Mehr als nur ein Social Media Verbot!

Das Forum begrüßt die Debatte um ein gesünderes Internet 

-  Eine Stellungnahme des Forums Prävention 

Die aktuelle EU-Debatte über ein Mindestalter von 13 Jahren für den Zugang zu sozialen Medien wird als absolut notwendig erachtet. Eine von der EU-Kommission eingesetzte Expertengruppe schlägt in diesem Zusammenhang eine weitreichende Regulierung vor, die weit über reine Social-Media-Plattformen hinausgeht: Empfohlen werden flächendeckende Alterskontrollen im Netz, was auch Videospiele, App-Marktplätze und sogenannte KI-Begleiter (AI Companions, also chatbasierte „KI-Freunde“) einschließt. Im Grunde liegt damit ein Konzept für ein altersmäßig „abgestuftes Internet“ vor, über dessen gesetzliche Umsetzung die EU-Kommission berät. 

Da Kinder, Jugendliche und auch Erwachsene in all diesen digitalen Räumen täglich manipulativen Sucht-Designs, Hetze, Desinformation und verängstigenden Inhalten ausgesetzt sind, begrüßt das Forum Prävention diese grundlegende Diskussion, äußert jedoch auch deutliche Bedenken hinsichtlich der konkreten Vorschläge der Expertengruppe: 

Warum das Forum Prävention eine Regulierung begrüßt 

  • Klares Signal und Orientierung für Familien: Auch wenn technische Kontrollen schwer umsetzbar sind, setzt ein gesetzliches Mindestalter ein deutliches Zeichen. Es sensibilisiert Familien dafür, dass das Internet kein harmloser, unregulierter Spielplatz ist. 
  • Schutz vor Suchtmechanismen: Minderjährige müssen vor Mechanismen geschützt werden, die gezielt psychische Abhängigkeiten erzeugen. 
  • Staffelung nach Entwicklungsphasen: Ähnlich wie im eigenen Positionspapier wird ein nach alter gestaffelter Medienzugang befürwortet. Besonders in den ersten Lebensjahren ist die bildschirmfreie Entwicklung besonders wichtig. 
  • Einbeziehung neuer Technologien: Dass der Vorschalg moderne Entwicklungen wie KI-Freunde und Online-Spiele direkt mitdenkt, wird als ein wichtiger und zeitgemäßer Schritt bewertet. 

Warum erhebliche Bedenken geäußert werden 

  • Sperrung bedeutsamer Räume: Es besteht die Gefahr, dass auch kinder- und jugendrelevante Kulturplattformen, Nachrichtenseiten oder digitale Aufklärungsangebote (z. B. zu Sexualität, mentaler Gesundheit oder Gesellschaftskritik) blockiert werden. 
  • Gefahr von politischem Missbrauch: Wer bestimmt am Ende, welche Inhalte junge Menschen sehen dürfen? Wenn demokratiefeindliche Regierungen an die Macht kommen, könnten allumfassende Kontroll- und Filtersysteme leicht zur politischen Zensur missbraucht werden. 
  • Datenschutz und Privatsphäre: Um ein altersgestuftes Internet zuverlässig zu erzwingen, sind Altersprüfungen nötig. Das Scannen von Ausweisen oder biometrische Gesichtserkennungen gefährden die Anonymität und die Privatsphäre von Minderjährigen im Netz massiv. 
  • Flucht auf unregulierte Plattformen: Strikte Sperren im regulären Netz könnten Jugendliche auf unkontrollierbare Plattformen abdrängen, die völlig außerhalb des Radars von Eltern, Medien sowie Kinder- und Datenschützerinnen liegen. 

Das Fazit des Forums Prävention 
Altersbegrenzungen bieten eine wertvolle Orientierung und stoßen eine überfällige Debatte an. Gleichzeitig ist das Thema auch viel komplexer als einfache Verbote. Den Zugang zu Webplattformen zu beschränken, bedeutet zwar Schutz für Kinder und Jugendliche, birgt aber auch technische Hürden sowie Bedenken hinsichtlich der Teilhabe, des Informationszugangs und des Datenschutzes. 

Der weitaus bessere und nachhaltigere Weg besteht darin, die Plattformen, KI-Anwendungen und Videospiele gesetzlich zu zwingen, manipulative Sucht-Designs abzuschalten, und sie für die Verbreitung von Hetze, Gewalt und manipulativen Inhalten haftbar zu machen. Die Beweislastumkehr ist hierbei ein guter Weg: Die Anbieter sollen künftig aktiv beweisen müssen, dass ihre Dienste sicher sind und den gesetzlichen Vorgaben für den Kinder- und Jugendschutz entsprechen. 

Darüber hinaus darf der Blick nicht nur auf das Digitale verengt werden. Es braucht eine umfassende gesellschaftliche Investition: 

  • Medienkompetenz stärken: Es muss konsequent in Präventionsprogramme für jung und alt investiert werden (wie z. B. den „Smartphone-Führerschein“), um alle Bevölkerungsgruppen für eine digitale Welt fit und widerstandsfähig zu machen. 
  • Offline-Angebote in Städten und Gemeinden ausbauen: Um einen gesunden Gegenpol zu schaffen, muss in attraktive, altersgerechte analoge Freizeitgestaltung, Sport, Kultur und Partizipation investiert werden. Ein Praxisbeispiel für gelungene Teilhabe und Aktivierung im analogen Raum stellt hierbei das „Turbo“-Gemeindeprojekt der Fachstelle Jugend im Forum Prävention dar. 

Weiterführende Informationen finden Sie auf unserer Webseite: https://www.forum-p.it/de/fachstellen/digitale-lebenswelten-1515.html?&type=3#typs 

  • Positionspapier “Gesundes Aufwachsen in einer digitalisierten Welt) 
  • Flyer: Digitale Medien für Kleinkinder und Kinder 0-3 und 3-6 Jahre) 
  • Smartphone Starter Kit (Elterncheck für das erste Smartphone) 

Forum Prävention 



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