Beeinträchtigt? Begabt!

Publiziert in 44 / 2015 - Erschienen am 10. Dezember 2015
Was psychisch beeinträchtigte Menschen oft zu leisten im Stande sind, wird im Wohnheim am Schlanderser Bahnhof schnell klar. SCHLANDERS - Eine Struktur für Menschen mit psychischen Problemen finden. Diesem Auftrag hat sich der Treffpunkt für psychisch kranke Menschen im Wohnheim „Bahnhof“ in Schlanders verschrieben. Der Treffpunkt nennt sich nun, mitsamt neuem Logo „Treffpunkt Kunst. Bezirksgemeinschaft Vinschgau“. Ein Titel, der auf die künstlerische Begabung und die vielen Aktivitäten der Hausbesucher aufmerksam machen soll. Rund 40 regelmäßige Besucher sind es momentan. Das Angebot reicht vom gemeinsamen Kaffeetrinken und Miteinanderreden über Gesellschaftsspiele, Arbeiten mit verschiedensten Materialien, wie Holz, Ton, Wolle, Stoff, bis hin zu spezifischen Workshops und Ausflügen. Kreativität und handwerkliche Fähigkeiten der psychisch beeinträchtigten Menschen gelte es zu fördern. Schließlich sei vor allem auch die Kunst ein Zugang zur Seele. „Die Menschen finden hier einen Ort der Begegnung. Der soziale Aspekt ist uns wichtig“, betont die Direktorin der Sozialdienste in der Bezirksgemeinschaft Vinschgau, Karin Tschurtschenthaler. Mit dieser Tagesstruktur wolle man Menschen eine Beschäftigung geben. Anforderungen was die „Art“ der Erkrankung betrifft, werden keine gestellt. Ob depressive Personen oder Menschen mit Redebedürfnis, willkommen ist jeder. Personen aus dem ganzen Vinschgau kommen in die Einrichtung nach Schlanders. Die Zusammenarbeit mit den Ärzten der Psychiatrie klappe hervorragend. Dies bestätigte auch die Primarin des psychiatrischen Dienstes, Verena Perwanger. „Der Treffpunkt hier in der Schlanderser Bahnhofstraße ist ein kreativer Knotenpunkt“, lobte sie. Ein Lob, welches auch an Roman Altstätter gerichtet war. Seit Jahren nämlich leitet der Kortscher mit großem Engagement die Struktur. Kürzlich gelang es Altstätter die Boznerin Lene Morgenstern, bekannt durch ihre Poetry Slams, ins Haus zu holen. Die Schrift der Seele Stolz wurde kürzlich das Langzeitprojekt „Schriftrolle“ vorgestellt. Live-Musik, Lesungen, Ausstellungen und Vorträge standen zudem auf dem Programm. Beim Projekt „Schriftrolle“ sei es für jeden möglich, seine Gedanken auf die 50 Meter Rolle lange Papierrolle zu schreiben. Dabei gehe es auch darum, ein „Logbuch der Seele“ zu schaffen, so Tschurtschenthaler, eine Schleiserin mit Pusterer Wurzeln. Schließlich sei die Seele der „kostbarste Schatz des Menschen“, erklärte Altstätter. Die Schriftrolle werde in den nächsten 18 Monaten an verschiedenen Orten des Landes „auf die Seele hinweisen“. AM
Michael Andres
Michael Andres
Vinschger Sonderausgabe

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