Windmühlen

Publiziert in 18 / 2026 - Erschienen am 6. Oktober 2026

Zwei Briefe und zig Anrufe: Weil das alles nichts brachte, nahm er eines Tages Hut und Rucksack, stieg in den Bus und fuhr in die Stadt. Zur SIP in Bozen, die ihm trotz aller Abmeldungsversuche noch immer Telefonrechnungen schickte. Umsonst war die Fahrt nicht, denn es gelang ihm, einen Beamten bei „der Krawatte zu packen“, ihm in die Augen zu schauen und klarzumachen, was er will. Seit dieser „Begegnung“ blieben die Rechnungen aus. Dieser Vorfall liegt schon Jahrzehnte zurück. Die SIP gibt es seit 1994 nicht mehr. Führt man sich aber bestimmte Zustände der heutigen Zeit vor Augen, war der SIP-Vorfall von damals noch relativ harmlos. Es kostete zwar Zeit, Geduld und Nerven, aber am Ende kam man doch zum Ziel. Weil man jemanden finden und mit ihm sprechen konnte. Heute steht man nicht selten vor Mauern, die kaum überwindbar sind. Es sind virtuelle Barrieren, gegen die kein Hammer hilft. Immer häufiger stößt man auf automatische Stimmen, die einem nahe legen, es doch online zu versuchen, weil momentan alle besetzt sind. Manchen mag damit zwar geholfen sein, allen aber nicht, vor allem nicht älteren Menschen. Im Gegensatz zu den Windmühlen, gegen die Don Quijote kämpfte, sind so manche moderne „Windmühlen“ alles eher als eingebildet. Sie sind real, oft rundum passwortgepanzert und fast so unzugäglich wie Kafkas „Schloss“.

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Josef Laner
Josef Laner

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