Der Heini von der Warenvermittlung
Enrico „Heini“ Hopfinger kommt seit Jahrzehnten nach Latsch. Jetzt verabschiedet sich der 87-Jährige in den Ruhestand.
LATSCH/BOZEN - Einmal wöchentlich, Donnerstag- oder Mittwochvormittag, Jahr für Jahr, seit vielen Jahrzehnten kommt er in die Warenvermittlung nach Latsch. Er, der „Heini“. Heini heißt eigentlich mit bürgerlichem Namen Enrico Hopfinger, ist am 12. Oktober 1938 in Bozen geboren und arbeitet als Vertreter. Als solcher vertritt er die Einkaufsgenossenschaft für landwirtschaftliche Artikel Lana (E.I.L.) und bietet verschiedene Produkte an, insbesondere aus dem Bereich der Arbeits- und Sicherheitsbekleidung. „Alles, was in der Landwirtschaft hierzu benötigt wird“, sagt Heini. Fast im ganzen Vinschgau ist der 87-Jährige unterwegs, bis nach Mals. „Und ich komme immer wieder gerne hierher“, sagt er. Kein Wunder, schließlich gibt es für ihn hier „die treuesten Kunden“, wie er dem der Vinschger gegenüber erwähnt.
„Als die Russen kamen, mussten wir gehen“
Aber der Reihe nach: Der Bozner, der 1940 im Rahmen der Option ins Burgenland ausgewandert ist, blickt auf ein ereignisreiches Leben zurück. „1945, damals war ich noch keine sieben Jahre alt, mussten wir das Burgenland wieder verlassen. Die Russen kamen. Wir mussten alles stehen und liegen lassen“, erzählt er. Einige Jahre verbrachte die Familie schließlich in Lienz in Osttirol. Anfang der 1950er Jahre ging es dann in eine Kaserne nach Leifers, wo sich Rücksiedler aus Südtirol und Rovigo befanden. Dort hielt sich der immer noch minderjährige Heini mit seiner Familie über 1,5 Jahre auf. Danach wurden die Hopfingers schließlich in Bozen sesshaft, im sogenannten „Shanghai-Viertel“. Damals habe Heini auch Italienisch gelernt. Ebenfalls zu dieser Zeit, genau genommen im Jahre 1952, im Alter von gerade mal knapp 14 Jahren, begann er in einem Lebensmittelgeschäft zu arbeiten. Diesen Beruf übte er zehn Jahre aus. Danach arbeitete er bei den Gebrüdern Buratti in Bozen, als Vertreter für die Gummiabteilung. „Schon zu dieser Zeit war ich im Vinschgau unterwegs, lieferte Schuhe, Gummistiefel, PVC-Schläuche und dergleichen“, so Heini. Die Arbeit übte er bis zu seiner Pensionierung aus, 1993 erhielt er den Verdienstorden der italienischen Republik als „Cavaliere al Merito della Repubblica Italiana“ für seine langen beruflichen Leistungen. Eigentlich wäre Heini bereits seit 1995, also seit er 57 Jahre alt ist, im Ruhestand. Doch es sollte anders kommen. „Ich war nur wenige Monate daheim. Ich habe es nicht ausgehalten, rumzusitzen und TV zu schauen. Ich musste schnell wieder was tun“, betont er.
„Zuverlässig und schnell“
So kam es zum Engagement bei der Einkaufsgenossenschaft Lana und Heini fuhr den Vinschgau weiter auf und ab. Auch sehr zur Freude von Thomas Patscheider von der Warenvermittlung Latsch. „Der Heini ist zuverlässig und schnell“, lobt dieser. Mit Februar geht jedoch leider eine Ära zu Ende. Dann kommt der Heini das letzte Mal. „Jetzt gehe ich endgültig in den Ruhestand“, lacht der 87-Jährige, der mittlerweile seit mehr als 30 Jahren in Seis am Schlern wohnt. Patscheider bedauert dies. „Ich bin seit 1993 hier. Heini belieferte uns schon damals. Ich hätte noch 13 Jahre bis zur Pension, ich habe ihm schon gesagt, er soll noch bis 100 weitermachen, dann könnten wir zusammen in den Ruhestand“, scherzt der Latscher. Auch Heini selbst sagt lachend, dass er noch rund zehn Jahre weitermachen könne, aber irgendwann müsse halt mal Schluss sein. „Ich gehe deshalb mit einem weinenden und einem lachenden Auge.“