Wie die Sexualpädagogin Veronika Thaler aufzeigte, werden Mädchen und Buben schon im Kindesalter in bestimmte Rollen bzw. Schablonen gedrängt.
Bei der Arbeit in der Gruppe
Veronika Thaler und Philipp Tappeiner

„Jo jo, Madlen sein holt zickig …

… und Buabm sein holt wilder“. Für eine Sprache, die nicht einengt. Noch immer viele Rollenbilder und Schablonen.

Publiziert in 7 / 2026 - Erschienen am 8. April 2026

Mals - Mädchen sind ruhig, fürsorglich und zurückhaltend, Buben hingegen stark, belastbar und wenig emotional. Das sind nur einige vieler Eigenschaften, wie sie Mädchen und Buben oft zugeschrieben werden. Auf Fakten fußen solche Zuschreibungen allerdings nicht, sondern sie sind Ausdruck eines Rollen- und Schablonendenkens, das in unserer Gesellschaft noch immer stark verwurzelt ist, in der Erziehung ebenso, wie in Vereinen und in der Gesellschaft insgesamt. Oft schlagen sich „alte Muster“ auch im Sprachgebrauch nieder, „sie laufen unbewusst mit“, wie die Sexualpädagogin Veronika Thaler am 25. März im Kulturhaus in Mals ausführte. Sie war vom Jugenddienst Obervinschgau in Zusammenarbeit mit dem Sportverein Mals und der Gemeinde Mals zu einem Info-Abend zum Thema „Sprache, die stärkt, statt einengt“ eingeladen worden. „Wir wollen Kinder und Jugendliche in allen Bereichen stärken, ihnen gleiche Entwicklungschancen bieten und ihnen eine gesellschaftliche Teilhabe ermöglichen“, hatte Philipp Tappeiner, der Geschäftsführer des Jugenddienstes, vorausgeschickt. Die Initiative, einen Info-Abend für Ehrenamtliche, die mit Kindern und Jugendlichen arbeiten, zu veranstalten, war in Zusammenarbeit mit der Gemeindereferentin für Jugend, Marion Grass, auf den Weg gebracht worden. Zumal Grass am 25. März nicht dabei sein konnte, wurde sie vom Gemeindereferenten Simon Laganda vertreten.

 „Das ist kein Bleistift-Halten“ 

Begonnen hat Veronika Thaler ihr Referat mit persönlichen Erfahrungen. Sie habe als Mädchen sowohl bei der Feuerwehr als auch bei Ministranten eine Absage hinnehmen müssen. Und als sie sich für das Maurerhandwerk interessierte, hörte sie einen Satz, den sie bis heute nicht vergessen hat: „Du weißt schon, dass das nicht Bleistift-Halten ist.“ Sehr viel habe sich seit diesen Erfahrungen bis heute nicht geändert, stellte Thaler ernüchternd fest. Umso wichtiger sei es, traditionelle Rollenbilder und Schablonen möglichst früh zu überwinden. „Viel passiert schon in den Kinderjahren. Das Fahrrad eines Mädchens muss lila sein, einem Buben schenkt man einen Traktor als Spielzeug.“ Bereits in den Bereichen Kleidung und Spielzeug, bei denen es um riesige Umsätze geht, werden Mädchen und Buben in ihre jeweiligen „Rollen“ gedrängt. Erwiesen sei, dass Mädchen während der Pubertät oft an Selbstvertrauen verlieren. Jungs hingegen werden angehalten, Gefühle zu unterdrücken, was sich negativ auf deren Psyche auswirken kann. Das „Rollen- und Schubladen-System“ ist allumfassend, es betrifft Kinder, Jugendliche sowie Frauen und Männer gleichermaßen.

Vereine sind wichtige Lernorte

Rollenbilder werden traditionell vermittelt, oft unbewusst. Vereine gehören laut Thaler zu wichtigen Lernorten: „Jugendliche merken sofort, wo sie willkommen sind. Wenn sie nicht in klassische Schubladen passen, fühlen sie sich schnell außen vor.“ Es sei daher darauf zu achten, eine Sprache, die einengt, zu vermeiden. Auch mit Beispielen wartete die Referentin auf.  Anstelle von „Glaubensätzen“ wie „Mädchen sind immer brav“ oder „Jungs sind immer laut“ könnte man sagen: „Kinder dürfen mal laut, mal brav sein.“ Aus der sprachlichen Enge ausbrechen könne man, wenn man auf Sager wie „typisch Madl“ oder „typisch Bua“ verzichtet und anstelle von Mädchen und Buben einfach Kinder sagt oder anstelle von Frauen und Männer einfach Menschen. Diese neutralen Formulierungen schließen nicht aus, sondern ein. Auf Komplimente, die nur vermeintlich solche sind, sei zu verzichten. Zwei Beispiele solcher Komplimente: „Für an Bua konnsch du obr guat mit Kindr umgean“, „Du bisch richtig stork! Für a Frau …“. Zum Info-Abend gehörte auch eine Gruppen-Arbeit, wobei versucht wurde, rollenbehaftete Ausdrücke und Sätze durch alternative Formulierungen zu ersetzen. Der Abend zeigte, dass kleine Änderungen in der Sprache Vereine offener und stärker machen können. Veronika Thaler plädierte grundsätzlich für neutrale Formulierungen, für Komplimente ohne Vergleich und dafür, Dienste oder Aufgaben nicht „schablonenhaft“ zuzuordnen, sondern nachzufragen, statt zu implizieren à la „Das ist eher was für Jungs“ oder „Die Mädels machen das schon.“

Josef Laner
Josef Laner

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