Expertenforum Berglandwirtschaft 2019: traditionelle Getreidearten, autochthones Saatgut und Grünlandversicherung im Fokus

Am 15. März fand an der Fachschule für Land- und Hauswirtschaft Salern das traditionelle Expertenforum Berglandwirtschaft 2019 statt. Die Fachtagung wird zusammen von der Fachschule Salern, dem Beratungsring Berglandwirtschaft BRING und dem Versuchszentrum Laimburg organisiert und bringt jedes Jahr Experten aus Forschung, Ausbildung, Beratung und weitere Akteure der Agrarpraxis zusammen.

- Ernte, Vermehrung und Einsatz autochthonen Saatguts von Wildpflanzen, die Versicherung von Wiesen und Weiden und die Wiederbelebung sowie Aufwertung des Anbaus von Südtiroler Getreidearten. Diese Themen standen auf dem Programm des diesjährigen Expertenforums Berglandwirtschaft, das am 15. März in der Fachschule Salern stattfand.
Das Forum wird jedes Jahr von Versuchszentrum Laimburg, Fachschule Salern und Beratungsring Berglandwirtschaft BRING organisiert um einen Austausch zwischen Forschung und Praxis zu ermöglichen. Auch dieses Jahr nahmen erneut zahlreiche Wissenschaftler, Agronomen, Berater, Fachlehrer, Angestellte der öffentlichen Verwaltung und Landwirte an der Veranstaltung teil. „Das Expertenforum Berglandwirtschaft ist für alle beteiligten Akteure ein wichtiger Moment im Jahr, um sich über neue Themen und wissenschaftliche Erkenntnissen auf dem Gebiet der Berglandwirtschaft auszutauschen“, betonte Giovanni Peratoner, Leiter des Fachbereichs Berglandwirtschaft am Versuchszentrum Laimburg, bei der Begrüßung.

Schutz und Förderung der Biodiversität im Grünland
Neben dem Schutz der Habitate, die reich an biologischer Vielfalt sind, ist es auch wichtig, diese in die Kulturlandschaft zu reintegrieren und sie wiederherzustellen, wenn Erosion und infrastrukturelle Eingriffe sie beschädigen. Zu diesem Zweck ist es notwendig, Samen oder autochthone Pflanzen einzusetzen, um die lokale genetische Integrität zu gewährleisten und Pflanzengesellschaften von hohem ökologischen Wert in neue Gebiete einzuführen. „Eine Methode, um die Biodiversität der Wiesen zu verbessern ist autochthone Wildarten in allen außerlandwirtschaftlichen Grünflächen einzusäen, z. B. in Vegetationsstreifen am Straßenrand, Verkehrsinseln, auf aufgegebenen Industrieflächen und in Parks“, erklärte Bernhard Krautzer, Leiter der Abteilung Vegetationsmanagement im Alpenraum der Höheren Bundeslehr- und Forschungsanstalt (HBLFA) Raumberg-Gumpenstein. Die für derartige Projekte notwendigen Samen von Wildpflanzen können händisch oder auch mechanisch mittels verschiedener Methoden gesammelt und von Spenderflächen auf die zu renaturierenden Flächen versetzt werden. Alternativ können Samen der verschiedenen Arten auch einzeln vermehrt und in Saatgutmischungen verwendet werden.
Mit dem Vortrag von Bernhard Krautzer wollte das Expertenforum Berglandwirtschaft zahlreichen Interessensbekundungen vonseiten verschiedener lokaler Akteure der Landwirtschaft und Umwelt begegnen und ihnen eine Informationsgrundlage zum Thema Verwendung autochthonen Saatguts im Grünland bieten.

Re-Cereal: Wiederbelebung und Aufwertung traditioneller Getreidearten
Anlässlich des Expertenforums Berglandwirtschaft präsentierte die Arbeitsgruppe Acker- und Kräuteranbau des Versuchszentrums Laimburg unter der Leitung von Manuel Pramsohler vorläufige Ergebnisse des Projekts Re-Cereal. Re-Cereal ist ein grenzüberschreitendes Projekt, das vom europäischen Fonds für regionale Entwicklung und Interreg V-A Italien–Österreich 2014–2020 finanziert und vom Südtiroler Unternehmen Dr. Schär in Zusammenarbeit mit dem Versuchszentrum Laimburg und den Universitäten Udine und Innsbruck sowie den Unternehmen Kärntner Saatbau und Dr. Schär Austria durchgeführt wird. Durch den Zusammenschluss von Projektpartnern aus verschiedenen Sparten wie der Genetik, Chemie, Agronomie und den Lebensmittelwissenschaften entstehen neue Synergien. Ziel des Projekts ist es den Anbau traditioneller Getreidearten im gesamten Alpenraum wiederzubeleben und dadurch auch lokalen Wirtschaftskreisläufen neue Impulse zu geben.
Mit dem Ziel Qualität und Ertrag der Getreideart Hirse sowie des Pseudogetreides Buchweizen – die allesamt kein Gluten enthalten – zu verbessern, wurden im Projekt Projekt Re-Cereal verschiedene Versuchsfelder im Programmgebiet Friaul-Julisch Venetien, Südtirol und in Kärnten eingerichtet. In Südtirol haben die Experten des Versuchszentrums Laimburg zweijährige Studien auf den Versuchsfeldern in Dietenheim bei Bruneck durchgeführt und agronomische Eigenschaften, phänologische Parameter und qualitätsbeschreibende Merkmale von Buchweizen und Rispenhirse untersucht.

Einflüsse des Klimawandels auf den Anbau von Buchweizen
Buchweizen scheint eine für Berggebiete besonders gut geeignete Getreidekultur zu sein, da die Entwicklung der Pflanze mehr vom meteorologischen Verlauf als von Bodenbedingungen abhängt. Tatsächlich können Temperaturen über 30 °C und Trockenheit ihre Entwicklung negativ beeinflussen. Die von der Arbeitsgruppe Acker- und Kräuteranbau des Versuchszentrums Laimburg im Projekt Re-Cereal erhobenen Daten weisen große Unterschiede bezüglich der verschiedenen agronomischen Parameter auf, insbesondere was die Entwicklungsdauer, die Korngröße und den Ertrag anbelangt. „Im Allgemeinen zeigen unsere Untersuchungen, dass man schnellwachsende Sorten verwenden sollte, da langsam abreifende Sorten einem höheren Risiko unterliegen von Pilzen befallen zu werden“, erklärte Projektmitarbeiter Maximilian Morlacchi.

Rispenhirse: eine traditionelle Getreidesorte mit großem Potenzial
Der Anbau der Rispenhirse ist in Südtirol noch recht unbekannt, in Deutschland, Österreich und in der Schweiz hingegen weiterverbreitet. Rispenhirse ist im Anbau sehr genügsam und die geernteten Körner haben einen hohen ernährungsphysiologischen Wert. Daher werden sie auf dem Markt auch entsprechend nachgefragt. Im Rahmen des Projektes Re-Cereal hat die Arbeitsgruppe Acker- und Kräuteranbau des Versuchszentrums Laimburg die Anbaueignung verschiedener Rispenhirsesorten in Südtirol untersucht. Die Sortenprüfung mit Rispenhirse in Dietenheim zeigte, dass der Anbau dieser Getreideart in Südtirol grundsätzlich möglich ist, und dass die Erträge im Vergleich zu Versuchen in Kärnten und Friaul-Julisch Venetien in Südtirol recht hoch lagen. „Aufgrund unserer Ergebnisse können wir die Sorten Quartettund Kornberger Rispenhirsefür einen Anbau in Südtirol empfehlen, da beide schnell abreifen und konstant hohe Erträge erzielen“, berichtete Manuel Pramsohler, der am Versuchszentrum Laimburg die Arbeitsgruppe Acker- und Kräuteranbau leitet. „Aufgrund ihrer interessanten Eigenschaften hat die Rispenhirse das Potenzial sich zu einer weiteren Nische im regionalen Getreideanbau zu entwickeln.“

Die neue Grünlandpolice
Manfred Pechlaner, Direktor des Südtiroler Hagelschutz-Konsortiums, stellte die neue Versicherungspolice gegen Trockenheit von Wiesen vor, die in Zusammenarbeit mit dem Versuchszentrum Laimburg, der Fondazione Edmund Mach (TN), Eurac Research, der Südtiroler Landesverwaltung und dem Trentiner Schutzkonsortium entwickelt wurde. „Die Schadenserhebung dieser Police basiert auf Indizes, welche aufgrund des Niederschlagsausfalls und der Temperaturspitzen in einer betreffenden klimatischen Zone den quantitativen Ausfall an Grünfutter einschätzt“, erklärte Pechlaner. Aktuell bündeln Eurac Research und Versuchszentrum Laimburg ihre Kompetenzen auf den Gebieten der satellitengestützten Fernerkundung und Grünlandwirtschaft, um ein neues System zur Schadenserhebung für Versicherungen zu entwickeln, das auf Fernerkundung beruht.

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