Zum ersten Mal in Karthaus: Ein Silvester für die Seele
Karthaus - „Ein Silvester für die Seele“ nannten Kulturverein und Tourismusgenossenschaft Schnals den Jahreswechsel von 2025 auf 2026. Das Ausklingen des alten und den Auftakt zum neuen Jahr begeht man „mit Musik, Worten und Gedanken für alle, die den letzten Abend des Jahres in Ruhe, Tiefe und Einkehr begehen möchten“, schreiben die Ausrichter. Kulturverein Obmann Dietmar Rainer wählte dazu einen besonderen Ort im Klosterdorf Karthaus, er verlegte die Feier in die „Gesindekirche“. Der Begriff geht auf die Kartäuser, auf die „schweigsamen“ Mönche, zurück. Für sie war die Außenwelt, die arbeitende Bevölkerung „das Gesinde“. Welche Art von Seelsorger sich um das geistige Wohl des Gesindes gekümmert haben, wäre noch zu erforschen. Zu Silvester 2025 war die Kirche bis auf den letzten Stehplatz gut besetzt. Man war gespannt auf die angekündigte literarisch-musikalische Aufbereitung zum Jahreswechsel. Das Zusammenspiel von Fagott der jungen Musikerin Sophia Sagmeister aus Glurns mit Rainer Dietmar an der Reinisch-Pirchner Orgel wirkte einerseits beruhigend, andrerseits als Kontrast zu den Zitaten aus Dichtung und Literatur und der „Standpunktrede“ des Meraner Schauspielers Günther Götsch. Er sprach über schwierige Zeiten, in denen zwar Vertrauen schwindet, aber die Würde bewahrt bleibt. Es wurden deutsche Schriftsteller und Dichter zitiert.
So wurde Peter Rosegger zitiert: „Ein bisschen mehr Frieden und weniger Streit...“ Joachim Ringelnatz ließ Götsch fragen: „Was würden Sie tun, wenn Sie das neue Jahr regieren könnten?“ Heinrich Heine „wünschte den Dummen ein bisschen Verstand...“ Mit Ludwig Thoma gab er zu bedenken: „Ich lob es nicht, das alte Jahr, so wie es jetzt noch vor uns steht.“ Abschließender Höhepunkt der Silvester-Feier war das Anstimmen des bisher nur mündlich weitergegebenen „Karthauser Neujahrsliedes“. „Wir wünschen euch allen ein glückselig’s neues Jahr“. Dietmar Rainer hatte sich im Tal umgehört, hat Zeitzeugen gefunden, sich das Lied vorsingen lassen und den Text vertont.