Starke Geschwister
Manuel und Lena Telser sorgen für Furore im Armwrestling.
Taufers i. M. - Das Armdrücken, oder besser gesagt Armwrestling wie es in der Fachsprache heißt, ist in Südtirol eine Sportart des äußeren Randes. Dass diese Kraftsportart aber auch hier immer mehr in den Fokus rückt, dafür will ein Geschwisterpaar aus Taufers im Münstertal sorgen. Der 19-jährige Manuel Telser und seine 14-jährige Schwester Lena sind italienweit top. Begonnen hat alles 2022 am Gardasee in Gardone Riviera. Damals fuhr Manuel Telser eher spontan zu seinem ersten Wettkampf im Armwrestling. „Ich habe ein Plakat gesehen von den Italienmeisterschaften, dachte wir fahren hinunter und bis zuletzt habe ich dann gewonnen“, erinnert sich der Bauarbeiter. Was als Abenteuer begann, endete direkt mit dem Titel – und dem Beginn einer Leidenschaft. Auch Schwester Lena war damals schon mit dabei, feuerte ihren Bruder an und war sofort vom Sport fasziniert.
Nationale und internationale Erfolge
Heute ist Manuel längst kein Geheimtipp mehr. Er startet in der Kategorie U23 bis 100 Kilogramm sowie in der Profiklasse und holte kürzlich in der Provinz Brescia erneut den Italienmeistertitel. Zu seinen größten Erfolgen zählen außerdem zwei Siege beim Supermatch-Format in Italien sowie ein internationaler Turniersieg in der Schweiz. Unterstützt wird er unter anderem vom Bauunternehmen Erhard Tedoldi sowie von der Disco Enzo. Sponsoren, die bitter nötig sind, um die Kosten etwas zu decken. Denn Armwrestling hat zwar Tradition und ist auch rasant wachsend, aber finanziell kein Selbstläufer. Startgelder müssen selbst bezahlt werden, Preisgelder gibt es kaum. Nur in wenigen Profi-Ligen wie „East vs. West“ fließt wirklich Geld – dort aber auch nur für die, die sich international einen Namen gemacht haben. „Die Liga würde mir prinzipiell gefallen, weil man viel Aufmerksamkeit erhält“, sagt Telser, ergänzt aber kritisch: „Ich bin mit der Liga nicht einverstanden, da es keine wirklichen Kontrollen gibt und Athleten ungetestet antreten. Doping ist dort nicht unüblich.“ Im Gegensatz dazu setzen der internationale Verband World Armwrestling Federation und nationale Verbände auf regelmäßige Kontrollen und klare Strukturen. Auch Lena Telser sorgt inzwischen für sportliche Schlagzeilen. Gemeinsam mit ihrem Bruder und ihrer Mutter reiste sie nach Budapest zu den Europameisterschaften. In der Kategorie Sub-Junior (14–15 Jahre) bis 60 Kilogramm dominierte sie eindrucksvoll und holte sowohl mit rechts als auch mit links die Goldmedaille.
Viel Disziplin und Aufwand
Trainiert wird bei den Telsers intensiv und mit viel Disziplin. Drei- bis viermal pro Woche steht daheim Krafttraining auf dem Programm, dazu kommen zwei Einheiten wöchentlich im Team. Jeden Mittwoch geht es nach Brescia, zusätzlich gelegentlich nach Verona oder zu ihrem Team Orso Marsicano in Neumarkt. Gerade die weiten Wege gehören längst zum Alltag. „Es ist wichtig, mit den stärksten zu trainieren“, erklärt Manuel. In Südtirol selbst findet er kaum ernsthafte Gegner: „Da gehe ich gerastet heim“, sagt er und muss selbst lachen. Deshalb die regelmäßigen Fahrten nach Brescia, am Abend nach der Arbeit. Trotz der Strapazen überwiegt die Leidenschaft. Das Ziel ist klar: stärker werden, international Fuß fassen und vielleicht eines Tages ganz oben in der Weltspitze mitmischen.