Nach der Ernte wird das Saatgut auf Tüchern zum Trocknen ausgelegt.
Kurt Kußtatscher mit dem „eBeetle“ und Luise Ruatti mit der Mähmaschine.
Kurt Kußtatscher mit dem „eBeetle“ und Luise Ruatti mit der Mähmaschine.
Kurt Kußtatscher mit dem „eBeetle“ und Luise Ruatti mit der Mähmaschine.
Kurt Kußtatscher mit dem „eBeetle“ und Luise Ruatti mit der Mähmaschine.
Ihre Schafe hat Luise Ruatti mittlerweile auf die Sommerweide in das Schnalstal gebracht.

Wiesendrusch in Naturns

Autochthones Saatgut auf der „Langwiese“ geerntet.

Publiziert in 12 / 2026 - Erschienen am 30. Juni 2026

Naturns - Rund 80 verschiedene Gräser und Blumen gedeihen auf der rund 2 Hektar großen „Langwiese“ von Luise Ruatti (Dorfmaor) in Naturns. „Dank dieses Artenreichtums eignet sich diese Wiese bestens für das Einsammeln von autochthonem Saatgut“, freute sich Kurt Kußtatscher, als er am 15. Juni mit einem „eBeetle“ anrückte. Es ist dies ein elektrobetriebenes, einachsiges Gerät zur Beerntung artenreicher Wiesen. Reife Samen werden mittels einer rotierenden Bürste schonend aus den Pflanzen herausgebürstet. Das reife Gras wird mit diesem besonderen Gerät aus der Schweiz im wahrsten Sinne des Wortes gekämmt. „Rund 40 Prozent der Samen können beim Wiesendrusch gewonnen werden, der Rest verbleibt auf der Wiese“, sagte Kußtatscher. Wie schon in den vergangenen zwei Jahre sammelte er das Saatgut auch heuer für die Firma „LocalFloraSeed“ ein. Dieses Unternehmen bietet Saatgut für naturnahe Begrünungen an. Das heurige Saatgut der „Langwiese“ ist für die „STA – Südtiroler Transportstrukturen AG“ bestimmt, die entlang der Eisenbahnstrecke von Marling bis Mals an bestimmten Stellen Begrünungen bzw. Renaturierungen vornimmt.

Nur lokale Gräser und Blumen

Größter Wert sei laut Kurt Kußtatscher drauf zu legen, dass das Saatgut nach Möglichkeit zu 100 Prozent autochthone, also lokale bzw. regionale Gräser und Wiesenblumen enthält. In solchen Fällen könne man von Renaturierungen sprechen und nicht von einfachen Begrünungen, bei denen vielfach nur Handelssaatgut aus dem Ausland verwendet wird. Als „nicht ehrlich“ bewertet Kußtascher in diesem Sinn auch das Projekt „Blühender Vinschgau“. Es sei zwar lobenswert, dass die Bezirksgemeinschaft Vinschgau die Artenvielfalt und Lebensräume für Insekten und Nützlinge fördern möchte, „aber hierfür müsste ausschließlich autochthones Saatgut verwendet werden.“ Kußtatscher verweist in diesem Zusammenhang auch auf die wissenschaftlichen Arbeiten von Thomas Wilhalm (Konservator für Botanik am Naturmuseum in Bozen), der landesweit 11 unterschiedliche Flora-Regionen untersucht und beschrieben hat.

Biodiversitätsrichtlinie

Worauf Kußtascher noch hinweist, ist ein Landesgesetz, mit dem im Herbst 2025 der Einsatz autochthonen Saatgutes auf öffentlichen Flächen verpflichtend vorgegeben worden sei, sowie auf die EU-Biodiversitätsrichtlinie. Die Verordnung dazu (Naturwiederherstellungsgesetz) ist im August 2024 in Kraft getreten. Luise Ruatti, die sich unmittelbar nach dem Wiesendrusch ans Mähen machte, freute sich, einen Teil des Samengutes ihrer Wiese auch heuer wieder zur Verfügung stellen zu können. Für sie ist der Erhalt und die Förderung der Biodiversität schon seit Jahren einer der wichtigsten Leitsätze ihres Tuns: „In der Natur ist alles mit allem verbunden.“ Nicht anfreunden kann sie sich mit dem Streben nach immer mehr und mit dem nach wie vor vorherrschenden Prinzip der Gewinnmaximierung und zwanghaften Weiterentwicklung.

Artenreiche Wiesen gesucht

Wer artenreiche Wiesen oder Weiden besitzt, die naturnah bewirtschaftet werden und auf denen seit mindestens 40 Jahren keine Eingriffe wie etwa Planierungen durchgeführt wurden, kann sich zwecks einer Saatguternte bei „LocalFloraSeed“ melden. Die Nachfrage nach autochthonem Saatgut, für das es eine Entschädigung gibt, ist laut Kußtatscher groß. 

Josef Laner
Josef Laner

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