Internet: Viel Positives, aber auch Gefahren

Publiziert in 10 / 2013 - Erschienen am 20. März 2013
„Man trifft sich online um sich offline zu treffen“, brachte Hans Zoderer das Internet-Verhalten vieler auf den Punkt. Schlanders - Das Internet ist mittlerweile allgegenwärtig. Kinder und Jugendliche wachsen mit dem Internet auf, rund 50% der 7- bis 14-Jährigen sind bereits online. Hauptsächlich gehe es darum, Kontakte zu pflegen. Die oft angesprochene Gefahr der völligen Isolation sieht Hans Zoderer vom Jugendbeirat Schlanders nicht, vielmehr sei es so, dass sich durch das Internet neue Möglichkeiten der Kommunikation bilden. „Die Zeiten ändern sich und die Menschen ändern sich. Sicher war früher vieles anders, aber es ist nicht so, dass nun mit dem Internet alles schlecht ist“, so Zoderer. Dennoch gebe es auch Gefahren und berechtigte Ängste seitens der Eltern. Um über Gefahren und Chancen des Internets zu informieren, veranstaltete die Arbeitsgruppe „Gemeindeorientierte Präventionsarbeit“ in der Aula Magna der WFO Schlanders eine Podiumsdiskussion zum Thema „Mein Kind & Internet“. Der Direktor des Schulsprengels Schlanders, Reinhard Karl Zangerle, stellte die Diskus­sionsteilnehmer vor. Neben Medienpädagoge Helmar Oberlechner aus Innsbruck waren dies Hans Zoderer (Jugendbeirat Schlanders), JuZe-Mitarbeiterin Kathrin Fleischmann, Myriam Egger vom Jugenddienst Mittelvinschgau, Christian Folie von der Psychosozialen Beratung der Caritas, Bildungswissenschaftler Armin Bernhard, Ivo Plotegher und Francesco Campisi von der Postpolizei, sowie die Elternvertreter Walter Marsoner und Silvia Pinggera. Besonders die Jugendvertreter betonten, dass das Internet immer wichtiger werde. „Das Internet ist nichts Negatives“, sagte Fleischmann. „Besonders das soziale Netzwerk Facebook ist bei Kindern und Jugendlichen in Mode gekommen - vor allem, um in Kontakt zu bleiben“, ergänzte Egger. Die Postpolizei klärte über ihre Arbeit und die Gefahren des Internets auf. Neben dem Kampf gegen die Kinderpornographie beschäftige sich die Postpolizei auch mit „Cyber-Mobbing“. Besonders in sozialen Netzwerken komme es immer wieder zu Mobbing - Personen werden im Netz beleidigt, Fotos werden ohne Erlaubnis ins Internet gestellt. „Wir betrachten die sozialen Netzwerke mit ganz anderen Augen“, sagte Plotheger. „Man muss die Kinder durch Aufklärung schützen“, ergänzte Campisi. Das Internet dürfe nicht als rechtsfreie Zone verstanden werden. „Was im realen Leben strafbar ist, ist auch online strafbar“, erklärte der Postpolizist. Ein weiteres Problem sei, dass das Alter der Kinder, die Internet nutzen, immer geringer werde. „Aber ein neunjähriges Kind hat in einem sozialen Netzwerk nichts verloren“, betonte Campisi. Ein weiteres Problem seien die vielen legalen Pornoseiten, die problemlos aufgerufen werden können. Obwohl solche Seiten nicht für Minderjährige bestimmt sind, werden sie häufig von Kindern und Jugendlichen besucht, denn „das Verbotene reizt“, so die Postpolizei. Eine beruhigendere Antwort konnte die Postpolizei auf die Frage nach der Download-Problematik geben. Zwar sei das kostenlose Herunterladen von Musik und Filmen nicht legal, verfolgt werde es jedoch bei Privaten nur in den seltensten Fällen. Die Postpolizei werde dabei nur tätig, wenn eine Anzeige seitens der Urheber vorliegt, aus Eigeninitiative unternehme man nichts. Kompetenzen der Kinder und Jugendlichen anerkennen „Je mehr wir auf Ängste schauen, desto realer werden diese Ängste auch“, mahnte Bernhard. Die Eltern sollten auch die Internet-Kompetenzen der Kinder und Jugendlichen anerkennen. Ständiges Verbieten nütze nichts. „Wir Eltern kennen uns oft einfach zu wenig aus und belasten die Kinder mit unseren Ängsten“, sagte auch Folie. Laut Oberlechner seien viele Eltern zwar weniger kompetent bei der Nutzung des Internets als die Kinder, denen fehle es allerdings meist an der richtigen Einschätzung der Risiken. „Keine Bonbons von Unbekannten“ Zuviele Unbekannte seien im Internet unterwegs, warnte die Postpolizei. „Wie im realen Leben gilt auch hier: Keine Bonbons von Unbekannten annehmen“, so Campisi. Pinggera betonte die medizinischen Probleme: immer mehr Jugendliche seien zu lange vor dem PC. Zudem könne dadurch auch eine Spielsucht entstehen. „Besonders Buben sind gefährdet“, glaubte die Elternvertreterin. Man solle sich für die Internet-Aktivitäten der Kinder und Jugendlichen interessieren und darüber sprechen. „Man sollte Interesse zeigen an den Online-Spielen der Jugendlichen“, empfahl Pinggera, nur so erreiche man diese. Das Internet bewirke schließlich auch viel Positives: „Die Jugendlichen sind fit im Umgang mit dem Computer und beherrschen das Zehnfingersystem - was für uns mühsam war zu erlernen“. Das Positive erwähnte auch Walter Marsoner. „Es gibt wunderbare Möglichkeiten, die neuen Medien zu nutzen“, so der Elternvertreter. Man müsse den Kindern bewusst machen, dass es nicht nur Spiele und soziale Netzwerke gebe, sondern viele nützliche Sachen. Es liege an den Eltern, den Kindern die Vorteile des Internets zu zeigen. „Man muss die positiven Sachen nutzen und auf die Gefahren hinweisen“, fasste Schuldirektor Reinhard Karl Zangerle zusammen. MICHAEL ANDRES
Michael Andres
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Vinschger Sonderausgabe

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