Künstler und Akteure in Karthaus: Benjamin Santer, Elisa Horrer, Judith Neunhäuserer, Stefan Alber, Irene Hopfgartner, Wolfgang Nöckler, Barbara Gamper und Alexander Wierer (vorne v.l.); Kurator Michael Rainer, Bürgermeister Karl Josef Rainer, Alexander Zöggeler, Landesrat Philipp Achammer und Kurator Thomas Rainer (hinten v.l.)
Leander Schönwegers implantierte Käfige im Kreuzgang
Barbara Gampers Tuch mit Abbildungen von Votivgaben
Stefan Albers Blick aus der entfremdeten Mönchszelle
Wolfgang Nöcklers Ergrabung von Sprachrelikten
Der Pilzekreis von Irene Hopfgartner

Ein Kloster, zwei Kuratoren, sieben Künstler

… gestalten das Thema „Implantat“ in der 33. Sommerausstellung „Kunst in der Kartause“.

Publiziert in 24-25 / 2021 - Erschienen am 20. Juli 2021

Karthaus - Michael Rainer aus Wien und Thomas Rainer aus Zürich sind die Kuratoren der 33. Sommerausstellung in Karthaus. Durch den typisch Schnalser Namen Rainer wurden sie in den Reihen des Kulturvereins Schnals bald zu den „Schnalser Bueben“. Die international agierenden, gebürtigen Kufsteiner waren natürlich fasziniert von Südtirols einziger Kartause in Schnals, aber aus ihrem Blickwinkel war das Besondere an der Anlage, dass sie künstlich in die wilde Berglandschaft eingepflanzt, implantiert worden war, auf Isolation und Abschottung bedacht – ein „locus horribilis“, ein schrecklicher Ort. Daraus entwickelten die Gebrüder Rainer das Thema Implantat für die 33. Ausgabe von „Kunst in der Kartause“. Gleichzeitig entstanden als globales Implantat die Anschrift „implant(at)karthaus“ und eine textliche Aufbereitung, in die man sich einarbeiten muss. Drei zeitgenössische Künstlerinnen und vier Künstler, alle aus Südtirol und mit einer Ausnahme alle im Ausland lebend, wurden beauftragt, durch ihre Kreativität ein „Wechselverhältnis des Kunstkörpers“, des Implantats, zu seiner Umgebung darzustellen und zu erklären. Dadurch sollten Dorfbewohner und Besucher zu weiteren Sichtweisen angeregt werden. 

Sieben Künstler – sieben Botschaften

Stefan Alber (Bruneck-Berlin) hat eine Klosterzelle zur Skulptur „Cubiculum“ gemacht. Er hat die Zelleneinrichtung in den Klostergarten trans-plantiert und Abgeschiedenheit aufgehoben. Für Barbara Gamper (Meran-Berlin) galt es von der „ausgeschlossenen“ Heilig-Grab-Kapelle über eine Stoffbahn mit aufgedruckten Votivgaben ein Hinausreichen, „Reach Out“ Richtung Dorf zu schaffen. Irene Hopfgartner (Bruneck-Wien) bewältigt „ohne Titel“ die Natur in einer Ecke des Klostergartens mit dem kreisförmig wachsenden Fliegenpilz. „Während die Welt dreht“ erzeugt Judith Neunhäuserer (Bruneck-München) Vibrationen aus dem Kreuzgang als Restgeräusche einer Botschaft des Schweigens im Rhythmus des Stundengebets. Wolfgang Nöckler (Ahrntal-Innsbruck) versuchte die Ex-plantation eines Implantates. Vier Grabungseinheiten legen Wortgebilde aus dem Ahrntaler Dialekt, und daher aus der archaischen Sprachlandschaft, des „Töldra“, frei. Leander Schönweger (Meran-Brüssel) ist der einzige Künstler mit elterlichen Wurzeln im Vinschgau. Seine Käfige – schon die Benennung bedingt die Sichtweise – sind Implantate im Kreuzgang und Klosterhof und eine permanente Herausforderung an unsere Wahrnehmung. In Alexander Wierers (Brixen-Sarns bei Brixen) Kreuz-Kompilation sahen die Kuratoren sowohl das Achsenkreuz römischer Siedlungsgründer, als auch die kreuzförmige Anordnung mit einem Kommunikationssystem für WLAN-Verbindung. 

In Gedenken und in Dankbarkeit

Die Ausstellungseröffnung auf dem Dorfplatz von Karthaus war geprägt vom Gedenken an den Lawinentod von Monika Gamper und Michael Grüner, Säulen und Förderer des Kulturvereins. Georg Kaser, der Gletscherforscher und Freund Michael Grüners, sprach vom „Verlust unseres Energiezentrums Monika und Michael“. Benjamin Santer, Vorsitzender des Kulturvereins, hieß Landesrat Philipp Achammer, Bürgermeister Karl Josef Rainer, Kulturreferentin Sonja Santer, Künstler, Kuratoren und Interessierte zur 33. Ausstellung willkommen und dankte Sponsoren und Förderern mit der Kulturabteilung des Landes Südtirol, der Gemeinde Schnals, der Investitionsbank Trentino-Südtirol, der Raiffeisenkasse Untervinschgau, der Raiffeisenkassen des Vinschgaus, der Stiftung Südtiroler Sparkasse, dem Tourismusverein Schnals und der Versicherung ITAS. Er erwähnte den Beitrag der Vorstandsmitglieder im Kulturverein, namentlich von Georg Kaser und Daniela Brugger. Er dankte der Fagottistin Elisa Horrer aus Schlanders für die musikalische Umrahmung, für den Parkdienst der Freiwilligen Feuerwehr Karthaus und für das Entgegenkommen den Anrainern, die die Ausstellung erst ermöglichten. Ein großer Dank gelte den Gastgebern mit Stefania und Paul Grüner von der Goldenen Rose und Familie Valentina und Erwin Grüner vom Restaurant Grüner. 

Die Kartause ist einzigartig

Der Präsident des Südtiroler Künstlerbundes, Alexander Zöggeler, nannte die erfolgreiche Kooperation zwischen dem Künstlerbund mit Geschäftsführerin Lisa Trockner, mit Kathrin Klotz und Kathrin Torggler und dem Kulturverein Schnals eine „freundschaftliche Zusammenarbeit“, die Monika und Michael Grüner eingeleitet hätten. Landesrat Philipp Achammer zählte den besonderen Ort Karthaus mit seiner Sommerausstellung und seiner „gewachsenen, einzigartigen Stille zu etwas vom Schönsten“. Niemand könne sich der Trauer um Monika und Michael entziehen, aber die Kunst wirke auf uns ein und es läge an uns, inwieweit wir eine Reaktion zulassen. Achammer zitierte einen Kurator, der die Kunst einen schönen Gedanken genannt hätte. Die Ausstellung „Implantat“ ist bis Sonntag, 22. August ganztägig zugänglich.

Günther Schöpf
Günther Schöpf
Vinschger Sonderausgabe

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