Es muss nicht immer ein Neubau sein
Euregio-Baukulturpreis zu Gast in Schlanders
Schlanders - Es muss nicht immer ein Neubau sein, sondern es gilt auch, den Fokus auf behutsames Weiterbauen am Bestand und in der Umgebung zu setzen. Auf Architektur dieser Art setzt der 2025 erstmals vergebene Euregio-Baukulturpreis für Architektur aus Südtirol, dem österreichischen Bundesland Tirol und dem Trentino. Knapp 60 Architekturschaffende aus allen Euregio-Teilen hatten Projekte zum Thema eingereicht. Im Rahmen der Wanderausstellung „Baukultur in der Euregio Tirol–Südtirol–Trentino“ werden die verschiedenen Bauprojekte der Öffentlichkeit präsentiert. „Es sind viele tolle Projekte. Daran sieht man, dass das Thema in der Gesellschaft und in der Politik angekommen ist“, unterstrich Roselinde Gunsch, Präsidentin der Bezirksgemeinschaft Vinschgau und Bürgermeisterin von Taufers im Münstertal, bei der Eröffnung der Ausstellung am 21. Juli im ersten Untergeschoss der Bezirksgemeinschaft in Schlanders. Noch bis zum 12. August ist die Ausstellung zu Bürozeiten der Bezirksgemeinschaft zu sehen. Gezeigt werden die drei Siegerprojekte: ein historisches Kloster in Imst, eine Tischlerei in Percha und ein Sozialwohnungsquartier in Trient. Ebenso zu sehen sind das Nordtiroler Projekt, das den Publikumspreis gewonnen hat, sowie ein Überblick über die Einreichungen, mit positiven Beispielen auch aus dem Vinschgau. Zudem ist der Katalog zum Baukulturpreis 2025 kostenlos erhältlich.
Sensibilisierung wichtig
Der Preis, gestiftet vom Tiroler Altlandeshauptmann Wendelin Weingartner und initiiert vom Kuratorium für Technische Kulturgüter, soll das Bewusstsein für qualitätsvolle Baukultur in der Europaregion fördern. Die Wanderausstellung will dazu einladen, über die Gestaltung der Lebensräume nachzudenken, sich über Baukultur zu informieren und eventuell Inspiration für eigene Vorhaben zu holen. „Es ist wichtig, auch die Bevölkerung dafür zu sensibilisieren“, unterstrich Gunsch. Das Thema beschäftige die Gemeindeverwaltungen vor Ort derzeit intensiv. Den Leerstand und vorhandene Bausubstanz in den Ortskernen zu nutzen, sei schließlich auch in den jeweiligen Gemeindeentwicklungsprogrammen wichtiger Gegenstand. Wolfgang Piller, freischaffender Architekt und Mitglied der Steuerungsgruppe Euregio-Baukulturpreis, wies ebenfalls darauf hin, wie wichtig es sei, die Bausensibilität zu fördern. „Wenn man durch den Vinschgau fährt, findet man in dieser Hinsicht bereits sehr gelungene Bauten“, lobte er. BASIS-Gründer und Geschäftsführer Hannes Götsch sprach über seine Erfahrungen mit Baukultur und wies auf die wichtigsten Eigenschaften, Funktion, Ästhetik und Qualität sowie auf Vorteile des Weiterbauens am Bestand hin. Auch der Bau an der ehemaligen Drususkaserne in Schlanders gilt als gelungenes Beispiel dafür. Simon Laganda, freischaffender Architekt aus Mals, unterstrich, dass es oft Vorurteile gegen das Bauen im Bestand gebe. Man dürfe aber nicht schwarz-weiß denken. Er erinnerte daran, dass sich diese Baukultur nicht nur mit den Wünschen der Bauherren, sondern auch mit Umgebung und Geschichte der Gebäude befasse. Leider sei es oft auch schwierig, weil alles sofort gehen müsse, beim Bauen im Bestand aber Geduld gefragt sei. „Wir leben in einer schnelllebigen Zeit“, so Laganda. Wittfrida Mitterer, Direktorin des Kuratoriums für Technische Kulturgüter und u. a. Dozentin an der Uni Innsbruck, appellierte ebenfalls für das Bauen im Bestand, was durchaus auch ein wirtschaftlicher Mehrwert sei.