Im Bild (v.l.): Maurus Blumenthal, Thomas Moriggl, Gerlinde Warger, Renate Gebhard, Rosemarie Mayer, Werner Atz, Albrecht Plangger, Günther Platter, Jenny Pech und Karl Kerer.

Kampf um Talente

53. Grenzpendlertagung in Schluderns

Publiziert in 11 / 2026 - Erschienen am 10. Juni 2026

Schluderns - Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen, die in der Schweiz tätig sind, nutzten die Gelegenheit, sich bei der 53. Grenzpendlertagung, die am 30. Mai in Schluderns stattgefunden hat, über Neuerungen zu informieren und Erfahrungen auszutauschen. Die Sprecherin der Grenzpendlergruppe Gerlinde Warger und Rosemarie Mayer („Südtiroler in der Welt“) konnten auch viele Ehrengäste begrüßen, darunter den Landtagsabgeordneten Sepp Noggler, die Kammerabgeordnete Renate Gebhard und den ehemaligen Parlamentarier Albrecht Plangger. Ebenfalls anwesend waren mehrere Bürgermeister des Obervinschgaus sowie Günther Platter in Vertretung der Raiffeisenkasse Prad-Taufers. Das KVW-Vorstandmitglied Karl Kerer berichtete kurz über die Wipptaler Grenzpendlertagung, die heuer im Frühjahr erstmal ins Sterzing stattgefunden hatte. Renate Gebhard ging auf die aktuellen Bestimmungen zur Telearbeit ein. Bis zu 25 Prozent der Arbeitszeit könnten im Home-Office geleistet werden, ohne den Status als echte Grenzpendler zu verlieren. Dies sei jetzt Gesetz, sodass nicht mehr jährlich um Genehmigung angesucht werden muss. „Fachkräfte werden auch bei uns händeringend gesucht“, sagte Gebhard.

Rund 1.200 Grenzgänger/innen

Maurus Blumenthal, Direktor des Bündner Gewerbeverbands, hob die Bedeutung der rund 1.200 Grenzgänger/innen aus dem Obervinschgau für die Bündner Wirtschaft hervor. Südtirol und Graubünden seien zwei starke Alpenregionen mit ähnlicher Wirtschaftsstruktur. Allerdings spüren auch die Graubündner den demographischen Wandel und die massive Abwanderung. Ein Problem sei auch die schwierige Erreichbarkeit des Kantons. Der Fachkräftemangel werde durch die Grenzpendler/innen aus Südtirol und Sondrio etwas ausgeglichen, „allerdings sind auch die Lohnansprüche der Grenzpendler/innen gestiegen.“ Dies deshalb, weil die Wirtschaft auch auf Südtiroler Seite floriert und die Unternehmen attraktive Arbeitsbedingungen bieten. Der Unternehmer Thomas Moriggl sagte im Namen des Unternehmerverbandes: „Wir im Vinschgau sind ständig auf der Suche nach Fachkräften und seit dem Inkrafttreten des neuen Doppelbesteuerungsabkommens (01.01.2024) ist eine leichte Trendumkehr spürbar. Es gibt bereits einige Rückkehrer/innen und das ist gut so, weil Digitalisierung, Automatisierung und Künstliche Intelligenz die Arbeitswelt zunehmend verändern, aber wir noch nicht genau einschätzen können in welchem Ausmaß.“ Als brennendes Thema nannte Moriggl leistbaren Wohnraum. Die Südtiroler Arbeitgeber/innen punkten mit einem sicheren Arbeitsplatz, kürzeren Arbeitswegen, zusätzlichen Benefits, der Abfertigung (zusätzliches Lohnelement) und interessanten Rahmenbedingungen. Beim „rientro dei cervelli“ sollte der Staat den Fokus nicht nur auf Akademiker/innen legen, sondern auch auf spezialisierte und technische Arbeitskräfte. Der Kampf um Talente werde dies- und jenseits der Grenze ausgetragen.

Finanzieller Ausgleich

Wie der Prader Bürgermeister Rafael Alber ausführte, gehen die finanziellen Ausgleichszahlungen aus Rom anteilsmäßig (je nach Anzahl der Grenzpendler/innen) an die Gemeinden Mals, Graun, Schluderns, Taufers im Münstertal, Prad, Glurns und Schlanders. Die Beiträge (ca. 2 Mio. Euro) werden in den Gemeinden im Interesse der Bevölkerung investiert. Die wirtschaftliche Entwicklung des Vinschgaus sei gut und auch die Bündner Wirtschaft wachse: „Ob jemand hier oder dort arbeitet, ist immer eine persönliche Entscheidung und beides hat Vor- und Nachteile.“

Infos und Beratung

Das Grenzpendlerbüro in Mals ist wochentags zu Bürozeiten telefonisch und per E-Mail erreichbar. Für eine persönliche Beratung ist eine Terminabsprache sowie eine Mitgliedschaft im Verein „Südtiroler in der Welt“ erforderlich. Der KVW und der Verein „Südtiroler in der Welt“ werden sich auch weiterhin für die Grenzpendlerthemen einsetzen.

Redaktion
Vinschger Sonderausgabe

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