Kürzlich fand das erste Netzwerktreffen des Anti-Gewalt-Netzwerks „ViA! – Vinschgau in Aktion“ statt.

Gewalt geht alle an

Erstes Netzwerktreffen des Anti-Gewalt-Netzwerks „ViA! – Vinschgau in Aktion“

Publiziert in 8 / 2026 - Erschienen am 21. April 2026

Schlanders - Mit dem ersten Netzwerktreffen des Anti-Gewalt-Netzwerks „ViA! – Vinschgau in Aktion“ wurde ein wichtiger Schritt für eine stärkere Zusammenarbeit im Bereich Gewaltprävention und Opferschutz im Vinschgau gesetzt. Vertreterinnen und Vertreter aus Sozialdiensten, Gesundheitswesen, Bildung, öffentlicher Verwaltung und Zivilgesellschaft kamen zusammen, um sich zu vernetzen, bestehende Strukturen zu bündeln und gemeinsame Handlungsansätze zu entwickeln. Bereits in der Begrüßung wurde deutlich, dass Gewalt ein gesamtgesellschaftliches Thema ist, das nur durch koordinierte Zusammenarbeit wirksam adressiert werden kann. Die Grundlage für die Arbeit bildet das Landesgesetz Nr. 13/2021, das Gewalt gegen Frauen klar als Menschenrechtsverletzung definiert und umfassende Maßnahmen zur Prävention, Sensibilisierung und Unterstützung vorsieht. Zentral ist dabei die enge Zusammenarbeit verschiedener Institutionen sowie der Aufbau territorialer Netzwerke. Im Vinschgau übernimmt die Bezirksgemeinschaft eine zentrale Koordinierungsfunktion und fungiert als Schnittstelle zwischen den beteiligten Akteurinnen und Akteuren.

Plattform für Austausch und Koordination

Das Netzwerk ViA! hat sich in den vergangenen Jahren schrittweise entwickelt und versteht sich als Plattform für Austausch, Koordination und Weiterentwicklung. Es basiert auf einer interdisziplinären Arbeitsgruppe sowie regelmäßigen Netzwerktreffen, in denen Informationen gebündelt und gemeinsame Strategien erarbeitet werden. Ziel ist es, eine gemeinsame Sprache zu entwickeln, Angebote besser sichtbar zu machen und konkrete Maßnahmen für die Region umzusetzen. Im Austausch mit den Teilnehmenden wurde deutlich, dass ein großer Bedarf an klaren Anlaufstellen, niederschwelligen Zugängen und praxisnahen Handlungsmöglichkeiten besteht. Gleichzeitig wurde das Netzwerk bewusst offen gestaltet, um weitere Akteurinnen und Akteure einzubinden und gemeinsam weiterzuentwickeln.

Beratungsstelle im Vinschgau

Ein zentraler Bestandteil des Treffens war die Vorstellung der Beratungsstelle für Frauen in Gewaltsituationen, die seit 2023 auch im Vinschgau tätig ist. Sie bietet kostenlose psychosoziale und rechtliche Beratung, Risikoanalysen sowie Schutzmaßnahmen bis hin zur Aufnahme in ein Frauenhaus. Die Arbeit basiert auf Anonymität, niedrigschwelligem Zugang und der Stärkung der Selbstbestimmung der Betroffenen. Die Zahlen von 2025 zeigen die Relevanz des Themas: 22 Frauen nahmen erstmals Kontakt mit der Beratungsstelle auf, insgesamt wurden 144 Unterstützungsleistungen erbracht. Gewalt findet dabei überwiegend im sozialen Nahraum statt und geht häufig von Partnern oder Ex-Partnern aus. Viele Betroffene erleben mehrere Formen von Gewalt gleichzeitig, und auch Kinder sind häufig mitbetroffen. Auch die Dynamik von Gewalt wurde thematisiert, insbesondere der sogenannte Kreislauf der Gewalt sowie verbreitete Mythen und stereotype Zuschreibungen. Diese können dazu beitragen, Gewalt zu verharmlosen oder Betroffene in Frage zu stellen. Umso wichtiger ist ein sensibler Umgang, der auf Zuhören, ernst nehmen und konkrete Unterstützung setzt.

Langfristiger Prozess

Das Netzwerktreffen markiert den Auftakt eines langfristigen Prozesses. Für die nächsten Monate ist eine Auswertung der Ergebnisse geplant, gefolgt von weiteren Veranstaltungen und einem Netzwerktreffen 2027. Ziel ist es, die Zusammenarbeit im Vinschgau zu stärken und einen Beitrag zu einer Gesellschaft zu leisten, die auf Respekt, Gleichstellung und Gewaltfreiheit basiert.

Beratungsstelle gegen Gewalt – Frauenhaus
E-Mail: info@donnecontrolaviolenza.org
Tel. 0473 222 335
Grüne Nummer: 800 014 008

Anti-Gerwalt-Netzwerk ViA!
E-Mail: via@bzgvin.it
Tel. 0473 736 700

Redaktion

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