Zahlreiche Besucher/innen wohnten der Eröffnung bei.
Das „Karussell des Lebens“
Gerold Tappeiner
Anna Silvia Plattner

„Karussell des Lebens“

Von seinen Wurzeln im Vinschgau bis nach Südamerika, Österreich und Mailand: Schloss Kastelbell zeigt Karl Plattner in seiner ganzen Vielfalt.

Publiziert in 16 / 2026 - Erschienen am 8. September 2026

Kastelbell - „Von Karl Plattner kann man nie genug haben“, unterstrich Eva Gratl bei der Eröffnung der Herbstausstellung auf Schloss Kastelbell am Samstag, 5. September. Gratl kuratierte gemeinsam mit Ursula Schnitzer und Architekt Alessandro Casciaro diese besondere Ausstellung, die noch bis Ende Oktober besichtigt werden kann. Der 1919 in Mals geborene und 1986 in Mailand verstorbene Künstler Karl Plattner war wohl einer der bedeutendsten Maler des 20. Jahrhunderts in Südtirol. Bereits zum dritten Mal nach 2000 und 2019 – zu seinem 100. Geburtstag – ist ihm eine Ausstellung im Schloss gewidmet. Anlass dieser umfassenden und zugleich einmaligen Ausstellung mit dem Titel „Karussell des Lebens“ ist der 40. Todestag des Künstlers. 36 Bilder in fünf Sälen sind zu sehen. In erster Linie geht es um seine Werke, die im Rahmen öffentlicher Aufträge entstanden sind, erklärte Gerold Tappeiner, der Obmann des Kuratoriums Schloss Kastelbell. 

Künstlerische Reise

Die Ausstellung widmet sich verschiedenen Räumen im Leben des Künstlers und nimmt Besucherinnen und Besucher mit auf eine künstlerische Reise von seinen Wurzeln im Vinschgau, nach Südamerika und Frankreich, nach Innsbruck, Salzburg und Wien, nach Mailand und wieder zurück in die Heimat. Den Mittelpunkt der Ausstellung bildet das „Karussell des Lebens“ aus dem Jahr 1966. Dieses besondere monumentale Werk, das sich sonst in Wien befindet, ist erstmals in Südtirol zu sehen. Die Symbolik des Bildes unterstreiche auch diese besondere Ausstellung, erklärte Gratl: Auf dem sich drehenden Hochkarussell wirbeln Figuren durch die Luft, Menschen unterschiedlicher Generationen betrachten die Szene. So führe auch diese Schau die Besucherinnen und Besucher durch Räume und Zeiten im Leben Plattners und setze den Fokus auf ferne und nahe Welten im umfangreichen Werk. Ein Saal widmet sich etwa Südamerika als wichtige Inspirationsquelle auch für das große Landtagsfresko, welches Plattner für den Landtag in Bozen angefertigt hatte. Dieses monumentale Wandbild, das der Künstler 1954 bis 1955 geschaffen hat, sei so etwas wie eine Initialzündung für die öffentlichen Arbeiten gewesen, erklärte Ursula Schnitzer. Die öffentlichen Werke von Plattner in Österreich, für das Festspielhaus in Salzburg und das Fresko für die Kapelle oberhalb der Europabrücke in Schönberg bei Innsbruck sind durch verschiedene Entwürfe und autonome Darstellungen in der Ausstellung präsent. Zu sehen sind auch Atelierbilder, Werke von besonderer Intensität. 

Vinschgau als Inspiration 

Ein Saal ist dem Vinschgau gewidmet. Die Landschaft des Tals sei für den Künstler nämlich ein nie versiegelndes Reservoir gewesen, auch wenn sein Leben von ständigen Ortswechseln geprägt war. „Zweimal im Jahr bin ich drei Wochen in Burgeis. Der Vinschgau ist für mich ein Nährboden. Ich brauche ihn, um meine Batterien wieder aufzuladen. Ich brauche dort den Kontakt mit der Natur, mit den Menschen, mit den Farben, mit der Struktur der Natur, wie die Hügel, die Baumgruppen, die Wiesen und die Grenzen der Äcker gegliedert sind“, zitierte Eva Gratl den Künstler. 

Viele Emotionen

Bewegende Worte und viel Dank fand Karl Plattners Tochter Anna Silvia Plattner. „Es sind viele Emotionen hier im Schloss. Danke an alle, die dies ermöglichen“, sagte sie. Gerold Tappeiner bedankte sich beim Landesamt für Kultur, der Gemeinde Kastelbell-Tschars und den Raiffeisenkassen des Vinschgaus für die Unterstützung sowie beim Karl-Plattner-Archiv für die Zusammenarbeit.

Michael Andres
Michael Andres

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