„Bettenbörse ist nicht zielführend“

SVP Vinschgau, Bürgermeister/innen und Touristiker treffen sich mit Landesrat Arnold Schuler

Publiziert in 3 / 2022 - Erschienen am 15. Februar 2022

Vinschgau - Auf Einladung der Vinschger SVP und der Bürgermeister/innen kam es Ende Jänner zu einem Treffen mit Tourismuslandesrat Arnold Schuler in Schlanders, um das Landestourismusentwicklungskonzept vorzustellen und mit den Vinschgern darüber zu diskutieren. SVP Bezirksobmann Albrecht Plangger und Bezirkspräsident Dieter Pinggera führten in das Thema ein. Landesrat Schuler zeigte im Anschluss daran anhand einer Power-Point-Präsentation auf, wie sich die Anzahl der Betten und Übernachtungen im Vinschgau und im ganzen Land entwickelt hat. Auch die Leitmotive für den Südtiroler Tourismus und die geplanten Maßnahmen stellte er vor. Außerdem sprach er über die Erstellung der Gemeindeentwicklungsprogramme. „Dass die touristische Entwicklung Grenzen braucht, haben alle eingesehen, aber grundsätzlich fragt man sich im Vinschgau, warum die Diskussion um die Bettenobergrenze und Bettenbörse auch im Vinschgau geführt werden muss, wenn sich dort die Bettenzahl in den vergangenen 10 Jahren kaum erhöht hat und der Zuwachs an Übernachtungen nichts zum ‚Over-Tourismus’ beigetragen hat, nachdem zudem wahrscheinlich keine Vinschger Gemeinde als ‚stark entwickelt’ eingestuft werden kann“, wird der Bezirksobmann in einer Pressemitteilung zitiert. 

Nichts zum „Over-Tourismus“ beigetragen

Der Bezirkspräsident Dieter Pinggera erinnerte beim Treffen an das Gutachten des Rates der Gemeinden, der dem Landeskonzept nur mit klaren Bedingungen zugestimmt habe. Es wurde für eine Einteilung der Gemeinden in 3 und nicht nur in zwei 2 Kategorien plädiert, und zwar „stark entwickelt“, „entwickelt“ und „strukturschwach“. Außerdem waren weitere Entwicklungsmöglichkeiten in strukturschwachen Gebieten sowie für kleine und mittelgroße Familienbetriebe gefordert worden. Schuler stimmte der Einteilung in 3 Kategorien zu. Demnach wird Martell nicht mehr auf derselben Liste wie Corvara aufscheinen. „Die in der Vergangenheit von der Landesregierung gemachten Zuweisungen von Betten über ein Tourismuskonzept haben nicht funktioniert“, heißt es in der Aussendung weiter. Von 27.000 Betten seien nur knapp 10% realisiert worden. Es gebe aber im Land ca. 37.000 Betten, die zwar in der Bettenstatistik aufscheinen, die aber nicht mehr „aktiv“ sind. Die Gemeinden sollten unbedingt im Rahmen der Gemeindeentwicklungsprogramme erheben, wie viele solche Betten es in den jeweiligen Gemeinden gibt. Vielleicht wäre das Angebot höher als der momentane oder mehrjährige Bedarf. Diese Betten könnten in nicht stark entwickelten Gebieten wieder für Erweiterungen zugewiesen werden. 

Tourismuskonzept für das ganze Tal

Laut dem Landesrat hätten die Gemeinden jetzt alle Informationen und Unterlagen, um die Tourismusentwicklungskonzepte bzw. Gemeindeentwicklungsprogramme zu erstellen. Im Vinschgau soll ein Tourismuskonzept für das ganze Tal erarbeitet werden. Das war im Rahmen einer Bürgermeisterrunde vereinbart worden. Die Finanzierung und Bezuschussung seitens des Land ist aber noch ungeklärt, „sodass dringender Handlungsbedarf besteht.“ Der Landesrat soll alle Informationen und Unterlagen der Landesämter und der Eurac an die Gemeinden weitergeben. Zudem soll er diese Themen in der Landesregierung vorbringen, „damit die Gemeinden starten können.“ Die sogenannte Bettenbörse wird von den Vinschger Bürgermeister/innen und Touristikern nicht als zielführend angesehen. Plangger: „Die Vinschger Betten müssen unbedingt dem Vinschgau verbleiben und nicht in die Landes-Bettenbörse nach Bozen kommen.“

Kein Bock auf Landes-Bettenbörse

Auch müssen touristische Erweiterungen, wie beispielsweise in Martell oder Langtaufers, wo sich die meisten Tourismusbetriebe außerhalb der Siedlungsgrenzen befinden, weiterhin möglich sein. Auch neue Betriebe sollten errichtet werden können, eventuell über einen Ausnahmebeschluss der Landesregierung. Es sei unbedingt festzuschreiben, dass die Landesregierung begründete Ausnahmen für Erweiterungen bzw. neue Betriebe zulassen kann: „Zum Beispiel für Gemeinden, für die eine touristische Entwicklung erst aufgrund neuer Gegebenheiten möglich wird. Das könnte eine stark verkehrsgeplagte Gemeinde nach dem Bau einer Umfahrung sein.“ Eine Ausnahme sollte auch für Gemeinden möglich sein, in denen Aufstiegsanlagen bestehen, um diese besser auslasten bzw. wirtschaftlich führen zu können. Das Treffen sei notwendig und positiv gewesen, sagt Bezirkspräsident Pinggera. Nun hoffe man, „dass die Anregungen und Forderungen des Vinschgaus bei der normativen Umsetzung des Landeskonzeptes Berücksichtigung finden, dass Entwicklungen weiter zugelassen und die notwendigen Ausnahmeregelungen geschaffen werden.“ In rund einem halben Jahr soll es ein neuerliches Treffen geben.

Redaktion
Vinschger Sonderausgabe

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