Erste zweisprachige Zeitschrift Südtirols vor dem Aus
Die Redaktion der Zeitschrift skolast Freie Zeitschrift der Südtiroler Studierenden tritt aus Protest geschlossen zurück.
- Mit sofortiger Wirkung tritt das derzeitige Redaktionsteam der Studierenden-Zeitschrift “skolast” geschlossen zurück. Aus Respekt gegenüber den uns vorhergegangenen Redaktionen, fühlen wir uns dazu verpflichtet, diesen Schritt auch der Öffentlichkeit mitzuteilen. Nach 70 Jahren erlischt die junge kritische Stimme – ein Fundament des freien zweisprachigen Journalismus in Südtirol. Grund für diesen Entscheid ist geringe Wertschätzung und mangelnder Respekt des Gesamtvorstandes der Südtiroler HochschülerInnenschaft gegenüber den ehrenamtlichen Mitgliedern der Redaktion.
In den letzten Jahren ist es still um die Zeitschrift geworden, jedoch hat sich im vergangenen Jahr eine neunköpfige Redaktion zusammengefunden, die am Wiederaufbau des skolast gearbeitet hat. Nach 70 Jahren journalistischer Arbeit endet die Tätigkeit dieser traditionsreichen Zeitschrift nun allerdings. Grund dafür sieht die Redaktion in den stetigen Zerwürfnissen mit der Vorsitzenden sowie Teilen des Vorstands der Studierendenvertretung sh.asus. Angesichts fehlender Unterstützung und unrealistischer Forderungen des Vorstands, ist es für die Redaktion nicht mehr möglich, ihre Arbeit fortzusetzen.
Seit 1956 erscheint der skolast: zeitweise unter anderem Namen, manchmal mehrjährig, dann wieder als Jahresschwerpunktheft, selten schlug er milde Töne an, meist kritisch gegenüber der Südtiroler Gesellschaft, der Politik und nicht zuletzt gegenüber dem eigenen Verein sowie sich selbst. In diesen 70 Jahren hat die Zeitschrift eine Vielzahl der bedeutendsten Stimmen Südtirols hervorgebracht, darunter Toni Ebner, Renate Mumelter, Hans Karl Peterlini, Rut Bernardi, Günther Pallaver, Riccardo dello Sbarba, Waltraud Plagg, Gianni Bodini, Margareth Stocker, Lidia Menapace, Astrid Kofler, Sabine Gruber und Claus Gatterer, um nur einige zu nennen.
Die Vorsitzende und Teile des Vorstands verkennen diese historische Bedeutung des skolast. Wir lassen uns nicht erpressen und sind nicht bereit, die journalistische Qualität der Zeitschrift für die Interessen der Vorsitzenden und des Vorstands zu opfern. Das Jubiläum des skolast soll kein Wiederaufleben alter Lorbeeren sein oder gar ein Publicity-Stunt, sondern sich dem Ursprungsgedanken der Zeitschrift verschreiben: kritischer, aktueller Journalismus von Studierenden für Studierende. Wir haben uns den Rücktritt nicht leicht gemacht und möchten ihn als Weckruf verstehen.
Auch wenn die ehrenamtliche Tätigkeit der Redaktion im skolast endet, machen wir weiter. Wir fühlen uns dem kritischen, freien Geist des skolast und unserer Vorgänger:innen verpflichtet und wollen, dass dieser Gedanke nicht abreißt. Auch wenn die Institution endet, endet der Ursprungsgedanke nicht. In diesem Sinne verweisen wir auf unser neues Projekt: tunnel.bz
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