Jonas Perkmann begann seinen Trainingsabend mit der Positionssuche.
Mama Sabine und Jonas Perkmann beim Überstülpen der Schieß-Handschuhe.
Beeindruckend die Ergebnisse nach dem Einschießen.
Jonas und die Fähigkeit, mit seinen Füßen auch schwierige Bewegungen durchzuführen.

Es gibt immer eine Lösung

Manchmal ist sie kreativ, meistens überraschend.

Publiziert in 15 / 2026 - Erschienen am 25. August 2026

Kastelbell-Tschars - Was macht man jetzt? Man steht verlegen im Treppenhaus und weiß nicht, wie man den jungen Mann begrüßen soll, der weder Arme noch Hände betätigen kann. Begrüßt werden sollte ein Zwölfjähriger, von dem man erzählt, „dass er alles mit den Füßen macht“. Die besondere Behinderung von Jonas Perkmann war dann der eigentliche Grund für die Verlegenheit im Treppenhaus. Es gab weder Händedruck noch Schulterklopfen. Jonas machte keine Affäre daraus und löste die Situation im Treppenhaus, indem er einfach in die Küche marschierte. Auch Mama Sabine schien froh zu sein, den ersten Kontakt überstanden zu haben. Sie begann zu erzählen. Von der Kaiserschnittgeburt, von der Behandlung durch den Kinderarzt Hubert Messner, heute Landesrat für Gesundheit. Begriffe für Lähmung und Durchblutungsstörung wurden verwendet. Sabine erzählte von langen Aufenthalten in einem deutschen Kindertherapiezentrum. Sie zeigte Handy-Fotos und kurze „Videos“ mit Jonas als Baby, als kleinen Mann, als Schüler, der ungewöhnlich geschickt seine Beine und Füße einsetzt und Sport zu seinem Lieblingsfach erklärt hat. Sein Opa Alfred hat ihm ein Fahrrad gebaut, das er mit dem Rücken lenkt und mit Rücktritt bremst.

Die ganze Familie steht dahinter

Dass er ausgerechnet im Sportschießen mit Luftdruckgewehr Spitzenergebnisse erzielt, hängt nicht nur mit seiner Fähigkeit zu absoluter Konzentration zusammen, sondern auch mit einem späteren Therapie-Erfolg. Dadurch konnte er ein bescheidenes Kraftniveau in Daumen, Zeigefinger und kleinem Finger der rechten Hand zurückgewinnen und den Abzug seiner Waffe betätigen. Dass er damit unglaubliche Ringzahlen schießen kann, hat er inzwischen bewiesen. Bei den VSS/Raiffeisen-Landesmeisterschaften am 7. Juni in Auer wurde er sogar Tagessieger. Was die Zuschauer aber staunen ließ, waren seine Fähigkeit oder Geschicklichkeit, mit den Füßen die Schüsse einzulegen. Dass Jonas schon jetzt verblüffende Erfolge im Schießsport aufweist, hat der junge Mann seinem Opa Paul zu verdanken. Paul Perkmann stellte im Jahr 2024 einen ersten Kontakt zwischen Jonas, Mama Sabine und den verantwortlichen Trainern der Sportschützengilde Kastelbell-Tschars her. Für Leonilla und Sepp Paulmichl war es selbstverständlich, dem motivierten jungen Mann die bestmöglichen Voraussetzungen zu bieten. Im Schlumser Schießstand hatte man ihn mit offenen Armen aufgenommen. 

Herausforderungen für Athlet und Trainer

Natürlich mussten verschiedene Änderungen vorgenommen werden, um mit seinen Voraussetzungen ein wirkungsvolles Training zu ermöglichen. Aus dem Schützenstand musste ein „Hochsitz“ entstehen. Dadurch kann Jonas zwischen seinen Beinen teilweise auf der Tischverlängerung sitzen. Die Zehen, mit denen er ladet, tragen Fingersocken - aus hygienischen Gründen. In seiner speziellen Position wird Jonas zu einem kompakten Bündel an Konzentration. Äußerst erfolgreich, wie man unschwer auf dem Bildschirm der elektronischen Zielanlage nachvollziehen kann. Damit das aber so bleibt und sich Jonas weiterentwickeln kann, versucht Trainer Paulmichl derzeit die Schießposition, den Tisch und die Waffe so umzubauen, dass alles dem Schießen nach den Para-Regeln des Nationalen Verbandes (U.I.T.S.) entspricht.

Günther Schöpf
Günther Schöpf

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