Lebensader
Neuer Almweg für die Stierberg Alm am Trumsberg
Kastelbell-Tschars - Der neue, 1.970 Meter lange Forstweg, der von Hochpardatsch bis zur Stierberg Alm am Trumsberg in der Gemeinde Kastelbell-Tschars führt, ist eine Lebensader, mit der die Zukunft und weitere Bewirtschaftung der Alm gesichert werden kann. Das war der Grundtenor der Ansprachen, die am 29. August bei der offiziellen Eröffnung und Segnung der neuen Zufahrt zu hören waren. Zur schlichten Feier eingeladen hatten die Miteigentümer der Stierberg Alm und die Agrargemeinschaft Trumsberg.
„Kein einfache, aber lebendige Alm“
Bertram Stecher, welcher der Agrargemeinschaft seit heuer als Obmann vorsteht, schickte voraus, dass die Stierberg Alm „keine einfache, aber trotzdem lebendige Alm“ sei: „Es ist nicht wichtig, was man hat, sondern was man daraus macht.“ Einen großen Dank zollte Stecher dem bisherigen Obmann der Agrargemeinschaft, Ernst Kaserer, seinen Mitstreitern sowie allen, die sich für den Bau der Zufahrt eingesetzt und an der Errichtung beteiligt waren. Der Großteil der Arbeiten wurde im Vorjahr ausgeführt, die Fertigstellung erfolgte heuer. Für die Planung hatte die Agrargemeinschaft den erfahrenen Ingenieur Siegfried Pohl (Pohl + Partner) gewinnen können. Bei der Findung und Festlegung der Trasse wurde eng mit dem Forstinspektorat Schlanders zusammengearbeitet. Wie Amtsdirektor Andreas Plattner vom Forstinspektorat Schlanders und Geometer Philipp Platzgummer (Pohl + Partner) übereinstimmten, war es nicht einfach, den Weg im teils sehr steilen und schwierigen Gelände zu bauen. „Zugute gekommen ist uns das Felsgestein“, so Platzgummer. Gebaut wurde der Weg von der Firma Marx. Der Forstweg führt von Horchpardatsch (1.790 Meter) über mehrere Serpentinen bis direkt zur Alm, die auf 2.106 Höhenmetern liegt.
Nur für Almleute befahrbar
Befahren werden darf der neue Almweg grundsätzlich nur vom Almpersonal – es sind das seit der heurigen Almsaison Walburga und Markus Pechlaner – sowie von weiteren ermächtigten Personen, die direkt mit der Alm zu tun haben, wie etwa die Viehbesitzer. Die alte Materialseilbahn, mit der bisher das Notwendigste auf die Alm gebracht worden war, wurde bereits abgebaut. Für die heurige Saison waren rund 50 Kalbinnen, 300 Schafe und über 100 Ziegen aufgetrieben worden. Zusätzlich zu Betreuung der Tiere kümmern sich Walburga und Markus auch um das leibliche Wohl der Wanderer, Gäste und Biker. Den Strom liefert eine kleine Photovoltaikanlage.
Dauerproblem Wasserknappheit
Mit einem gerafften Einblick in die Geschichte und Entwicklung der Stierberg Alm wartete der langjährige Obmann Ernst Kaserer auf. Die Alm umfasst 159 Hektar Weidefläche. Eigentümer sind je zur Hälfte die 12 Höfe am Trumsberg sowie die zwei Platzhöfe und der Loimtal-Hof. Die Zahl der Weiderechte beläuft sich auf 48. Die Almhütte und der Stall wurden vor 60 Jahren neu errichtet. Auch über weitere Maßnahmen und bauliche Verbesserungen der vergangenen Jahrzehnte informierte Ernst Kaserer. Ein Dauerproblem stelle bis heute die Wasserknappheit dar. Es mussten immer wieder Lösungen gefunden werden, um das Vieh und die Alm mit Wasser versorgen zu können. Noch nicht aus der Welt sei bis heute ein weiteres Problem, sprich der Wolf. Angefangen habe das leidige Problem 2019 mit 31 Schafrissen.
„Lange für diese Zufahrt gekämpft“
Besonders erfreut zeigte sich der bisherige Obmann, „dass es nach jahrzehntelangen Bemühungen gelungen ist, diesen Forstweg auf die Alm zu bauen.“ Auch er dankte allen Beteiligten, nicht zuletzt auch dem Landesamt für Bergwirtschaft für die großzügige finanzielle Unterstützung. Das Amt für Bergwirtschaft hat ca. 80 Prozent der Gesamtkosten in Höhe von ca. 300.000 Euro übernommen. Bürgermeister Gustav Tappeiner und Landwirtschafts-Referent Thomas Plack bedankten sich im Namen der Gemeinde bei allen, die den Bau des Weges vorangetrieben und das Vorhaben umgesetzt haben. Der neue Almweg sei als weiterer Baustein im Rahmen der Maßnahmen zur Stärkung und Aufwertung des ländlichen Raums anzusehen. „Die Menschen, die im ländlichen Raum leben und wirtschaften, sind zumindest zu respektieren“, so der Bürgermeister wörtlich. Thomas Plack wertet die neue Zufahrt nicht nur als Aufwertung für die Landwirtschaft, sondern für das gesamte Wirtschaftsgefüge der Gemeinde und die Gemeinschaft insgesamt.
„Wichtig und notwendig“
Dekan Christoph Wiesler, der den kirchlichen Segen erteilte, bezeichnete den Almweg vor allem auch im Hinblick auf die nächsten Generationen als „wichtig und notwendig.“ Es gelte, die Kulturlandschaft zu erhalten und zu pflegen, „denn auch das ist Liebe zur Heimat.“ Ein besonderes Dankeschön sprach Obmann Bertram Stecher auch dem Almmeister Manuel Wellenzohn aus sowie allen bisherigen und derzeitigen Hirten, Gehilfen und weiteren Almleuten, die sich in großer Zahl zur Feier eingefunden hatten. Mit Ehrentafeln ausgezeichnet wurden Ernst Kaserer – er war 45 Jahre Mitglied des Ausschusses, 35 davon als Obmann, und hat die Entwicklung der Agrargemeinschaft mit viel Einsatz wesentlich mitgeprägt – und Peter Brunner für 28-jährige Mitarbeit im Ausschuss. Mit dem Bau des neuen Weges wurde die vorletzte Alm im Gemeindegebiet von Kastelbell-Tschars erschlossen. Noch keine Zufahrt gibt es zur Zirmtal Alm am Nörderberg, die 2014 als „die schönste Alm Südtirols“ ausgezeichnet wurde.