Für Reinhold Messner wurde es ein Schlüsselvortrag.

Antarktischer Schlüsselvortrag

Publiziert in 30 / 2016 - Erschienen am 31. August 2016
SULDEN - Selten zuvor war Reinhold Messner so mitgenommen von einer seiner Multivisions­shows. Mit „Wild- Der letzte Trip auf Erden“ begeisterte der ehemalige Extrembergsteiger nicht nur die rund 800 Besucher im voll besetzten Suldner Freizeitzentrum, sondern auch sich selbst. Akribisch hatte sich Messner auf diesen Vortrag vorbereitet. Mit Leidenschaft und Begeisterung brachte er ihn über die Bühne. Bereits im Voraus ließ er verlauten, dass dies ein „Schlüsselvortrag“ für ihn sein werde. Ein Vortrag über das für ihn größte Seeabenteuer der Menschheitsgeschichte. Die legendäre „Endurance“-Expedition vom britischen Polar­forscher Sir Ernest Henry ­Shackleton in den Jahren 1914 bis 1917. Ein Vortrag über einen Kampf ums überleben. Eine Geschichte, die erzählt werden musste. Sir Ernest Shackleton und sein Team wollten 1914 als erste Menschen die Antarktis durchqueren. Doch die Antarktis wird für die Besatzung der ­„Endurance“ zur weißen Hölle. Etwa ein Jahr nachdem das Schiff den Hafen verlassen hatte, wird es im Weddellmeer endgültig vom Packeis eingeschlossen, dümpelt einen Winter lang im Nirgendwo und wird im Frühling 1916 von den Eispressungen zerstört. Auch wenn die Expedition scheiterte, erlangte sie große Bekanntheit, und zwar, weil alle Expeditionsmitglieder der Gruppe unter Shackleton und seinem Stellvertreter Frank Wild unter äußerst widrigen Umständen überlebten. Während Shackleton eine spektakuläre Rettungsaktion startete, war es sein Stellvertreter Frank Wild der die Hoffnung am Leben hielt und damit den kollektiven Selbstmord verhinderte. Genau diese Person des Frank Wild war der Protagonist im Vortrag von Messner. Intensiv hatte sich ­Messner im Voraus mit der Expedition und insbesondere mit der Rolle von Wild beschäftigt. Zahlreiche Bücher und Schriften wurden studiert, alte Aufnahmen zusammengetragen. Das Schicksal der Crew, der Überlebenskampf und das Tun von Wild gingen beim Vortrag selbst dem ehemaligen Bergsteiger nahe. Das zahlreich erschienene Publikum wusste dies zu würdigen: Selbst Szenenapplaus gab es für den Vortragenden. Etwas verpasst hat zweifelsohne die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel. Sie verbrachte Anfang August ihren einwöchigen Sommerurlaub in Sulden. In den vergangenen Jahren war die laut dem US-Wirtschaftsmagazin Forbes derzeit mächtigste Frau der Welt ein Stammgast bei ­Messners Vorträgen. Diesmal reiste sie jedoch bereits am Tag der Multivisionsshow zurück nach Deutschland. MICHAEL ANDRES
Michael Andres
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Vinschger Sonderausgabe

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