Sie stellten die Studie vor (v.l.): LR Florian Mussner, Handelskammerpräsident Michl Ebner, LH Arno Kompatscher und WIFO-Direktor Georg Lun; Foto: LPA/Roman Clara

Bahn-Studie vorgestellt

Wichtiger Motor für Gesellschaft und Tourismus

Publiziert in 36 / 2017 - Erschienen am 24. Oktober 2017

Bozen/Vinschgau - Was die Vinschger Bahn, die seit 2005 durch das Tal rollt, aus sozioökonomischer Sicht für die westliche Landeshälfte bewirkt hat, wurde vom Institut für Wirtschaftsforschung der Handelskammer Bozen (WIFO) im Auftrag der Landesregierung in einer Studie untersucht. Landeshauptmann Arno Kompatscher, Mobilitätslandesrat Florian Mussner, der Präsident der Handelskammer, Michl Ebner, sowie WIFO-Direktor Georg Lun stellten die Ergebnisse am 23. Oktober in Bozen vor. „Eines können wir sicher sagen: die Investition in die Vinschger Bahn hat sich gelohnt, nicht nur für den Vinschgau. Sie hat neue Impulse für den Tourismus gebracht und ist vor allem für die Arbeitspendler, die Schüler und die Senioren unerlässlich. Zudem hat sie im Land eine Begeisterung für die umweltfreundliche Mobilität mit der Bahn ins Rollen gebracht hat“, sagte Kompatscher und verwies auf die rund zwei Millionen Fahrgäste pro Jahr. Als Meilenstein nannte er das Abkommen mit dem Schienennetzbetreiber RFI, mit dem die Weichen für einen weiteren Ausbau der Bahn mit der Riggertaler Bahnschleife, für den Ausbau der Meraner Bahnlinie, die Mobilitätszentren, den Virgl-Tunnel und natürlich für die Elektrifizierung der Vinschger Bahn gestellt wurden. Kompatscher: „Wir setzen weiterhin auf die Bahn als Rückgrat der Mobilität in Südtirol und wollen alle 30 Minuten Fahrten in alle Richtungen anbieten und in Stoßzeiten auf den Hauptstrecken alle 15 Minuten.“ „Die Ergebnisse der WIFO-Studie zeigen auf, dass die Vinschger Bahn vor allem für die Touristen und für die Bevölkerung von großer Bedeutung ist. Die Bahn ist ein wichtiger Impulsgeber für die Tourismusbranche im Tal“, unterstrich Michl Ebner. Laut Einschätzungen der Experten hat die Reaktivierung der Bahn die Tourismuswirtschaft im Vinschgau belebt. Darüber hinaus profitiere vor allem die Bevölkerung von der Bahn. Ohne den Zug wäre die Verkehrssituation auf der Vinschger Straße noch problematischer, hob Ebner hervor. Florian Mussner bezeichnete die Vinschger Bahn als Lebensader für das Tal: „Allein diesen September sind mehr als 7.000 Entwertungen pro Tag auf den Bahnhöfen zwischen Meran und Mals registriert worden, das sind immerhin 7.000 Fahrten mit dem Auto oder Motorrad auf der Straße weniger, wobei der Tagesverkehr auf der Vinschger Staatsstraße in den vergangenen Jahren gleich geblieben ist.“ Mussner verwies auf das Mobilitätskonzept des Landes mit dem Ziel, Verkehr zu vermeiden, zu verlagern, zu verbessern und zu vernetzen. Die Arbeiten zur Elektrifizierung der Vinschger Bahn kämen gut voran und ab 2020 könne demnach die Kapazität verdoppelt werden.

Bereicherung für den Tourismus

Zusammengefasst weisen die Ergebnisse der Befragung von 27 Entscheidungsträgern und Experten im Vinschgau zur sozioökonomischen Bedeutung laut WIFO-Direktor Georg Lun auf einen Mehrwert der Bahn im Tourismus und für die Bürger im Vinschgau hin. Die Bahn hat zu einem besseren Mobilitätsangebot für die Gäste beigetragen, sodass diese den Urlaub autofrei gestalten. Die Möglichkeit, verschiedene Reiseziele miteinander zu verbinden, das preislich attraktive Angebot und die Planungssicherheit sind die meist genannten Gründe dafür. Es hat sich auch eine deutliche Zunahme im Tages- und beim Radtourismus gezeigt. Für die Unternehmen außerhalb der Tourismusbranche sehen die Befragten hingegen einen weniger greifbaren Nutzen durch die Bahn.

Unverzichtbar für die Bürger

Neben den Touristikern profitiert laut Studie vor allem die Bevölkerung sehr stark von der Bahn als Alternative zum Pkw, weil die Bahn aus zeitlicher, finanzieller und ökologischer Sicht vorteilhaft ist. Die Befragten beschreiben die Bahn als einzige stauunabhängige Verbindung nach Meran und Bozen, die für Arbeitspendler, Schüler, Studenten und Senioren unverzichtbar sei. Hauptsächlich ist die Bahn laut Studie deshalb beliebt, weil sie verlässlich, sicher und komfortabel ist.

Blick in die Zukunft

Mit der Elektrifizierung soll das Mobilitätsangebot weiter verbessert werden. Durch die so möglichen Direktverbindungen von Mals nach Bozen, zusätzlichen Garnituren und dichteren Fahrplänen könne das Angebot attraktiver und bequem sowie flexibel nutzbar werden. Bahnverbindungen in die benachbarten Gebiete waren ein vielfacher Wunsch der Befragten. Eine Bahnverbindung nach Scuol (Schweiz) würde den Vinschgau stark aufwerten. Durch die Erschließung des Schweizer Schienennetzes könnte in einem zweiten Schritt auch eine Verbindung nach Landeck folgen. LPA/Sepp

Josef Laner
Josef Laner
Vinschger Sonderausgabe

Diese Seite verwendet Cookies für funktionale und analytische Zwecke. Lesen Sie unsere Cookie-Richtlinien für weitere Informationen. Durch die Nutzung dieser Website erklären Sie sich damit einverstanden.