gesundheitlichen Gründen nicht teilnehmen. Der „Pfeifer Gustl“, langjähriger Oberschützenmeister der Sportschützengilde Schlanders/Kortsch und Träger des Verdienstkreuzes des Landes Tirol, ist am 29. Oktober im Alter von 75 Jahren gestorben.

Erinnert hat Johann Wallnöfer auch an das Engagement des Verkehrsplaners Hermann Knoflacher. Mit Hilfe von Knoflacher sei es gelungen, viele Kritiker, die der Schaffung der Schaffung der Fußgängerzone skeptisch gegenüberstanden, davon zu überzeugen, dass sie als große Chance für Schlanders zu sehen ist. Für den Verkehr wurde das Ortszentrum bereits 1993 gesperrt. Die „Fuzo“ wurde nach umfangreichen, zum Teil schwierigen Tiefbauarbeiten 3 Jahre danach eröffnet. Erinnert wurde auch an das Engagement des Mitinitiators Herbert Graber, des Juweliers Karlheinz Gunsch und weiterer Personen, die mit Veranstaltungen und Initiativen wichtige Akzente für die Belebung der „Fuzo“ setzten. Herbert Graber hatte sich für die Teilnahme am Festakt entschuldigen lassen. Wenige Tage zuvor, am 21. Oktober, war sein Vater Johann Graber im Alter von 96 Jahren gestorben.

„Betriebe leben lassen“

Besonders wichtig für eine lebendige Fußgängerzone ist laut Johann Wallnöfer eine möglichst hohe Besucherfrequenz. Er hoffe, dass die Geschäfte, Gastbetriebe und Dienstleistungsunternehmen entsprechend unterstützt werden. „Es geht darum, die Leute und Betriebe, die in der Zone arbeiten, leben zu lassen“, so Wallnöfer. Mit kurzen Statements warteten Waltraud Peschel als Frau der ersten Stunde sowie der damalige HGV-Ortsobmann Karl Pfitscher und das einstige Gemeindeausschuss-Mitglied Manfred Pinzger aus. Pfitscher und Pinzger appellierten an die Adresse der Gemeindeverwaltung, für möglichst gute Rahmenbedingungen für die Betriebe zu sorgen, damit die „Fuzo“ weiterhin lebendig bleibt. Konkret nannten sie die Schaffung einer Tiefgarage bzw. zentrumsnaher Parkplätze. Auf die Rolle, welche die Raiffeisenkasse Schlanders bei der Entstehung der Fußgängerzone spielte, ging deren heutiger Obmann Siegmar Tschenett ein. Die hds-Ortsobfrau Karin Gluderer unterstrich die große Bedeutung des „Fuzo“ für den Handel und alle Betriebe im Ortszentrum. Thomas Schuster, Projektkoordinator von „Vanguard City Schlanders“, erinnerte an die Auszeichnung von Schlanders als „Vanguard City 2026“ seitens der Europäischen Kommission. Ziel der Initiative sei es, kleine Orte lebendig zu halten, den Handel zu stärken und Ortskerne attraktiv zu gestalten.

Begegnung und Gemeinschaft

„Eine Fußgängerzone lebt von Geschäften, Gastbetrieben und Veranstaltungen sowie von vielen Menschen, die ehrenamtlich dazu beitragen, dass sie lebendig bleibt“, sagte Christiane Pircher in ihren Schlussworten. 30 Jahre Fußgängerzone bedeuten in diesem Sinn 30 Jahre Begegnung, Leben und Gemeinschaft. Eingebettet war die Jubiläumsfeier in den „Familienherbst“, zu dem am 24. Oktober vor allem viele Familien mit Kindern in die Fußgängerzone gekommen sind. Detail am Rande: Einen nicht unwesentlichen Beitrag für eine lebendige „Fuzo“ leistet das ganze Jahr über der „singende Cremona-Wirt“.

Josef Laner
Josef Laner

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