Im Bild (v.l.): Die Junioren Viacheslav Kudraivcev, Kirill Kravchuk und Vladimir Levichev mit Trainer Maksim Akudovich sowie Yakov Bukin, Ilia Tarasov, Iurii Talykh, Grigorii Bukin, Ekaterina Lavrenteva, Stanislav Kovshik, Ivan Lazarev und Pavel Porshnev beim Ziel der Gafair-Rodelbahn von Laas.
Alexander De Martin belegte vor kurzem den 2. Platz in Naturbahnrodeln in Lüsen. Im Bild mit seinen großen Vorbildern (1. Reihe von links): Ivan Lazarev, Ekaterina Lavrenteva, Alexander De Martin, Pavel Porshnev, (2. Reihe) Trainer Maksim Akudovich, Petr Popov und Aleksander Egorov.
Aleksandr Zyrianov und Yakov Bukin im Serviceraum.

Basislager Laas

Russische Nationalmannschaft jeden Winter für zwei Monate zu Gast

Publiziert in 4 / 2019 - Erschienen am 5. Februar 2019

Laas - Als im Jahr 2011 in Laas auf der Gafair-Bahn die Europameisterschaft der Junioren in Naturbahnrodeln ausgetragen wurde, suchte die russische Nationalmannschaft eine Unterbringung in Laas. Auf dem  Panoramahof (Urlaub auf dem Bauernhof) der Familie De Martin haben die russischen Sportler diese gefunden, und seitdem ist Laas jeden Winter für zwei Monate das Basislager der russischen Naturbahnrodler. der Vinschger hat mit dem Besitzer Kurt De Martin, dem mehrfachen Weltmeister und Gesamtweltcupsieger im Doppelsitzer Ivan Lazarev sowie mit der Ausnahmeathletin Ekaterina Lavrenteva ein Gespräch geführt:

der Vinschger: Wie kommen Athleten aus dem fernen Russland auf einen Bauernhof in Laas und warum kommen sie jedes Jahr wieder?

Kurt De Martin: Meine beiden Söhne sind Naturbahnrodler, und über den Bahnchef Erich Trenkwalder entstand der Kontakt zum Trainer der russischen Athleten. Im ersten Jahr haben sie probeweise in unseren Ferienwohnungen gewohnt und sich dann entschieden, wiederzukommen. Wir bieten den Sportlern viel Platz zum Präparieren ihrer Rodeln, einen geheizten Serviceraum und die halbe Garage (lacht). Sie verpflegen sich selbst oder sie essen in verschiedenen Restaurants in der Umgebung, die Reinigung übernimmt meine Frau Doris. Die Athleten können alle ihre Sachen für die ganze Zeit in den Ferienwohnungen lassen. Das schätzen sie sehr.

Herr Lazarev, warum ist Laas für Sie und ihre Teamkollegen zum Basis-
lager geworden?

Ivan Lazarev: Wir haben hier optimale Trainingsbedingungen auf den Rodelbahnen von Laas und Tarsch. Laas liegt ideal zwischen Moos im Passeier, Umhausen im Ötztal, Deutschnofen oder Olang, wo die Weltcup-
rennen stattfinden. Und bei Familie De Martin haben wir Gastgeber gefunden, wo wir familiär untergebracht sind und unter besten Voraussetzungen unsere Rodeln präparieren können. Doris unterstützt uns bei Zimmerreservierungen, schreibt Emails für uns, hilft uns beim Übersetzen usw.

Sie sind im Doppelsitzer sehr erfolgreich, verraten Sie uns Ihre Siege? Wieviel trainieren die Athleten hier in Laas?

Ivan Lazarev:  Ich habe mit meinem Kollegen Porshnev Pavel den Gesamtweltcup bereits viermal gewonnen, dreimal sind wir Weltmeister und viermal Europameister geworden. Im Training sind wir jeden Tag auf der Bahn, wir laufen und testen das Material. Zwischen den Weltcuprennen trainieren wir nur zwei- bis dreimal in der Woche.

Wie finanzieren sich die Athleten ihren Trainingsaufenthalt?

Ivan Lazarev: Das russische Sportministerium unterstützt uns finanziell, je nach Resultat mehr oder weniger.

Wie viele Sportler sind zurzeit in Laas und woher kommen sie?

Ivan Lazarev: Im Moment sind 14 Athleten, davon drei Junioren und drei Frauen hier in Laas. Wir kommen aus St. Petersburg, Murmansk und Umgebung, aus Moskau, aus Bratsk in Sibirien, dem Uralgebirge und Jekatarinenburg. Unsere Anreise ist sehr aufwändig. Kürzlich hat uns Kurt De Martin vom Flughafen in München abgeholt. Unsere Kleinbusse kommen aus Sigulda in Litauen und aus Russland. Letzterer wird in Finnland mit unserem gesamten Material eingeschifft bis nach Deutschland.
Kurt De Martin: Die Entbehrungen sind nicht zu unterschätzen. Die russischen Athleten brauchen eine sehr große mentale Stärke. Sie sind über Monate weg von zuhause, die älteren Sportler haben alle Frauen und Kinder.

Frau Lavrenteva, auch Sie und ihr Mann Stanislav Kovshik mussten lernen, mit Entbehrungen umzugehen?

Ekaterina Lavrenteva: Wir haben zweijährige Zwillinge zuhause; im letzten Jahr waren sie mit uns und meiner Schwiegermutter für zwei Monate hier in Laas. Zum Glück haben wir ein sehr gutes Verhältnis mit allen Athleten und eine enge Freundschaft mit Doris und Kurt, dasmacht die lange Entfernung erträglich. Und natürlich sind wir auch mit Greta Pinggera und vielen anderen Naturbahnrodlern befreundet.
Kurt De Martin: Es herrscht ein gegenseitiges Vertrauen zwischen uns und den Athleten. Unsere russischen Gäste entsprechen überhaupt nicht dem Klischee; sie sind sympathisch und höflich, einfach sportlich! Wir wurden sogar schon russisch bekocht! 

Frau Lavrenteva, auch Sie haben eine lange Erfolgsliste und nach der Babypause und einer Verletzungspause ein tolles Comeback gefeiert.

Ekaterina Lavrenteva: Ich habe viermal die Weltmeisterschaft, zwölfmal den Gesamtweltcup und viermal die Europameisterschaft gewonnen. Die letzten beiden zweiten Plätze in Moskau und Deutschnofen sind wie Siege für mich nach meiner Beinverletzung.

Wann haben Sie mit dem Rodelsport begonnen?

Ekaterina Lavrenteva: Das war 1993, da war ich 11 Jahre alt. Ich bin Jahrgang 1981 und kürzlich habe ich zu Greta Pinggera gesagt: “Wenn ich mit dem Rodeln begonnen habe, warst du noch nicht einmal auf der Welt“! (lacht)

Ingeborg Rainalter Rechenmacher
Ingeborg Rainalter Rechenmacher

Diese Seite verwendet Cookies für funktionale und analytische Zwecke. Lesen Sie unsere Cookie-Richtlinien für weitere Informationen. Durch die Nutzung dieser Website erklären Sie sich damit einverstanden.