Vergilbungskrankheiten der Rebe: Rasche Rodung symptomatischer Rebstöcke erforderlich, um die Ausbreitung einzudämmen
Die Monitoringmaßnahmen im Südtiroler Weinbau zeigen eine Zunahme von Vergilbungskrankheiten der Rebe. Diese Krankheiten beeinträchtigen die Vitalität der Rebstöcke, führen zu Stockausfällen und mindern den Ertrag.
-
Die im Weinbau in Forschung, Beratung und Pflanzenschutz tätigen Institutionen setzen ihre bisher intensiven Informations- und Kontrollmaßnahmen weiterhin fort. Entscheidend bleibt aber die aktive Mitwirkung der Weinbäuerinnen und Weinbauern, die durch eine frühzeitige und konsequente Rodung symptomatischer Rebstöcke zur Eindämmung beitragen können.
Die durch Phytoplasmen verursachten Vergilbungskrankheiten der Rebe (Goldgelbe Vergilbung und Schwarzholzkrankheit) breiten sich im Jahr 2026 trotz verpflichtender Präventions- und Bekämpfungsmaßnahmen in den wichtigsten Weinbaugebieten Südtirols weiter aus.
Um die Entwicklung der Krankheit zu verfolgen, wird in diesem Jahr das Monitoring für drei Monate von Mitte Juli bis Mitte Oktober von vier Mitarbeitenden des Versuchszentrums Laimburg in Zusammenarbeit mit dem Südtiroler Beratungsring durchgeführt. Die bisherigen Monitoringdaten zeigen eine kritische Situation. In einigen Weinbergen ist die Anzahl befallener Rebstöcke besonders hoch. Betroffen sind grundsätzlich alle Rebsorten. Bisher wurden 25 verschiedene Sorten auf knapp 300 ha kontrolliert. Dabei wurden im Durchschnitt 20 bis 30 symptomatische Reben je Hektar festgestellt. Obwohl dies mit knapp 0,5 % der Reben je Hektar auf den ersten Blick gering erscheinen mag, ist dieser Wert für eine Krankheit wie die Goldgelbe Vergilbung bedenklich. Ein Großteil der symptomatischen Reben trägt den Krankheitserreger der Goldgelben Vergilbung in sich und stellt somit einen potenziellen Krankheitsherd dar. Vor diesem Hintergrund weisen das Versuchszentrum Laimburg, der Südtiroler Beratungsring für Obst- und Weinbau, der Landespflanzenschutzdienst sowie das Konsortium Südtirol Wein auf die Bedeutung einer kontinuierlichen Überwachung und der frühzeitigen Rodung symptomatischer Rebstöcke hin.
„Vergilbungskrankheiten sind nicht nur eine Herausforderung für einzelne Betriebe, sondern für den gesamten Südtiroler Weinbau. Um unsere Weinberge zu schützen und die hohe Qualität unserer Weine zu sichern, sind gemeinsame Anstrengungen erforderlich: von der wissenschaftlichen Forschung über die Beratung bis hin zu jeder einzelnen Weinbäuerin und jedem einzelnen Weinbauern“, betont der Landesrat für Landwirtschaft Luis Walcher.
„Auch das diesjährige Monitoring der Vergilbungskrankheiten im Weinbau liefert wieder wichtige Informationen zum Auftreten dieser Krankheiten in Südtirol. Das Ziel des Monitorings ist es, Daten zur Ausbreitung zu sammeln und infizierte Rebstöcke mit gelben Bändern zu kennzeichnen, damit diese konsequent und rasch gerodet werden können. Neben dem Monitoring ist es aber notwendig, dass jede Weinbäuerin und jeder Weinbauer die eigenen Weingüter regelmäßig kontrolliert, damit die Anzahl infizierter Reben langfristig gesenkt werden kann“, erklärt Urban Spitaler, Leiter der Arbeitsgruppe Mittelprüfung am Versuchszentrum Laimburg.
Befall früh erkennen, Ausbreitung stoppen
Typische Anzeichen von Vergilbungskrankheiten sind eine Gelbfärbung der Blätter bei Weißweinsorten und eine Rotfärbung bei Rotweinsorten, das typische dreieckige Einrollen der Blätter, eine gehemmte Holzreife sowie vertrocknete oder unreife, säuerliche Trauben. Regelmäßige Kontrollen durch die Weinbäuerinnen und Weinbauern sowie Kontrollen im Rahmen aller Kulturmaßnahmen ab Ende Mai sind unerlässlich, um symptomatische Rebstöcke frühzeitig zu erkennen und unverzüglich samt Wurzelstock zu roden. Die konsequente Entfernung infizierter Rebstöcke ist die wichtigste Maßnahme, um die Ausbreitung dieser Krankheiten einzudämmen. Ergänzend dazu ist die Bekämpfung des Hauptüberträgers, der Amerikanischen Rebzikade (Scaphoideus titanus), verpflichtend. Die Rebzikade verursacht die Krankheit nicht selbst, sondern fungiert als Überträger. Beim Saugen an infizierten Reben nimmt sie die krankheitsverursachenden Phytoplasmen auf und überträgt sie auf gesunde Reben.
Forschung vertieft das Verständnis der Ausbreitungs- und Übertragungswege
Das Versuchszentrum Laimburg arbeitet derzeit an mehreren Forschungsprojekten, um die Ausbreitungsdynamik von Vergilbungskrankheiten der Rebe in Südtirol besser zu verstehen und die wissenschaftlichen Grundlagen für wirksame Präventions- und Eindämmungsmaßnahmen zu schaffen.
Eine der Fragen, denen die Forschenden nachgehen, betrifft die mögliche Rolle von Rebpflanzgut bei der Übertragung der Krankheiten. Untersucht wird, ob junge Reben, die für die Anlage neuer Weinberge verwendet werden, zur Verbreitung von Infektionen beitragen können. Gleichzeitig befassen sich die Forschenden mit dem Vorkommen von Überträgerinsekten. Ein weiterer Forschungsschwerpunkt betrifft den molekularbiologischen Nachweis der Vergilbungskrankheiten in der Rebe. Die Erkenntnisse sollen dazu beitragen, infizierte Rebstöcke früher zu erkennen und Krankheitsherde gezielter und wirksamer einzudämmen.
Ziel der Forschung ist es, den Weinbäuerinnen und Weinbauern wissenschaftlich fundierte Erkenntnisse sowie praxisnahe Werkzeuge zur Verfügung zu stellen, um die Ausbreitung von Vergilbungskrankheiten einzudämmen und die Südtiroler Weinberge langfristig zu schützen.
Das Versuchszentrum Laimburg
Das Versuchszentrum Laimburg wurde 1975 gegründet und ist das Forschungszentrum für die Südtiroler Landwirtschaft und Lebensmittelqualität. Durch wissenschaftlich fundierte Versuchstätigkeit und Forschung entwickeln wir Know-how, erarbeiten Problemlösungen und Innovationen für die Südtiroler Landwirtschaft und Lebensmittelverarbeitung. Mit unserer Forschung sichern wir den Anbau und die Herstellung hochqualitativer landwirtschaftlicher Produkte in Südtirol und decken die gesamte Kette der Lebensmittelherstellung ab. Im Berggebiet trägt unsere angewandte Forschung zur Unterstützung und Förderung der Vielfalt lokaler Kulturen bei. Im Bereich Gartenbau setzen wir auf Beratung zu naturnahen öffentlichen und privaten Grünflächen. Unser Tätigkeitsprogramm stimmen wir jedes Jahr mit Vertretern der Südtiroler Landwirtschaft und Lebensmittelverarbeitung ab. Damit ist gewährleistet, dass unsere Forschungs- und Versuchsprogramme direkt auf die konkreten Erfordernisse der Praxis in Südtirol ausgerichtet sind. Über 250 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter arbeiten an etwa 400 Forschungs- und Versuchsprojekten – sowohl in unseren Labors in Pfatten und am NOI Techpark in Bozen als auch auf den Versuchsflächen des Agrarbetriebs der Agentur Landesdomäne, mit der wir eine historische und partnerschaftliche Zusammenarbeit pflegen.