„Angemessene Behandlungen von Adipositas“
Anlässlich des Welt-Adipositas-Tages am 4. März hat der Südtiroler Sanitätsbetrieb die Tagung „Adipositas ohne Vorurteile: zuhören, verstehen, behandeln“ veranstaltet.
- Das Programm der Veranstaltung, die im Foyer der Neuen Klinik des Krankenhauses Bozen stattfand und für die Bevölkerung zugänglich war, konzentrierte sich auf den Abbau von Stigmatisierung in all ihren Formen: von gesellschaftlichen Vorurteilen über jene der Patientinnen und Patienten sowie des Gesundheitspersonals bis hin zur Skepsis gegenüber diätetischen, chirurgischen und medikamentösen Therapien. Der zentrale Grundgedanke lautet: Adipositas ist eine Krankheit und muss daher mit einem multidisziplinären Ansatz behandelt werden. Besonders wenn man bedenkt, dass Adipositas und Übergewicht in den kommenden zehn Jahren weltweit etwa 4 Milliarden Menschen betreffen könnten. Schon heute sind 3 Milliarden Menschen betroffen, darunter 400 Millionen Kinder im schulpflichtigen Alter. Zu den Ursachen dieser besorgniserregenden Entwicklung zählen Armut, ungleicher Zugang zu Bildung und Gesundheitsversorgung, Stigmatisierung, eine begrenzte Verfügbarkeit gesunder Lebensmittel sowie ein soziales Umfeld, das einen gesunden Lebensstil nicht unterstützt*. Laut dem Überwachungssystem PASSI des Istituto Superiore di Sanità galten in Südtirol im Zweijahreszeitraum 2023–24 29,7 % der 18‑ bis 69‑Jährigen als übergewichtig (staatsweiter Durchschnitt 32,6 %) und 7,4 % als adipös (10,4 %). Zudem erhielten 29,5 % der in Südtirol Befragten vom Arzt den Rat, ihr Gewicht zu reduzieren. An der Tagung nahm auch der Landesrat für Gesundheitsvorsorge und Gesundheit, Dr. Hubert Messner, teil.
„Übergewicht ist ein ernstes Gesundheitsthema, das wir besonders bei Kindern aufmerksam begleiten müssen. Auch wenn Südtirol im gesamtstaatlichen Vergleich gut dasteht, bleibt Prävention eine zentrale Aufgabe. Übergewicht im Kindesalter erhöht das Risiko für spätere Erkrankungen und betrifft damit die gesamte Gesellschaft. Deshalb setzen wir auf gesunde Ernährung, regelmäßige Bewegung und gezielte Aufklärung – ohne Stigmatisierung.“ „Dieser Tag hat nicht nur symbolischen Charakter, sondern soll eine wichtige Gelegenheit zum Dialog bieten“, fügt Dr.in Monika Elisabeth Zäbisch, Ärztliche Direktorin des Krankenhauses Bozen, hinzu. „Adipositas ist eine Krankheit und keine Frage der Ästhetik oder mangelnder Disziplin. Betroffene Personen müssen unterstützt werden, denn neben dem erhöhten Risiko für chronische Erkrankungen wie Diabetes, sind auch Lebensqualität und Lebenserwartung beeinträchtigt. Aus diesem Grund haben wir ein integriertes Netzwerk geschaffen, in dem der Dienst für Diätetik und klinische Ernährung, die Sportmedizin und der Psychologische Dienst zusammenarbeiten. Dies geschieht auch im Hinblick auf die Prävention sowie zur Förderung von Ernährungsbildung, Bewegung und nicht zuletzt des psychischen Wohlbefindens.“ „Mit dem sogenannten Pella-Gesetz hat Italien im Oktober 2025 als erstes Land weltweit Adipositas offiziell als chronische, fortschreitende und rezidivierende Krankheit anerkannt“, erklärt Dr. Michael Kob, geschäftsführender Primar des Dienstes für Diätetik und klinische Ernährung am Krankenhaus Bozen und einer der Organisatoren der Tagung. „Dies ist ein historischer Schritt, der auch auf gesetzlicher Ebene bestätigt, was die Wissenschaft seit Jahren betont: Adipositas erfordert strukturierte Behandlungswege, kontinuierliche Betreuung und eine enge Vernetzung der verschiedenen Dienste. Genau in diese Richtung geht unser Engagement vor Ort: die Stärkung des Netzwerks zwischen Krankenhaus, Fachdiensten, Allgemeinmedizin, Gesundheitsfachkräften und Verbänden. Der Welt-Adipositas-Tag bietet zudem die Gelegenheit, diese Zusammenarbeit konkret zu zeigen und zu bekräftigen, dass nur durch eine wirklich multidisziplinäre und koordinierte Betreuung wirksame, angemessene und zugängliche Behandlungen gewährleistet werden können.“ Ähnlich äußert sich Dr.in Laura Valzolgher, Ärztin des Dienstes für Diätetik und klinische Ernährung am Krankenhaus Bozen, die die Tagung gemeinsam mit Dr. Kob organisiert hat: „Adipositas ist weder eine Entscheidung noch eine Schuldfrage. Es handelt sich um eine komplexe chronische Erkrankung, die eine angemessene Behandlung erfordert. Der Welt-Adipositas-Tag wurde ins Leben gerufen, um einen Paradigmenwechsel einzuleiten: weg von der Schuldzuweisung hin zu einer multidisziplinären Betreuung. Nur ein gemeinsames Engagement ermöglicht Menschen mit dieser Krankheit den Zugang zu Behandlung und ein Leben in Würde.“ Die Veranstaltung, bei der auch sieben Infostände vertreten waren, wurde in Zusammenarbeit mit SIO Triveneto, dem regionalen Verband der Italienischen Adipositas-Gesellschaft, mit der Italienischen Gesellschaft für Adipositas- und Stoffwechselchirurgie (SICOB), der Ärzte- und Zahnärztekammer Bozen, der Fachstelle Essstörungen Infes (Forum Prävention), demUISP Territoriales Komitee Bozen und Città Azzurra organisiert. Das vollständige Programm der Vorträge sowie die Liste der Referentinnen und Referenten finden Sie im Anhang.
Videos
Aufnahme Pressekonferenz: https://we.tl/t-S2j57Tdebz
Dr. Hubert Messner: https://we.tl/t-eIvdZCuvKx
Dr. Michael Kob: https://we.tl/t-ZVAVSkabPs
*Quelle: www.worldobesityday.org
Presse-Informationen:
Abteilung Kommunikation, Südtiroler Sanitätsbetrieb, Tel. 366 6982268
Sabes/RL/IG