Drei Vinschger, die Spuren hinterlassen haben: Walter Rizzi, Robert Scherer (+) und Karl Perfler (v.l.)
Auf verlorenem Posten: Robert Scherers Darstellung „Johann Nepomuk“ an der Fassade des ehemaligen Hotels „Adler“ in Morter

Ein Tal trauert um Robert Scherer

Publiziert in 2 / 2026 - Erschienen am 27. Januar 2026

Kortsch/Latsch - Du kennst Robert Scherer? Ja, ich hab‘ mehrmals über seine Ausstellungen berichtet wie andere Redakteure des der Vinschger auch. Er ist gestern, 11. Jänner im 97. Lebensjahr gestorben. Schreibst du einen Nachruf? Ich versuch’s. Sicher, ich bin bei Ausstellungen gewesen, hab über ihn gelesen, hab viele seiner Werke betrachtet. Bin manchmal ratlos vor ihnen gestanden. Ich bin ihm begegnet und war froh über seine ruhige Art. Das gemütliche Lächeln des international bekannten Künstlers ermutigte, auch weniger intelligente Fragen zu stellen. Und ich war stolz, als er mir in Karthaus am 18. Juli 1998 eine nette Widmung in seinen Katalog zum 70. schrieb. Nachdem ich mich den Kopf überfüllt mit Titeln und Texten zu keinem Zugang entschließen konnte und recht hilflos vor meinem Rechner gesessen bin, fiel mir Hw. Johann Lanbacher, Pfarrer von Latsch, ein. Der wollte wissen, was mit „dem Scherer“ in Morter passieren wird. Welcher Scherer? Ja, der an der Nordfassade des ehemaligen Hotels „zum Adler“. Was für eine Figur! Peinlich war das. Ich kannte nur Scherers Glasfenster in der Latscher Nikolauskirche als Geschenk des Latscher Ehrenbürgers Manfred Fuchs und seiner Frau Christa an die Gemeinde Latsch. Schon stand ich vor dem verlassenen Hotel in Morter und staunte. Ungefähr 5 m in der Höhe, 3 m in der Breite und 10 m über dem Straßen-Niveau hatte Robert Scherer einen „Johann Nepomuk“ dargestellt. Ich kenne keine andere Scherer-Darstellung des böhmischen Brückenheiligen. Wichtig für die Einschätzung des großen Künstlers Robert Scherer halte ich das Interview von Katharina Hohenstein (Mals) „Langer Atem, farbige Seele“ in der Vinschger vom 24. September 2008 und den Bericht von Oskar Telfser (Kastelbell) „Robert Scherer - ein Künstler von europäischem Format“, erschienen in derselben Bezirkszeitung am 8. Oktober 2008.  Robert Scherers wichtigste Achse in den Vinschgau war wohl die nach Latsch zum Unternehmer Walter Rizzi, in dessen Büro-Haus „Spazio Rizzi“ Scherer mehrmals ausgestellt hatte. Scherers Spuren reichen bis Eyrs und verdichten sich in seinem Geburtsdorf Kortsch. Dort könnten die Glasgemälde aus dem Jahre 1979 im westseitigen Zubau der Pfarrkirche St. Johann der Täufer vielleicht das älteste, öffentliche Werk Scherers im Vinschgau sein (?).

Günther Schöpf
Günther Schöpf

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