Eine Planskizze des skitechnischen Zusammenschlusses der Skigebiete Haider Alm und Schöneben.

„Die Verbindungsbahn ist das Herzstück“

Publiziert in 7 / 2016 - Erschienen am 24. Februar 2016
Der Zusammenschluss der Skigebiete Schöneben und Haider Alm hat für die Gemeindeverwaltung Priorität. Franz Prieth: „Ohne Landesbeitrag geht nichts.“ Graun - Mit 13 Ja-Stimmen und 2 Enthaltungen hatte der Gemeinderat von Graun Ende Dezember 2015 der Machbarkeitsstudie für eine skitechnische Verbindung der Skigebiete Haider Alm und Schöneben zugestimmt. Die 30-tägige Frist, während der es möglich gewesen wäre, ­Stellungnahmen und Vorschläge zur Verbesserung einzureichen, ist abgelaufen. Es gingen keinerlei Stellungnahmen ein. Am 15. Februar wurde die Machbarkeitsstudie zusammen mit dem Umweltbericht und weiteren Unterlagen der zuständigen Landeskommission übermittelt, genauer gesagt dem Amt für Landesplanung. Sobald die Bewertung dieses ­Amtes vorliegt, geht der Ball an die Landesregierung. „Stimmt auch diese dem Vorhaben zu, stünde als nächster Schritt die Ausarbeitung des Ausführungsprojektes an“, kündigten der Bürgermeister Heinrich Noggler und der Gemeindereferent Franz Prieth dem der Vinschger gegenüber an. Ball geht an Landesregierung Prieth vertritt die Interessen der Gemeinde in beiden Ski­gesellschaften, in der Schöneben AG ebenso wie in der Haider AG. „Für uns als Gemeinde hat der skitechnische Zusammenschluss von Schöneben und der Haider Alm Priorität“, so Franz Prieth. Und zwar nicht nur deshalb, weil die Gemeinde an beiden Gesellschaften mit eigenen Aktien beteiligt ist - bei der Haider AG sind es knapp 60%, bei der ­Schöneben AG ca. 25% -, sondern noch aus weiteren Gründen. Hierbei nennt Prieth die seit längerer Zeit prekäre wirtschaftliche Situation der Haider AG. Sollte es gelingen, den skitechnischen Zusammenschluss tatsächlich zu verwirklichen und die nötigen Geldmittel dafür zu sichern, „wäre dies sozusagen der letzte Rettungsanker für die Haider Alm.“ Keine Zweifel gebe es ­darüber, dass beide Skigesellschaften zum Vorhaben stehen: „Es waren ja die zwei Gesellschaften, in deren Auftrag die rund 100.000 Euro teure Machbarkeitsstudie erstellt wurde.“ Fast 5 km lange Verbindungsbahn In der unter der Federführung von Ingenieur Erwin Gasser erstellten Studie sind kurz-, mittel- und langfristige Investitionen angeführt. Prieth: „Das Herzstück ist zweifelsohne die Verbindungsbahn zwischen den zwei Skigebieten.“ Der skitechnische Zusammenschluss soll über eine automatisch kuppelbare Kabinenbahn errichtet werden, die aus einer Talstation in St. Valentin, einer Zwischenstation und einer Bergstation im Skigebiet Schöneben besteht. Die Bahn soll 1.800 Personen pro Stunde befördern. Entlang der fast 5 km langen Bahnlinie sind 26 Linienstützen vorgesehen. Die Fahrzeit wird mit 14 Minuten angegeben. Die Talstation soll am westlichen Ortsrand von St. Valentin am Ende der Talabfahrtspiste entstehen, und zwar gegenüber der derzeitigen Talstation. Die Zwischenstation ist auf einer Flachstelle in einem Waldgebiet in ca. 1 km Entfernung von der Talstation angelegt. Die Bergstation soll neben der Skipiste ­Schöneben-Jochbahn oberhalb der Waldgrenze entstehen. Ebenfalls vorgesehen ist ein Verbindungsskiweg, der von Schöneben bis zur Zwischenstation verlaufen soll, und zwar parallel zur Verbindungsbahn. Zu den weiteren Vorhaben ­gehören der Bau der neuen Skipiste „Plan Grand“ auf der Haider Alm mit einer neuen Wasserableitung für Beschneiungszwecke am Haidersee, der teilweise Abbau von bisherigen Anlagen auf der Haider Alm, die Errichtung der Aufstiegsanlage „Panorama“ mit Skipiste im Skigebiet Schöneben. Noch ist alles offen Ob überhaupt und wann diese und weitere Maßnahmen, wie sie in der Studie vorgeschlagen werden, auch umgesetzt werden können, ist derzeit noch offen. Prieth: „Der erste und wichtigste Schritt ist natürlich der Bau der Verbindungsbahn mit den dazugehörigen Lawinenverbauungen.“ Die Baukosten der Bahnverbindung werden mit 13,875 Millionen Euro angegeben, die Ausgaben für die Lawinenverbauungen mit 2,7 Mio. Euro. Etwas mehr als 2 Mio. Euro dürfte der Bau der Skipiste „Plan Grand“ mit Beschneiungsanlage kosten. Zu den als kurzfristig eingestuften Maßnahmen gehört auch die 20-jährige Generalrevision der Aufstiegsanlage in St. Valentin. Die Revision ist bereits im Gang. Allein für den Bau der Verbindungsbahn Schöneben-Haider Alm wird ein Landesbeitrag von 10,4 Mio. Euro erwartet, was 75% der Kosten entspricht. „Wir hoffen sehr, dass uns das Land hier unterstützt“, sagt Franz Prieth. Wenn nicht, sei an eine Um­setzung des Zusammenschlusses erst gar nicht zu denken. Auch bei den Generalrevisionen in beiden Skigebieten setze man auf Landesbeiträge. Natürlich wollen die Skigesellschaften auch Eigenkapital einbringen. Gemeinde hofft auf Unterstützung des Landes Ein nicht unerheblicher Teil der Kosten müsste über ein längerfristiges Darlehen aufgebracht werden. Zuversichtlich ist die Gemeindeverwaltung in Sachen Umweltverträglichkeit. Der UVP-Beirat hatte bereits 2010 ein vom ehemaligen Bürgermeister Albrecht Plangger in die Wege geleitetes Projekt für die skitechnische Verbindung der zwei Skigebiete mit Auflagen genehmigt. Zumal diese Umweltverträglichkeitsprüfung nur eine Gültigkeit von 5 Jahren hatte, haben die Haider AG und die Schöneben AG im März 2015 um eine Verlängerung der Gültigkeit angesucht. Die Landesregierung hat der Verlängerung um 2 Jahre zugestimmt. „Zumal in der jetzt erstellten Machbarkeitsstudie die Auflagen des UVP-Beirates berücksichtig wurden, gehen wir schon davon aus, dass auch die jetzt anstehenden Gutachten positiv ausfallen“, so Prieth. Er erinnert auch daran, dass zusätzlich zur Machbarkeitsstudie auch bereits eine Vereinbarung mit allen betroffenen Grundbesitzern getroffen worden ist. Die Gemeindeverwaltung sei zuversichtlich, alle noch aus­stehenden Genehmigungen und bürokratischen Abwicklungen im heurigen Jahr erhalten bzw. bewältigen zu können. Läuft in Bozen alles „glatt“, geht der Ball wieder zurück an die Gemeinde: endgültiges Einverständnis der Grundeigentümer, Baukommission, Eintragung ins Register der Auftsiegsanlagen und Skipisten (von Amts wegen) und Erteilung der Baukommission durch den Bürgermeister. „Operativer Plan zur Rationalisierung“ Nicht wenig Kopfzerbrechen bereitet der Gemeinde nach wie vor das Gesetz, wonach Gemeinden aus Gesellschaften, an denen sie beteiligt sind und die wiederholt rote Zahlen schreiben, aussteigen müssten. Geschieht das nicht, sind sie verpflichtet, innerhalb 31. März 2016 einen „operativen Plan zur Rationalisierung“ vorzulegen, der u.a. Haushalts-Rückstellungen und Eindämmungen der Betriebskosten vorsieht. Schützenhilfe für die Lösung dieses Problems hat der Kammerabgeordnete Albrecht Plangger zugesagt. Sepp
Josef Laner
Josef Laner

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