Kleine Kinder, große Unterschiede Warum Chancengerechtigkeit lange vor Kindergarten und Schule beginnt
Nicht jedes Kind startet mit den gleichen Chancen ins Leben. Einkommen, Herkunft, soziale Kontakte und familiäre Lebensbedingungen beeinflussen schon früh, welche Möglichkeiten sich einem Kind eröffnen. Wer Chancengerechtigkeit will, muss deshalb früh ansetzen. Welche Rolle Eltern-Kind-Zentren dabei spielen und wie sie noch mehr Familien erreichen können, stand im Mittelpunkt der diesjährigen Herbsttagung des Elki-Netzwerks in Bozen.
- Rund 40 Mitarbeitende und Verantwortliche aus den Südtiroler Eltern-Kind-Zentren beschäftigten sich, aufbauend auf den Impulsen der Armutstagung zur Bildungsgerechtigkeit, mit der Frage, wie Elkis zu gerechteren Startbedingungen beitragen können.
Denn Bildung beginnt nicht erst in Kindergarten oder Schule, sondern vom ersten Lebenstag an. Schon in den ersten Lebensjahren werden entscheidende Grundlagen für die weitere Entwicklung gelegt. Genau hier setzen Elkis an: Kinder finden Raum zum Spielen, Entdecken und Lernen, Eltern können Kontakte knüpfen, Erfahrungen austauschen und Unterstützung finden. Was im Elki ganz selbstverständlich passiert, gemeinsam spielen, miteinander reden, Kontakte knüpfen, hat eine Bedeutung weit über den einzelnen Besuch hinaus. Hier werden Kinder früh gefördert, Eltern gestärkt und Gemeinschaft gelebt. Wo Menschen unterschiedlicher Herkunft und Lebenssituationen einander begegnen, wächst auch der gesellschaftliche Zusammenhalt.
Offen für alle – aber auch für alle erreichbar?
Doch offen für alle heißt nicht automatisch, dass auch alle kommen können. Fehlendes Geld, ungünstige Öffnungszeiten, weite Wege oder sprachliche Unsicherheiten können Familien davon abhalten, Angebote zu nutzen. Auch Einsamkeit, Überforderung, persönliche Sorgen oder die Angst, nicht dazuzugehören, können Hürden sein. Die Elkis wollen solche Hindernisse besser erkennen und Schritt für Schritt abbauen. Besonders im Blick haben sie dabei Familien, die bisher wenig Zugang zu Begegnung, Unterstützung und Bildungsangeboten finden. Denn gerade sie sollen nicht außen vor bleiben.
Dabei spielen Vertrauen und persönliche Beziehungen eine wichtige Rolle. Wer sich willkommen und verstanden fühlt, spricht auch leichter über Sorgen und Schwierigkeiten. Elkis können hier Brücken bauen: Sie haben ein offenes Ohr, erkennen Unterstützungsbedarf und erleichtern durch die Zusammenarbeit mit den Frühen Hilfen, Elternberatungsstellen und anderen Fachdiensten den Zugang zu weiterführender Unterstützung. So kann aus einer ersten Begegnung im Elki ein wichtiger Schritt zu mehr Unterstützung und Teilhabe werden.
„Die Chancen eines Kindes dürfen nicht davon abhängen, woher es kommt, wie viel Geld seine Eltern haben oder wie gut seine Familie vernetzt ist“, betont Sandra Moszner, Präsidentin des Elki-Netzwerks. „Wer früh fördert, investiert nicht nur in einzelne Kinder, sondern in die Zukunft unserer Gesellschaft. Was wir in den ersten Lebensjahren versäumen, lässt sich später oft nur mühsam und teuer ausgleichen. Elkis können hier viel bewegen, gerade weil sie Familien früh und unkompliziert erreichen, Vertrauen schaffen und Unterstützung zugänglich machen. Damit das gelingt, brauchen sie gute Vernetzung, ausreichend Ressourcen und eine Haltung, die Familien in ihren Stärken sieht. Auch die öffentliche Hand ist gefordert, diese Arbeit entsprechend zu unterstützen. Denn Chancengerechtigkeit gibt es nicht zum Nulltarif!“
Chancengerechtigkeit beginnt mit den ersten Lebensjahren. Ob daraus echte Chancen werden, ist eine Aufgabe für uns alle.
Die jährliche Herbsttagung wird durch die Förderung der Familienagentur und die Unterstützung des Raiffeisenverbandes ermöglicht.
Netzwerk der Eltern-Kind-Zentren Südtirols VFG