Auch im Vinschgau gab es Ende März und Anfang April mehrere Frostnächte in Folge. Im Großraum Laas sank die Temperatur auf -7 bis -8 Grad.
Bauernbund-Bezirksobmann Raimund Prugger mit Mundschutz

„Zupfer“ und „Klauber“ gesucht

Wie sich die Corona-Krise auf die Landwirtschaft auswirkt

Publiziert in 12/13 / 2020 - Erschienen am 7. April 2020

Vinschgau - Der Betrieb in den Obstgenossenschaften läuft zwar unter der Einhaltung strenger Sicherheitsmaßnahmen weiter und auch der Absatz der Äpfel ist derzeit nicht schlecht, aber es gibt etliche andere Bereiche in der Landwirtschaft, denen die Corona-Krise zum Teil arg zusetzt. Wie Raimund Prugger, der Bezirksobmann des Bauernbundes, dem der Vinschger am Samstag bestätigte, liege das Problem der Obstwirtschaft derzeit nicht so sehr bei den Genossenschaften, die aufgrund der Abstandsregelungen und weiterer Vorschriften zum Teil im Mehrschichtbetrieb arbeiten, und auch nicht der Vermarktung, sondern ist mehr darin zusehen, dass es schwierig werden dürfte, genug „Zupfer“ und Apfelpflücker aus osteuropäischen Ländern zu finden. Es wird befürchtet, dass die Erntehelfer überhaupt nicht einreisen dürfen, und wenn doch, dass ihnen ein 14-tätiger Quarantäne-Aufenthalt verordnet wird, was laut Prugger auch keine Lösung wäre. Zeitnaher als die Ernte ist die Ausdünnung. Mit dem „Zupfen“ wird je nach Vegetationsfortschritt zwischen Mitte und Ende Juni begonnen. 

Plattform www.agrijobs.it

Um dem drohenden Mangel an Saisonarbeitern vorzubauen, richtet der Bauernbund eine Internetplattform ein. Mit der Plattform www.agrijobs.it, die bereits am 17. April online gehen soll, versucht der Bauernbund, verstärkt hiesige Helfer für landwirtschaftliche Arbeiten zu gewinnen. Ziel der Plattform, die Arbeitsangebote und Arbeitsnachfragen zusammenführt, ist eine schnelle und unkomplizierte Vermittlung von Arbeitskräften. Neben Personen, die aufgrund der Corona-Krise ihre Arbeit verloren haben, richtet sich das Angebot auch an Jugendliche, Studenten und Teilzeitkräfte anderer Branchen.

Die „Milchkette“ hält

Erfreulich ist laut Prugger, dass die Milchwirtschaft von der Corona-Krise bisher weitgehend verschont geblieben ist. Den Bauern sei zwar seitens von Mila-Bergmilch Südtirol empfohlen worden, die Liefermengen etwas zu drosseln, aber das führe zu keinen nennenswerten Problemen. „Der Markt läuft und wir können im Großen und Ganzen zufrieden sein, dass die ‚Milchkette’ hält“, so der Bezirksobmann.

Auch etliche Problembereiche

Hart zu spüren bekommen die Krise indessen landwirtschaftliche Betriebe, die Urlaub auf dem Bauernhof anbieten. Prugger: „Dieser Nebenerwerbszweig ist ebenso betroffen wie die Beherbergungsbetriebe in der Tourismusbranche.“ Viele Gäste, die für den Sommer gebucht hatten, haben bereits storniert. Besonders hart setzt die Krise auch den Ziegen- und Schafbauern zu. Die Vermarktung von Kitzen und Lämmern, sprich das klassische Ostergeschäft, ist nahezu vollständig eingebrochen. Schlimm ist die Lage laut Prugger auch für die Weinbauern: „Die Gastronomie steht still und damit bricht auch der Großteil des Absatzes weg.“ Mit Absatzproblemen haben derzeit auch Bauern zu kämpfen, die ihre Kartoffeln, ihr Wintergemüse und zum Teil schon ihre frischen Salate auf Bauernmärkten anbieten möchten. Auch Bauernmärkte sind derzeit weitgehend tabu. Stillgelegt ist seit Wochen auch die Wald- und Forstwirtschaft.

Viele Frostnächte

In der öffentlichen Wahrnehmung fast untergegangen sind die vielen Frostnächte, zu denen es Ende März und Anfang April auch im Vinschgau gekommen ist und die viele Landwirte nächtelang auf Trab gehalten haben. Die Temperaturen sanken gebietsweise auf -7 bis -8 Grad. Genaue Angaben über die Qualitätsschäden, mit denen bei der Apfelernte zu rechnen sein wird, lassen sich derzeit noch nicht machen. Der Großteil der Apfelanlagen ist zwar durch Frostschutzberegnung geschützt, es gibt aber auch ungeschützte Flächen, vorwiegend an den Rändern der Talsohle. Bereits fest steht indessen, dass die Frostnächte sowohl den Marillenbäumen in tiefer gelegenen Lagen zugesetzt haben als auch so manchen Kirschanlagen. Nicht wenige Bauern haben versucht, die Frostschäden in Apfelwiesen und Kirschanlagen mit Frostschutz-Kerzen (Paraffin) einzudämmen.

„Regionalität kann an Wert gewinnen“

Auf die Frage, welche langfristigen Auswirkungen die Corona-Krise auf die Landwirtschaft insgesamt haben wird, gab sich Raimund Prugger überzeugt, „dass die Regionalität an Wert gewinnen wird.“ Er bezog sich dabei nicht ausschließlich auf die Landwirtschaft: „Auch bei anderen Dingen werden wir uns fragen müssen, ob es wirklich sinnvoll ist, Sachen aus China und anderen Ländern zu importieren, nur weil sie etwas billiger sind.“ Als Beispiel nannte er etwa Schutzanzüge oder Mundschutzmasken. Es gelte, in allen Bereichen auf möglichst kleine Kreisläufe zu setzen, „und wir müssen endlich aufhören, beim Einkaufen nur auf den Preis zu schauen.“ Dass regionale Qualitätsprodukte nun einmal etwas teurer sind, liegt auf der Hand.

Josef Laner
Josef Laner

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