„Es braucht ein dickes Fell“
Chef des Straßendienstes Vinschgau wechselt nach Bozen
Neue Aufgabe für Stephan Bauer
Stephan Bauer (Bildmitte) mit einigen seiner Mitarbeiter im Hauptstützpunkt des Straßendienstes Vinschgau in Lichtenberg.
Rund 12 Jahre lang hat Stephan Bauer den Straßendienst Vinschgau geleitet.

Neue Aufgabe für Stephan Bauer

Bisheriger Straßendienst-Chef wird ab dem 5. August das Landesamt für Straßenbau West leiten.

Publiziert in 14 / 2026 - Erschienen am 28. Juli 2026

Lichtenberg - Seit dem 1. Jänner 2007 bis jetzt war Stephan Bauer fast durchgehend beim Straßendienst Vinschgau beschäftigt, über mehrere Jahre hinweg als geschäftsführender Amtsdirektor und ab dem 1. September 2014 als Amtsdirektor. Mit 5. August kehrt er dorthin zurück, wo er von 1998 bis 2006 gearbeitet hatte, und zwar in das Amt für Straßenbau West in Bozen, wo er die Nachfolge des bisherigen Amtsdirektors Johannes Strimmer antritt. Die Entscheidung, den 55-jährigen Goldrainer mit der Leitung des Landesamtes in Bozen zu betrauen, hatte Martin Vallazza, der Direktor des Ressorts für Infrastrukturen und Mobilität, im Rahmen der Zuständigkeiten und Vorgaben getroffen, wie es das neue Führungskräftegesetz vorsieht. Wer den Straßendienst Vinschgau mit seinem Hauptstützpunkt in Lichtenberg künftig leiten wird, steht derzeit noch nicht fest.

„Man kann es nie allen recht machen“

Rückblickend auf seine Arbeitsjahre in Lichtenberg zieht Stephan Bauer ein insgesamt positives Resümee. Wie in vielen anderen Bereichen sei es vor allem auch beim Straßendienst so, „dass man es nie allen recht machen kann.“ Speziell die Aufgaben, mit denen der Leiter des Straßendienstes und auch die Vorarbeiter betraut sind, seien mit hohen Ansprüchen und viel Verantwortung verbunden. Das Straßennetz, das der Straßendienst Vinschgau das ganze Jahr über bei (fast) jedem Wetter zu pflegen, zu reinigen, instand zu halten bzw. instand zu setzen hat, umfasst insgesamt rund 380 Kilometer. Staats- und Landesstraßen gehören ebenso dazu wie zum Teil auch Gemeindestraßen. Das Einsatzgebiet reicht von der Töll bis hinauf zum Reschenpass und auf das Stilfser Joch. 

Angenehmes Arbeitsklima

Das derzeitige Arbeitsklima im Straßendienst sei laut Stephan Bauer angenehm und von einer guten Zusammenarbeit geprägt, „und das gilt für das gesamte Team.“ Von insgesamt 74 Vollzeitbeschäftigten, wie sie der Stellenplan für den Straßendienst Vinschgau vorsieht, sind derzeit 8 nicht besetzt. „Auch wir suchen Personal“, so der scheidende Amtsdirektor. 4 Männer arbeiten derzeit in der Werkstatt. Im Verwaltungsbereich sind drei Techniker sowie drei Mitarbeiterinnen aus der näheren Umgebung beschäftigt, letztere alle in Teilzeit. Neben der 38-Stunden-Woche und mehreren Benefits zählt laut Bauer vor allem die flexible Arbeitszeitgestaltung zu den Vorteilen einer Beschäftigung beim Straßen-dienst. Auch was den Fuhrpark betrifft, ist der periphere Straßendienst Vinschgau laut Bauer mittlerweile recht gut aufgestellt. War früher zum Teil auch viel Körperarbeit gefragt, „so sieht es in modernen Maschinen fast so aus wie in einem Flugzeug-Cockpit.“

Im Sommer wird ab 5 Uhr gearbeitet

Zur Feststellung, dass vielen Verkehrsteilnehmern der Geduldsfaden reißt, wenn es auf den Straßen aufgrund von Mäharbeiten wieder einmal staut und das noch dazu mitten am Vormittag, meinte Bauer: „Im Sommer wird schon seit Jahren immer um 5 Uhr in der Früh mit den Mäharbeiten begonnen. In der Regel enden diese Arbeiten dann um 12:30 Uhr.“ Kurze Wartezeiten seien leider oft unvermeidlich: „Dass viele rasch ungeduldig werden, wenn sie kurze Zeit halten müssen, ist ein gesellschaftliches Problem.“ Das heiße aber nicht, dass der Straßendienst bei der zeitlichen Einteilung der Arbeiten immer alles richtig macht. Ein „dickes Fell“ brauche es nicht selten auch bei Asphaltierungsarbeiten. Bauer: „Es wird zwar versucht, viel während der Nachtstunden zu arbeiten, aber immer ist das wegen der Temperaturen oder aufgrund von Lärmbelästigungen nicht möglich.“

Viel Positives, aber nicht nur

Am meisten freut sich Stephan Bauer im Rückblick auf seine Arbeitsjahre in Lichtenberg darüber, „dass während dieser Zeit keine schlimmeren Unfälle passiert sind und die Mitarbeiter immer heil nach Hause gekommen sind.“ Als sehr positiv wertet er auch die gute Zusammenarbeit mit den Freiwilligen Feuerwehren und mit anderen Zivilschutzorganisationen. Noch lebhaft in Erinnerung hat er zum Beispiel den außerordentlichen Einsatz der Feuerwehren im Jänner 2018, als in Langtaufers mehrere Lawinen zu Tal donnerten: „Dank der Mithilfe der Feuerwehren konnten wir die Straße rasch räumen.“ Insgesamt gesehen ist es in den vergangenen Jahren gelungen, „dank des motivierten Einsatzes der Mannschaft das meiste, was wir uns vorgenommen haben, umzusetzen.“

Stilfser Joch als besondere Herausforderung

Die Schneeräumung der Passstraße auf das Stilfser Joch gehört seit jeher zu den größten Herausforderungen des Straßendienstes Vinschgau „und wird es auch weiterhin bleiben“, ist Stephan Bauer überzeugt. Eine große Lücke habe in diesem Zusammenhang der Tod der Bergretter Toni und Olaf Reinstadler hinterlassen. Mit den beiden Brüdern habe der Straßendienst über viele Jahre hinweg sehr gut zusammengearbeitet. „Sie standen uns mit ihrem Fachwissen, ihrer Erfahrung und ihrer großen Einsatzbereitschaft oft zur Seite“, sagt Stephan Bauer.

Für Projekte im Vinschgau zuständig

Verloren geht der scheidende Amtsdirektor dem Vinschgau nicht, denn in seiner neuen Leitungsfunktion im Amt für Straßenbau West in Bozen wird er unter anderem auch für Straßenbauprojekte zuständig sein, die in seinem Heimattal geplant sind. Kurz ist diese Liste nicht: Steinschlagschutzgalerie in der „Latschander“ zwischen Latsch und Kastelbell, Straßenverlegung in Graun, Lawinenschutzgalerie in Vernagt im Schnalstal, Umfahrung Rabland und viele kleinere Projekte. Bauer freut sich auf seine neue Aufgabe. Er habe eine Vorliebe für das projektbezogene Arbeiten. Nach Bozen mit nimmt er eine gehörige Portion an Erfahrung. Mit 55 Jahren sei für ihn nun der richtige Zeitpunkt gekommen, beruflich noch einmal etwas Neues anzupacken. Eine Rolle gespielt habe dabei auch die Gesundheit. Stephan Bauer: „Ein Herzinfarkt im Jänner hat mir gezeigt, dass man auf sich schauen muss. Ich freue mich jetzt auf eine neue Aufgabe und darauf, meine Erfahrung in einem anderen Bereich einzubringen.“

Josef Laner
Josef Laner

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