Weniger Zettel, mehr digitale Gesundheitsleistungen
Elektronische Verschreibungen, Gesundheitsakte, Online-Dienste und Telemedizin sind heute Teil des Gesundheitsalltags – Digitalisierung spart bereits für viele Menschen Wege, Zeit und Bürokratie
- Ein Arztbesuch endet heute oft anders als vor Jahren: Keine Verschreibung auf Papier, kein zusätzlicher Weg, um Befunde abzuholen oder zum Schalter. Viele Abläufe im Südtiroler Gesundheitswesen sind inzwischen digital. Für Gesundheitslandesrat Hubert Messner zeigt sich darin vor allem eines: "Digitalisierung ist kein Selbstzweck. Entscheidend ist, dass sie den Menschen konkret etwas bringt. Wenn dadurch Papier, Wege und Verwaltungsschritte wegfallen, wird der Alltag für Patientinnen und Patienten einfacher."
Digitalisierung hat damit laut Gesundheitslandesrat bereits spürbare Veränderungen gebracht. Verschiedene elektronische Dienste ermöglichen es, Leistungen einfacher, schneller und zunehmend unabhängig von Ort und Öffnungszeiten zu nutzen.
2025 Medikamentenverschreibungen zu 98 Prozent elektronisch
Ein deutliches Beispiel sind die elektronischen Verschreibungen. Digitale Verfahren ersetzen die Papierform. Ärztinnen und Ärzte stellen die Verschreibung elektronisch aus, Patientinnen und Patienten bekommen die notwendigen Informationen digital und können dann Medikamente direkt in der Apotheke holen oder fachärztliche Leistungen vormerken.
Der Anteil der elektronischen Medikamentenverschreibungen stieg von 91,10 Prozent 2021 auf 98,06 Prozent 2025. Bei den elektronischen fachärztlichen Verschreibungen nahm der Anteil im selben Zeitraum von 83,45 auf 99,81 Prozent zu. Damit sind elektronische Verschreibungen laut Geesundheitsressort in der täglichen Gesundheitsversorgung praktisch flächendeckend etabliert.
EGA ist täglicher Gesundheitsdienst und meistgenutzter Dienst auf myCIVIS
Die Elektronische Gesundheitsakte EGA ist derzeit der meistgenutzte Dienst auf myCIVIS und ermöglicht den sicheren digitalen Zugriff auf medizinische Informationen und Dokumente.
Wie stark sich die Nutzung verändert hat, zeigt die Entwicklung der Zustimmung zurKonsultation der EGA durch medizinisches Fachpersonal. Ende 2021 lag sie noch bei 1,2 Prozent, Ende 2025 schon bei 43,87 Prozent. Im August 2026 haben 51,35 Prozent der im Landesgesundheitsdienst Eingeschriebenen ihre Zustimmung erteilt. Damit macht inzwischen mehr als die Hälfte der eingeschriebenen Bevölkerung ihre Gesundheitsakte für das medizinische Fachpersonal zugänglich. "Die Entwicklung der EGA zeigt sehr deutlich, dassdigitale Gesundheitsdienste dann angenommen werden, wenn sie einen konkreten Nutzen bieten", sagt Messner. "Heute stehen medizinische Informationen digital bereit, ohne dass dafür jedes Mal Papierunterlagen gesucht, kopiert oder von einer Gesundheitseinrichtung zur nächsten gebracht werden müssen."
Befunde, Arztwahl und Vormerkungen online
Mit "Befunde Online" können außerdem medizinische Dokumente des Südtiroler Sanitätsbetriebes sicher online eingesehen und heruntergeladen werden. Allein 2025 wurden auf diesem Weg rund 377.000 medizinische Dokumente von Bürgerinnen und Bürgern heruntergeladen. Auch die Online-Arztwahl und die digitale Vormerkung von Gesundheitsleistungen sind etabliert. Über den Online-Dienst "SaniBook" wurden 2025 bereits 31,47 Prozent aller Vormerkungen digital vorgenommen. Befunde können von zu Hause abgerufen, die Wahl der Haus- oder Kinderärztin beziehungsweise des Haus- oder Kinderarztes online vorgenommen und Gesundheitsleistungen digital vorgemerkt werden.
Auch Telemedizin bereits Teil der Versorgung
Telemedizin gehört ebenfalls schon zur regulären Gesundheitsversorgung. Sie umfasst Videosprechstunden, Telekonsile und Telemonitoring und wird vor allem bei chronischen und betreuungsintensiven Erkrankungen eingesetzt. 2026 wurden mehr als 13.250 Patientinnen und Patienten telemedizinisch betreut. Gerade das Telemonitoring bietet konkreten Nutzen. Gesundheitswerte werden daheim durch vernetzte Geräten erfasst und an die behandelnden Fachkräfte übermittelt. Veränderungen sind dadurch frühzeitig erkennbar, ohne dass es für jede Kontrolle einen Besuch in einer Gesundheitseinrichtung braucht.
"Das Ziel ist nicht, persönliche medizinische Betreuung durch Digitalisierung zu ersetzen", betont Messner. Vielmehr gehe es darum, digitale Möglichkeiten dort einzusetzen, wo sie die Versorgung ergänzen und den Menschen Wege, Zeit und unnötige Bürokratie ersparen. Die Entwicklung der vergangenen Jahre zeige, dass Digitalisierung im Gesundheitswesen in Südtirol nicht nur ein Zukunftsprojekt, sondern in vielen Bereichen bereits gelebter Alltag sei.
LPA/san