Der Marsch zur Kirche mit Martin Wielander, Heinrich Noggler und Peter Kaserer an der Spitze (v.l.).
Bataillonskommandant Christian Eberhart
Bataillonskommandant Josef Wielander
Peter Kaserer prämierte die Göflaner Schützen, vertreten durch Esther Tappeiner, Martin Wielander, Peter Raffeiner, Valerian Wallnöfer und Kunigunde Wielander (v.l.).

„Der Freiheitswille ist unsere Berechtigung“

Eine selbstbewusster und demokratisch gestärkter Schützenbezirk Vinschgau hielt seinen Bezirkstag in der Grenzgemeinde Graun ab.

Publiziert in 11 / 2017 - Erschienen am 30. März 2017

Graun - Bezirksmajor Peter ­Kaserer eröffnete die Versammlung und begrüßte die geistlichen und weltlichen Hausherren, Pfarrer Klaus Rohrer und Bürgermeister Heinrich Noggler. Don Klaus hatte zuvor die Messe in der Pfarrkirche zur Hl. Katharina zelebriert. Musikalisch umrahmt wurde die Messe von den Jagdhornbläsern „Hirschruf“. Die Reihe der Rück­blicke eröffnete Christian Eberhart, Kommandant des Obervinschgauer Bataillons Josef Stecher. Er erinnerte an den Unabhängigkeitstag in Bruneck, an die Marschierbewerbe und Ausbildungslehrgänge und hoffte, „im kommendem Jahr einem freien und unabhängigen Südtirol näher zu kommen“. ­Josef Wielander, Kommandant des Bataillons Martin Teimer, ließ die großen Gedenkfeiern Revue passieren und fragte sich und die Versammlung, welche Folgen es haben würde, wenn in Bozen italienische Grundschüler die sechs Strophen des Andreas Hofer-­Liedes in Italienisch singen würden, wie es in Mantua ge­schehen sei. Als wichtigste Säule des Schützenwesens bezeichnete er den Freiheitswillen: „Er macht uns Schützen zu dem, was wir sind“. Jungschützenbetreuerin Esther Tappeiner sah in Bund und Bezirk den Stamm eines Baumes, in den Kompanien die Äste und in den Jungschützen und Jungmarketenderinnen die Knospen und Triebe. Bezirksmarketenderin Sandra Holzknecht sprach von einem „spannenden Jahr“ mit vielen Ausrückungen, gut besuchten Kursen und Kontakten zu anderen Bezirken. Dem Bericht von Stefan Schwienbacher für die Gruppe der Trommler folgte der Jahresrückblick des Bezirksmajors.

Selbstbestimmte Schützen

Peter Kaserer hatte einen leichten Mitgliederrückgang auf derzeit 602 Schützen und Marketenderinnen festgestellt. Für die Zuwächse in den Kompanien Tschengls, Schluderns und ­Burgeis gab es starken Applaus. Der Kompanie Göflan mit Hauptmann Martin Wielander wurde der Titel „Kompanie des Jahres“ zuerkannt, berechnet über Mitgliederzahl, Ausrückungen und Fleiß. Kernthema der Ausführungen des Bezirksmajors war aber die Basisabstimmung der Vinschger Schützen. „Es war ein kleiner Schritt, aber er führt zum Selbstbestimmungsgedanken“, sagte er. „Nur wenn wir ihn im Kleinen praktizieren, können wir ihn nach außen tragen und auf unsere politischen Vertreter Einfluss nehmen.“ Den Südtirolern fehle diese Kultur der Selbstbestimmung im Gegensatz zu Liechtenstein oder zur Schweiz. „Ich empfehle den Gemeinden, solche demokratischen Wege zu gehen und nicht erst zu warten, bis sich irgendwo die Bevölkerung erhebt“, meinte er. Die Schützen durften per Briefwahl oder per SMS abstimmen, ob man ohne Tracht am Bezirksschießen teilnehmen könne. 81,6% der 556 Stimmberechtigten hätten teilgenommen und 77% für das Ja gestimmt. Für Anonymität war durch ein von Martin Wielander erstelltes Programm gesorgt. „Es war eine klare Entscheidung, die in unseren Statuten verankert wird“, erklärte Kaserer. „Wir Vinschger Schützen gehen basisgestärkt in die Zukunft.“

Beeindruckte Ehrengäste

Die Basisabstimmung war dann auch Gegenstand der Grußworte. Bezirksmajor Martin Schönherr aus Landeck zeigte sich tief beeindruckt. Hauptmann Lukas Pfeifer aus Bozen meinte: „Da läuft was im Vinschgau.“ Bürgermeister ­Noggler dankte den Schützen, dass sie den Begriff Heimat dort mit Inhalte füllen, wo viele die Heimat verloren hätten. Die Lacher auf seiner Seite hatte Parlamentarier Albrecht Plangger mit seiner Geschichte von der ersten Ehrensalve, die ihn vor Schreck vom Stuhl fallen ließ, weil er aus einer „viele Jahre lang schützenlosen ­Gemeinde“ komme. „Jetzt gehören wir aber auch wieder zu die Leit.“ Als Vertreter des Vinschgauer ­Kameradenkreises dankte Engelbert Agethle aus Prad für die Gedenkfeier in Spondinig. Hauptmann Adalbert Tschenett aus Tschengls lobte und dankte der Bezirksleitung für die geleistete Arbeit.

Günther Schöpf
Günther Schöpf
Vinschger Sonderausgabe

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